In den letzten Jahren hatte Friede zwischen Römern und Katten
geherrscht, denn am Oberrhein gebot ein römischer Legat, Antonius
Saturninus, der den Germanen wohlgesinnt war, freundliche Verhältnisse zu
den Katten anbahnte und den Frieden mit ihnen zu erhalten wußte.
Doch Antonius Saturninus war, wohl gerade wegen seines guten
Zusammenlebens mit den Katten, beim Kaiser Flavius Domitianus, dem
Nachfolger des edlen Titus, beschuldigt worden, er plane eine Erhebung
gegen ihn mit Hilfe der ihm unterstellten zwei Legionen und seiner
Verbündeten, der Katten. Der mißtrauische Tyrann in Rom, der persönlich
dem Legaten übelgesinnt war, sandte, ohne zu prüfen, auf den bloßen
Verdacht hin die pannonischen Legionen gegen Saturninus, ließ den
überraschten und zur Verzweiflung getriebenen Mann nach kurzer Gegenwehr
der diesem ergebenen Legionen hinrichten und sein Haupt öffentlich
ausstellen.
Als die Katten von der Gefahr ihres Freundes Saturninus erfuhren,
wollten sie ihm zu Hilfe eilen. Der stark angeschwollene Rhein machte
dies leider unmöglich; Saturninus war vernichtet, ehe sie den Fluß
überschreiten konnten.
Seit diesen Vorgängen – die Absicht der Katten, dem Legaten zu Hilfe zu
kommen, war nicht verborgen geblieben – herrschte in Rom eine feindselige
Stimmung gegen sie. Monate vergingen und es herrschte Stille an der
Grenze, aber es war die Stille vor dem Sturm. Die klugen Kattenfürsten
freilich waren auf der Hut und überwachten die Vorgänge im Römergebiet
mit scharfem Auge.
Kunde war jetzt zu ihnen gedrungen, daß der Römer seine Kriegscharen am
Rhein in Moguntiacum (Mainz), Confluentes (Koblenz) und Bona (Bonn)
auffallend vermehre, und Domitian seinen besten Feldherrn, den von den
Legionen Asiens und Iberiens vergötterten Ulpius Trajanus, zum Legaten am
Oberrhein ernannt habe. Vorsicht war also geboten, um das Land zu
schützen, und die Häupter der Katten waren dessen eingedenk.