Izzy´s freie Bibliothek - Philosophie als Kunst by Graf Hermann Keyserling

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Title: Philosophie als Kunst

Author: Graf Hermann Keyserling

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Tags: Philosophie

Publisher: Otto Reichl Verlag

Philosophie als Kunst
Autor: Graf Hermann Keyserling
Herausgeber: Otto Reichl Verlag
Auflage: Zweite Auflage
Veröffentlicht: 1922
Genre: Traktat
eBook Ersteller: Izzy's eBook Library
eBook erstellt: 2017-02-04
Quelle: Project Gutenberg

Das Menschenleben, von der Geburtsstunde bis zum Tod, und im Fall der geistig Schaffenden über diesen hinaus, gleicht einer Tondichtung. Neue Melodien, neue Themen klingen einfallartig in gemessenen Abständen an, ein Tempo folgt unvoraussehbar auf das andere; und doch stellt das Ganze eine unverkennbare zeitliche Einheit dar. Die Grundtonart gibt aller möglichen Transponierung einen einigen ideellen Ursprungsort, der Grundmotive sind wenige, deren Zusammenhang, Abwandlung und Folge gehorcht einem Bildungsgesetz. Und war dieses machtvoll genug gegenüber dem Stoff, so kann die Schöpfung als vollendet gelten. Im Leben gelingt solch vollendete Schöpfung beinahe nie, weil es hierzu des seltensten Könnens bedarf: supremer Lebenskunst. Hier drängt sich der Stoff dem Gestalter wider sein Wählen auf; hier wird das innere Gesetz auf Schritt und Tritt vom Walten äußerer, oft machtvollerer durchkreuzt. Leichter gelingt sie erfinderischer Phantasie. Bloß in der Vorstellung lebendige Charaktere haben den Vorzug, daß ihr Schöpfer ihrem innerlichen Schicksal unwillkürlich auch äußerliche Vormachtstellung zuerkennt –: weshalb Gestalten der Dichtung, gegenüber denen der Geschichte, meist wahrscheinlicher wirken. Früge einer nun die Meisten von Künstlerart und -blick, ob sie mit ihrem verflossenen Lebenslauf zufrieden wären, so bekennten sie sicher: nicht ungern erfänden sie manches um an ihm. Manches hätte etwas anders kommen müssen, damit die Erscheinung des Geschehens Sinn unverzerrt offenbarte; manche Motive wären unausgearbeitet geblieben, bei anderen wieder hätten ärgerliche Zufälle die Ausdrucksmöglichkeit äußerlich behindert; auch die Tempi stimmten in ihrer Folge nicht allemal. Auf daß die grundsätzlich vorhandene symphonische Einheit rein zu Tage träte, täte eine Umarbeitung der Vergangenheit not.

(aus der Einleitung)

Download: ePub (220kB) 

Last Update: 04-02-2017 20:35
Stand: 2017-10-23 10:01
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