In den letzten zehn Jahren hat auch die Toxikologie viele neue
Forschungen und Beobachtungen zu verzeichnen. Die Arbeiten auf dem
Gebiete der allgemeinen Toxikologie behandeln vor allem die Frage der
elementaren Giftwirkung, die feineren Veränderungen der Ganglienzellen
bei der Narkose, die Wirkung der Blutgifte (Hämolysine), die toxische
Leukozytose und Glykosurie. Im speziellen Teil haben zahlreiche neue
Experimentaluntersuchungen über Mineral- und Pflanzengifte, sowie sehr
viele kasuistische Mitteilungen über Vergiftungen bei den Haustieren
Aufnahme gefunden. Sie betreffen z. B. die Unempfindlichkeit der
Wiederkäuer gegenüber der Digitalis, die Vergiftungen durch indische
Rübkuchen, blausäurehaltige ausländische Bohnen und Futterkalk, die
chemischen Bestandteile und die physiologische Wirkung der Kornrade, das
angebliche Vorkommen der Kainitvergiftung beim Wild, das Vergiften des
Raubzeugs durch Strychnin, die Gefährlichkeit der Aloe bei gleichzeitiger
Verabreichung anderer Abführmittel (Brechweinstein, Kalomel), die Frage
der Schachtelhalm- und Pilzvergiftung, die neuen Forschungen über
Schlangengifte, die Vergiftungen durch Rizinussamen und Filmaron,
Naphthalin und Naphthol, Kokain und Arekolin. Neu aufgenommen wurden
endlich die Vergiftungen durch Rainfarnkraut, Wiesenschaumkraut,
Jakobskraut, Kornblumen, Kleeseide, Brennesseln, Hopfendolden, Mohrrüben,
Melasse u. a.