Kein Roman des berühmten Franzosen ist für die Gegenwart lesenswerter als der
vorliegende, der ein so interessantes Gemälde von dem Reiche der Mitte giebt,
wie wohl kaum ein zweites Werk solcher Gattung. Gelehrte Werke über China sind
vorhanden oder erschienen in Menge, aber den Nutzen, den sie für den deutschen
Leser stiften sollen, welchen die neuesten politischen Ereignisse vor die
Notwendigkeit gestellt haben, sich mit den Verhältnissen, Gebräuchen und Sitten
dieses eigentümlichsten aller Völker vertraut zu machen, können sie um
deswillen nicht stiften, weil bei ihnen die trockne Behandlung der Materie zu
rasch ermüdet. In dem vorliegenden Werke aber – einem Roman im eigentlichen
Sinne des Wortes – bietet sich dem Leser in wunderbarer Fülle ein schier
unerschöpfliches Material zur Belehrung über China und die Chinesen im Rahmen
einer sehr geschickt angelegten Fabel, deren Kernpunkt die alte weise Lehre
bildet: Das Glück des Lebens lehrt man erst schätzen, wenn man Unglück im Leben
erfährt.
Ein steinreicher Chinese – in einer goldenen Wiege geboren, blasiert, des
Lebens überdrüssig – wird von seinem Erzieher und Lehrer, dem Philosophen Wang,
aus seinem Glück herausgerissen und durch eine mit echt Verne'scher Phantasie
zusammengefügte Kette von Unglücksfällen geführt, deren Unwahrscheinlichkeit
sich von Stufe zu Stufe überbietet. Zu Beginn des Romans im Begriff, sich mit
einer der schönsten Landsmänninnen zu vermählen, wird er von einer Tantalusqual
in die andre gestürzt, ehe er am Schlusse des Werkes der liebenden Gattin in
die Arme geführt wird.