AM 1. September 1920 lief Adolf Schreiber aus dem unwirtlichen Berlin
in den Wannsee. — Flüchtig begann die Tagespresse sich mit ihm zu
beschäftigen. „Selbstmord eines Künstlers“ — „Künstlerschicksal“. Ein
paar Notizen, eine interessant aufgetupfte Farbe in einigen Feuilletons.
„Typischer Fall“ hieß es. Aber das war der Fall gar nicht, war im
Gegenteil ein Äußerstes an Kompliziertheit, Seltsamkeit. Als solcher
freilich hätte er einen grellen Reflex auf das Typische werfen können.
Aber nur die Nächststehenden wußten das. In Zeilen von Adolf Heilborn,
Auguste Hauschner blitzte es auf. Dann wurde es wieder sehr schnell
still.
In diesen Zeilen war daran erinnert worden, daß Adolf Schreibers
tiefverborgenes Leben schon einmal ohne seinen Willen in die
Öffentlichkeit gezogen worden war. Durch einen Artikel von mir, einen
Verzweiflungsschrei. Siegfried Jacobsohns „Schaubühne“ hatte im Mai 1913
das Folgende gebracht, als meinen
„AUFRUF AN DIE MUSIKFREUNDE“.