Im Herbst 1907 erschien mein Büchlein »Menschen, die den Pfad
verloren«, das beim Publikum eine freundliche Aufnahme fand. Das
Schicksal der von mir geschilderten Menschen; Frauen, Männer und Kinder
erweckte tiefe Teilnahme. Seither sind mir von verschiedenen Seiten so
viele Aufforderungen zugegangen, aus meinen Erfahrungen neue Mitteilungen
zu machen, daß ich mich entschlossen habe, ein zweites Bändchen folgen zu
lassen. Die Namen meiner verschiedenen Schützlinge sind, wie in meiner
ersten Broschüre, geändert worden. Dieses Bändchen soll gleichseitig
meine schweren Kämpfe auf dem Gebiete sozialer Fürsorge schildern, den
Kampf gegen den engherzigen, fortschrittfeindlichen Bürokratismus und
gegen den Pietismus, welcher sich in der Dunkelheit mit aller Macht gegen
jede humanitäre Bestrebung auflehnt, die nicht von der Kirche ausgeht.
Die jahrelangen harten Kämpfe haben meine Gesundheit untergraben und mich
gezwungen, am 1. Februar 1909, nach 6jähriger Tätigkeit, mein Amt als
Polizeiassistentin in Stuttgart niederzulegen. Scheinbar haben
Bürokratismus und Pietismus in diesem Kampfe gesiegt. Aber den Gedanken
allgemeiner sozialer Hilfeleistung, ohne engherzige Beschränkung, haben
sie nicht vernichten können.