Wer Sinn und Verständnis für das ländliche Volkstum hat, dem wird dieses
Büchlein Freude machen. Es kommt, wie schon sein Titel »Wildfarren« andeutet,
aus taufrischem Walde; es enthält eine Reihe schlicht gezeichneter Bilder aus
dem Bauernleben des böhmisch–bayerischen Grenzgebirges, der Heimat Adalbert
Stifters. Der ideale Dichtergeist Stifters ist zwar nicht in diesem Buche;
solches ist im Gegenteile gar zeitgemäß angelegt, von kräftigem Realismus
getragen. Es schildert die Erscheinungen des Volkslebens in treuer
Wahrhaftigkeit, es wirft auch manches Schlaglicht auf die Seele des Landmanns.
Wohl mag's diesem Buche vielleicht ergehen, wie manch anderem seiner Art, den
Naturalisten wird es zu zart gehalten, den Idealisten zu derbsinnig sein; die
Bigotten werden es frivol, und die Frivolen bigott nennen, aber das wird das
beste Zugeständnis seines weiten lebenswahren Kreises sein. Der Menschen- und
Sittenschilderer muss darstellen, wie es ist, nicht wie es sein sollte, er muss
in den Geist seines Gegenstandes eingehen, in ihm aufgehen, er muss als guter
Kamerad des Volkes mit den Fröhlichen jauchzen, mit den Betrübten weinen, mit
den Tätigen schaffen, mit den Müßigen grübeln, mit den Frommen beten, mit den
Sündern sündigen.