"Das Kapital" ist Karl Marx' wissenschaftliches Hauptwerk. Anders als etwa
das "Kommunistische Manifest" ist es kein Aufruf zur Revolution, sondern eine
äußerst umfangreiche, systematische und detailreiche Analyse und "Kritik der
politischen Ökonomie", so der Untertitel. Entsprechend lange hat Marx dafür
gebraucht: 15 Jahre arbeitete er allein am ersten Band. Marx versucht in
seiner komplexen Abhandlung hinter die versteckten Funktionsweisen des
Kapitalismus zu kommen. Dabei nähert er sich schrittweise über die Begriffe
der Ware, des Tauschwerts und des Gebrauchswerts seiner berühmt gewordenen
Arbeitswertlehre: Eine Ware, so Marx, ist so viel wert, wie die darin
"geronnene" Arbeitszeit. Der Arbeiter muss, da er keine Produktionsmittel
besitzt, seine Arbeitskraft verkaufen, und zwar an die Kapitalisten, die
Maschinen und andere Produktionsmittel besitzen. Der Kapitalist will seine
Waren nicht verkaufen, um andere Waren erwerben zu können, sondern um sein
Geld zu vermehren. Das "geldheckende Geld", der kapitalistische
Akkumulationsprozess steht im Zentrum der Marx'schen Kritik. Die Auswirkungen
von Marx' Werk auf die Wissenschaften sind schon kaum zu überschätzen -
diejenigen auf die weit reichenden politischen Umwälzungen in großen Teilen
der Welt im 20. Jahrhundert in den kommunistischen Staaten erst recht nicht.