Der veruntreute Himmel
Autor: Franz Werfel
Herausgeber: Bertelsmann Lesering
Erstveröffentlichung: 1939
Veröffentlicht: 1959
Genre: Roman
eBook Ersteller: Izzy's eBook Library
eBook erstellt: 2016-02-07
Quelle: Project Gutenberg
Die Magd Teta Linek hat bei aller Einfachheit ihres Verstandes einen festen
Lebensplan und den unbeugsamen Willen zur Unsterblichkeit und Seligwerdung. Um
sich einen Platz im Himmel für alle Ewigkeit zu sichern, versucht sie durch
einen Mittler, den Sohn ihres einzigen Bruders Mojmir, sich dort einzukaufen;
denn hat nicht auch der Herrgott einen Mittler zu den Menschen gesandt, um
ihnen auf den Weg zur Seligkeit zu helfen? Teta meint, nur gute Werke gelte es
dafür zu tun. So unterstützt sie mit ihren Ersparnissen das Studium ihres
Neffen, ohne freilich Liebe für ihn zu empfinden oder überhaupt ein
persönliches Interesse an ihm zu nehmen, ja ohne ihn über dreißig Jahre
lang zu sehen. Es genügt ihr, wenn er als Priester durch das Lesen heiliger
Messen für ihr Seelenheil sorgt. Aber Mojmir ist keineswegs Priester
geworden: er ist ein Hallodri, ein Schwindler und Betrüger und treibt sein
Spiel auf die Spitze, indem er der Tante vorgaukelt, in ihrer beider
Geburtsort eine Pfarrstelle zu erhalten und sie zu sich nehmen zu wollen. Sie
reist dorthin und muß erkennen, daß alle seine Beteuerungen erlogen waren
und sie ihre Seligkeit beim Teufel eingekauft hat. Sie glaubt, jetzt Gottes
strenges Urteil erwarten zu müssen. Aber mit der ihr eigenen Härte, die
zugleich eine Angst vor dem eigenen Gefühl ist, rafft sie sich auf und
versucht die Ausführung ihres Lebensplans dennoch durchzusetzen, indem sie
aufs neue gute Werke tun will: auf einer Pilgerfahrt nach Rom lernt sie einen
jungen Priester kennen; dem will sie als Magd dienen; doch während einer
Audienz beim schwerkranken Papst Pius XI. bricht sie zusammen und stirbt kurz
darauf.
Werfel hat seinen Roman »eine Groteske, in der sich eine Legende
verschlingt«, genannt und die Frage aufgeworfen, inwiefern ein Mensch - aus
Furcht vor der Wahrheit - in die Schuld eines anderen mit verstrickt sein
kann. Die Quintessenz dieses Romans lautet: »Der veruntreute Himmel ist der
große Fehlbetrag unserer Zeit.«
(Fischer Verlag)
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