Die Judenbuche
Autor: Annette von Droste-Hülshoff, 1797-1848
Quelle: MobileRead
Die 1842 im 'Morgenblatt' veröffentlichte Kriminalnovelle 'Die Judenbuche'
schildert den auf Tatsachen beruhenden Fall eines Judenmords im Paderborner
Land und seine schicksalhafte Sühne.
Annette von Droste-Hülshoff, 1797 - 1848, stilisierte die Novelle im Sinne
der Schauerromantik.
Friedrich Mergel wächst in der Mitte des 18. Jahrhunderts als Sohn des
chronischen Trinkers Hermann Mergel und dessen zweiter Frau Margaret in einem
abgeschiedenen Ort in Westfalen auf, in dem Gesetzesübertretungen an der
Tagesordnung sind. Nach dem ungeklärten Tod des Vaters im Brederholz
verfällt der zu aggressivem Stolz veranlagte Junge seinem diabolischen Onkel
Simon Semmler, dem die Rolle eines Verführers zum Bösen zukommt. Mehr und
mehr unterliegt Friedrich der im Dorf und in der Familie gegenwärtigen
Ursünde des Hochmuts, die als Leitmotiv die Novelle durchzieht. Mit 18 Jahren
wird er mitschuldig am Tod des Försters Brandis, den er wissentlich einer
gefährlichen Bande von Holzfrevlern in die Arme treibt. Vier Jahre später
erschlägt er den Juden Aaron, von dem er sich öffentlich gedemütigt fühlt,
im Brederholz unter einer Buche. Er flieht gemeinsam mit seinem ständigen
Begleiter Johannes Niemand aus dem Dorf und kann daher nicht für seine Tat
belangt werden. Als 28 Jahre später ein verkrüppelter Mann aus türkischer
Gefangenschaft ins Dorf zurückkehrt, glaubt man in ihm Johannes Niemand zu
erkennen. Einige Monate später findet man ihn erhängt an der so genannten
Judenbuche und identifiziert ihn durch eine Narbe als Friedrich Mergel. Das
Doppelgängermotiv wird damit auf die Spitze getrieben, die beiden Figuren
Friedrich und Johannes entpuppen sich als zwei Facetten ein und derselben
Person. In Friedrichs Selbstmord erfüllt sich der hebräische Spruch, den die
Juden nach dem Mord an Aaron an der Buche anbringen ließen: »Wenn du dich
diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast.«
Unaufhaltsam hat der Baum den Täter zu sich herangezogen, bis er sich
schließlich wie Judas – dieses ist der deutlichste von zahlreichen
biblischen Bezügen – am Baum erhängt hat.
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