Flor de Mayo und La Huerta gehören zu meinen ersten Romanen. Ich
schrieb sie stückweise, als ich in Valencia die von mir gegründete
Zeitung »El Pueblo« leitete. […]
Schweifte ich, meinen Roman im Sinn, am Strande umher, so traf ich
häufig einen jungen Maler, – er war nur fünf Jahre älter als ich – der in
der prallen Sonne arbeitete. Wie ein Magier gab er auf seiner Leinwand
das goldene Licht wieder, die unsichtbare Färbung der Luft, das bebende
Blau des Mittelmeeres, das transparente und gleichzeitig feste Weiss der
Segel, die weiss-gelb gescheckte, fleischige Masse der mächtigen Ochsen,
die majestätisch die Wogen teilten, um die Barken an Land zu ziehen.
Als Knaben hatten wir uns gekannt, dann aus den Augen verloren. Jetzt
kam er von Italien und erlebte seine ersten Triumphe. Zum Realismus in
der Kunst bekehrt, voller Geringschätzung für die in Schulen erlernte
Malerei, war das Meer Valencias, dessen leuchtenden Schimmer er heiss
bewunderte, sein einziger Meister.
Gemeinsam arbeiteten wir – er auf der Leinwand, ich an meinem Roman –
vor Augen dasselbe Modell. So erneuerte sich unsere Freundschaft; wir
wurden Brüder, bis uns vor kurzem der Tod trennte.
Es war Joaquín Sorolla.