Das Chagrinleder oder Die tödlichen Wünsche erschien 1831 mit großem Erfolg.
Balzac beschreibt darin die französische und besonders die Pariser Gesellschaft
gegen Ende der Restauration und zu Beginn der Julimonarchie. Der Roman besteht
aus den drei Teilen Le talisman (Der Talisman), La femme sans cœur (Die
herzlose Frau) und L'agonie (Der Todeskampf).
Hauptfigur ist der junge Raphaël de Valentin, von adliger Geburt, jedoch
verwaist und verarmt, der sich immer erträumt hat, ein Schriftsteller zu werden
und sich seiner Künstlernatur widmet. Er befindet sich in einer Krise und
verspielt seine letzte Goldmünze im Palais Royal. Dies geschieht im Herbst
1829. Die Gesellschaft zerfällt zu dieser Zeit, sie tummelt sich in großen
Festen, die einen irrenden „Ausweg“ und eine Flucht vor den Ereignissen für die
Pariser Gesellschaft bedeuten. Der verzweifelte und hoffnungslose Raphael
erkennt, dass er seine Probleme nur durch Selbstmord lösen kann. Er begibt sich
somit zur schmutzigen, kalten Seine, die ihm eine logische Folge seines
Schicksals zu sein scheint. Jedoch wird er von einer spottenden und ironischen
alten Frau in Lumpen aufgehalten. Er beschließt, sich auf eine „würdige“ Weise
zu verabschieden, nämlich sich in der Nacht und nicht mitten am helllichten
Tage zu ertränken; denn wenn er sich während der Nacht hinunterstürzen lässt,
wird sein Leichnam nicht mehr zu erkennen sein. So beschließt er, seinen Tod um
einige Stunden zu verzögern, es wird sich jedoch herausstellen, dass er ihn um
ein paar Jahre hinauszögern wird, ohne es zu wollen.
Er entdeckt ein Antiquariat, in dem er auf einen alten Mann stößt, der ihm
das Chagrinleder präsentiert, ein Stück „Eselshaut“. Raphael erkennt eine
eingravierte, arabische Schrift, die übersetzt Folgendes aussagt: „Alles
besitzest du, wenn du mich besitzest. Dein Leben jedoch gehöret mir. So will es
Gott der Herr. Alles was du wünschest, soll durch mich erfüllt werden. Doch auf
dein Leben richte deine Wünsche. Das ist da. Wie deine Tage werde ich abnehmen
mit einem jeglichen deiner Wünsche. Willst du mich? So nimm mich hin! Dich
erhöret Gott! Also geschehe es!“ Das Chagrinleder soll den zerstörerischen
Zwiespalt zwischen „Wollen“ und „Können“ in ihm aufheben. Doch mit jedem
Wunsch, den er seinem Besitzer erfüllt, schrumpft dieser Talisman ein wenig
zusammen, und ein völliges Verschwinden bedeutet den Tod, da die Größe des
Talismans proportional zur Lebensdauer seines Besitzers ist. Valentin kauft das
Chagrinleder, was einem Pakt mit dem Teufel gleichkommt.