Die Erzählung Gut Stepanchikowo und seine Bewohner, für deren
Fertigstellung Dostojewski fast zwei Jahre brauchte, erschien erstmals im
Jahre 1859 in der Zeitschrift Otetschestwennyje Sapiski. Ein Jahr später
wurde der Kurzroman ohne Änderungen als Buch veröffentlicht. Bei den
Zeitgenossen Dostojewski hinterließ Gut Stepanchikowo keinen bleibenden
Eindruck. Erst nach seinem Tod erhielt es Anerkennung von Kritikern und
Lesern. Besonders die Figur des scheinheiligen Heuchlers Foma Opiskin wurde
zum Gattungsnamen in der russischen Literatur.
Wie "Onkelchens Traum" stammt auch die längere humoristische Erzählung "Das
Gut Stepantschikowo und seine Bewohner" von 1859, nach Dostojewskis Rückkehr
aus der Verbannung und seiner eher unseligen Eheschließung mit Marja
Dmitrijevna.
Geschildert wird aus der Sicht des zu seinem Onkel Rostanew auf das Gut
Stepanitschkowo gerufenen Neffen vor allem das Schmarotzer-mäßige Treiben
eines dreisten Bediensteten dieses ehemaligen Obristen mit Namen Foma Fomitsch
Opiskin, der sich - nachdem bisher schon das Leben ihm übel mitgespielt habe,
nunmehr zu einem wahren Moralapostel und heimlichen Herrscher des Gutes
aufwirft. Der zu gute Mensch Rostanew zieht sich über diese Konkurrenz
Opiskins lauter Nichtsnutzer und Blutsauger heran, die sich alle eher auf
dessen Seite schlagen, um eigene Vorteile besser durchsetzen zu können. Die
Situation droht schließlich zu eskalieren, als Foma Fomitsch die heimliche,
wenn auch erwiderte Liebe des Gutsbesitzers zur Erzieherin seiner Kinder aus
erster Ehe aufdeckt als eine ungehörige Verführung. Es kommt endlich zur
gewitterumtosten Revolte des Herrn gegenüber seinem Knecht mit Austreibung
Fomitschs und allerdings raschen Gewissensbissen Rostanews. Da aber
schließlich Opiskin selbst das Techtelmechtel zum Ehebund segnet, endet alles
doch noch versöhnlich.
Dostojewski schildert an diesem Foma Fomitsch eine psychologisch interessante
These: "Wer weiß, vielleicht ist diese bis ins Ungeheuerliche entwickelte
Eigenliebe nur ein falsches, früh verkrüppeltes Empfinden der eigenen
Menschenwürde, die zum erstenmal vielleicht schon in der Kindheit durch
fremdes Joch, Armut, Schmutz oder Verachtung mit Füßen getreten worden ist?"
Lange vor Sigmund Freud erweist sich hier die tiefe Menschenkenntnis
Dostojewskis, sicherlich vermittelt über eigene negative Erfahrungen mit
seinem Vater wie auch den Eindrücken in der sibirischen Verbannung.