Hier eine weitere Gedichtsammlung von Albert Heinrich Rausch, dessen
spätes Gedichtbuch
Liebe, das
allerdings unter seinem Pseudonym Henry Benrath erschien, ich hier vor
einiger Zeit als eBuch vorgelegt habe.
Die Sonette, so der schlichte Titel des Buches, sind 1912 erschienen,
als Rausch 30 Jahre alt war, und seither nicht wieder verlegt worden. Der
Band enthält zwei Kreise von Liebesgedichten: Die toskanischen Sonette
(60 Gedichte) und die hessischen Sonette (40 Gedichte).
Diese Sonette sind, wie große Teile der Lyrik von Albert H. Rausch,
ohne Stefan Georges Das Jahr der Seele und Der Teppich des Lebens
überhaupt nicht denkbar, und auch von den Sonetten des Grafen von Platen
hat Rausch sich einiges abgeschaut. Aber gerade die Epigonalität dieser
Gedichte ist auch eine Stärke: sie verhindert, außer in gelegentlichen
Ausrutschern, das Abgleiten ins nur Gefällige. Diese Sonette halten fast
durchweg eine mittlere Stilhöhe, die diejenige Georges zwar nicht
erreicht, sich aber immer an ihr orientiert, als fernes Ziel, sozusagen.
Verglichen mit der herb-klaren, wie gemeißelten Sprache Georges ist hier
alles weicher, gelegentlich auch weichlicher, preziöser, manchmal wird es
auch ziemlich schmachtend bis hin zum Edelkitsch. Gemessen an dem, was
sich heute Lyrik nennt, kommt diese Verssprache einem vor wie aus einer
endgültig untergegangenen Zeit (was vielleicht so ist). Aber gerade das
macht sie lesenswert, als ein fernes Echo dessen, was in der Lyrik einmal
möglich war.