Plutokrat und Galeerensträfling
Autor: Wilhelm Anthony
Veröffentlicht: 1869
Quelle: MobileRead
Aus seiner Zeit als Theatermann stammt der Roman „Plutokrat und
Galeerensträfling“. Der Verfasser hat hier nur einen schweren Fehler
begangen: Die Wahl eines derart sperrigen Titels. Dahinter verbirgt sich
nämlich – vor dem Hintergrund des Bühnenmilieus – eine allerliebste
Geschichte über Schauspielerei, geschäftliche Machenschaften, wüste
Bonvivants, dunkle Biographien, heimtückische Verbrechen, verwickelte
Familienverhältnisse und – natürlich – die Liebe.
Der 1869 veröffentlichte Roman ist deutlich von der Biedermeier-Epoche mit
seinem Postkutschen-Idyll, der provinziellen Umgebung, der Zurückhaltung bei
der Einbeziehung politischer Momente und dem vielfältigen Einfluss
melancholischen Lebensgefühls beeinflusst, bezieht sich aber gerade mit der
– sehr einfühlsam empfundenen – überragenden Bedeutung der Gefühlswelt
der Protagonisten sehr auf die Romantik.
Bei alledem geht es in der Rahmenhandlung herzhaft zur Sache: Eine ergaunerte
Lebensstellung, die skrupellos verteidigt wird und zur Bedrohung für das
Lebensglück der jungen Helden wird, was durch das Eingreifen eines zunächst
zwielichtigen, aber an den Dingen selbst interessierten Mannes gerade noch
abgewendet wird. Bei nicht immer ganz zwingenden Handlungsabläufen wirkt der
Roman vor allem durch seine durchgängige Spannung – bis weit über die
Mitte des Buches hat der Leser nicht mehr als eine Ahnung von den wirklichen
Verhältnissen.
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