Koxkox und Kikequetzel
Untertitel: Eine mexicanische Geschichte
Autor: Christoph Martin Wieland
Herausgeber: G. J. Göschen'sche Verlagshandlung
Veröffentlicht: 1856
Genre: Erzählung
Quelle: Project Gutenberg
Aus: C. M. Wieland's sämmtliche Werke. Einundzwanzigster Band.
Ein Beitrag zur Naturgeschichte des sittlichen Menschen.
Gegen die Vorstellung, der natürliche Zustand des Menschen sei ein Leben in
Vereinzelung, ist »Koxkox und Kikequetzel« geschrieben. Titelheld und
-heldin sind Überlebende einer Naturkatastrophe, die durch das Land ziehen,
ohne je zuvor einen Menschen des anderen Geschlechts gesehen zu haben. Eines
Tages sieht Koxkox die schlafende Kikequetzel – vielleicht sollte ich noch
erwähnen, dass beide unbekleidet sind. Koxkox, schreibt Wieland, habe sich
durch Zweilerlei zu Kikequetzel hingezogen gefühlt: durch das, was an ihr im
von ihm selbst bekannt schien, und durch das, was an ihr anders war als an
ihm, in Wielands Worten: »Die Empfindungen des jungen Mexikaners waren so
heftig, daß er sich an einen Baum, der Schlafenden gegen über, lehnen mußt,
um nicht unter ihrer Gewalt einzusinken. Die Freude, eine Gesellschaft zu
finden, von welcher er sich mehr Vergnügen und Vortheil versprach als von
seinen Papageyen, die Anmuthung, welche ihm ihre Ähnlichkeit mit ihm
einflößte, eine andere unbekannte Regung, die gerade aus dem Gegentheil
entsprang, das Vergnügen an ihrem bloßen Anschauen, und die dunkle Ahnung,
welche seine Brust mit noch süßern Erwartungen schwellte –« Der Jüngling
läßt sich neben der Schlafenden nieder, betrachtet sie, berührt sie – und
fällt in Ohnmacht, nicht ohne daß der Dichter seinen Kopf »ungefähr eine
Spanne und anderthalb Daumen über ihrem (…) linken Knie« plaziert […]
(Dietmar v. d Pfordten, Große Denker Erfurts und der Erfurter Universität, S. 244f)
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