Der Spaziergang
Autor: Robert Walser, 1879-1956
Erstveröffentlichung: 1917
Quelle: Project Gutenberg
Der Dichter, der auf seinem Spaziergang der Enge seines Zimmers entflieht, ist
natürlich Walser selbst (es ist bekannt, dass er zeitlebens ungeheure
Entfernungen zu Fuß zurücklegte). Unschwer erkennen wir auch Biel, seine
Schweizer Heimatstadt. Walser erfand gleichsam das reine Erzählen an sich,
ohne Gegenstand. Er musste keine Charaktere erfinden, jeder Wald, jedes
Zimmer, jeder Passant, erregte seine Aufmerksamkeit und wurde ihm zur
Geschichte. Gleichsam wie ein Schweizer Don Quichote gleitet der
Spaziergänger durch diesen sonnendurchfluteten Nachmittag in einen
Walser-Kosmos voll skurriler Weggestalten und Traumgebilde, bis schließlich
in fast metaphysischer Waldesstille der Weg in einem melancholischen
Schlussakkord endet.
Der Spaziergang (1917) ist eine umfangreichere Prosaarbeit, die zunächst
selbständig herauskam (dann überarbeitet in Seeland). Walser, der immer
schon ein begeisterter Spaziergänger war, begann in dieser Zeit regelmäßig
lange Fußtouren, oft auch Nacht- und geradezu Gewaltmärsche zu unternehmen.
In seinen Prosastücken dieser Zeit wechseln solche aus der Sicht des
Wanderers, der fremd durch die nahe Fremde geht, sich ab mit spielerischen
Aufsätzen über Schriftsteller und Künstler.
(Wikipedia)
"Der Spaziergang" ist äußerlich ein kleines Werk, nicht einmal 100 Seiten
lang, und handelt lediglich von der Schlenderei durch einen einzigen Tag. Und
es ist zugleich ein großes Werk, denn es enthält gewissermaßen das
Konzentrat von Robert Walsers zahllosen kleinen Prosastücken, die wiederum
den Kern seiner Schriftstellerei ausmachen. Zudem bietet "Der Spaziergang"
einen Panoramaschwenk über Walsers spätromantische Lebensauffassung und
schafft in einer einzigartigen Mischung verschiedener Jargons und Stile ein
schillerndes Sprachkunststück. Inhaltlich passiert nicht viel: Ein armer Poet
spaziert einen Tag lang durch das Städtchen, in dem er lebt, und durch dessen
Umgebung. Er beobachtet im Vorübergehen und fühlt aus tiefstem Herzen. Er
erregt sich über die Unsitten der modernen Zeit und beschwört die Seligkeit
der Natur. Er hält kleine, geschraubte Ansprachen und horcht melancholisch in
sich hinein. Der heitere Grundton kontrastiert dabei mehrfach mit einem
traurigen Befund: Der lustwandelnde Dichter führt offenbar ein
bejammernswertes Leben. So war es jedenfalls bei Robert Walser selbst: Der
Autor konnte die eigene poetische Heiterkeit immer weniger mit seiner kargen
Existenz versöhnen. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in einer
Heilanstalt, ohne zu schreiben. Von diesem traurigen Hintergrund abgesehen,
ist Walsers Spaziergang ein wahrer Glücksfall für heutige Leser.
(Amazon Rezension)
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