Das "Erstlingswerk" des Autors.
Es ist schwer, die erste Liebe festzustellen; hat man sie oder glaubt man sie
zu haben, so findet sich in der Regel, daß es noch eine allererste gab. Ein
verstorbener Freund von mir war denn auch wirklich bei dieser retrospektiven
Untersuchung bis an sein viertes Lebensjahr zurückgeraten.
Mit der ersten literarischen Arbeit verhält es sich ähnlich. Wenn man eben
seinen Erstgebornen in einem auf liniiertem Papier geschriebenen
Geburtstagskarmen entdeckt zu haben glaubt, ergibt sich plötzlich, daß man
schon anderthalb Jahre vorher zu einer Wilhelm-Tell-Puppentheatervorstellung
einen Prolog gedichtet hat, drin, unter mehr oder weniger deutlilichen
Anspielungen auf Klassenlehrer, Tyrannenmord als einziges Rettungsmittel
gepredigt wird. Wirklich, es ist schwer, seinem ersten literarischen
Sündenfall ein präzises Datum zu geben. Ich laß es aber darauf ankommen und
bemächtige mich ohne weitres eines Sonnabendnachmittags, an dem ich, als
Untertertianer, eine Fußpartie nach dem mir durch Familienbeziehungen
bekannten und befreundeten Dorfe Löwenbruch hin unternahm, um mich daselbst,
einen Tag lang, all meiner Schulsorgen, unter denen ein »Deutscher Aufsatz
nach selbstgewähltem Thema« voranstand, zu entschlagen …