
Referats-Notizen
von
Andreas Itzchak Rehberg
© 1988-2015 Andreas Itzchak Rehberg
Herausgegeben für Izzy's Public Domain Bibliothek 2015
Dieses eBook unterliegt einer Creative Commons Lizenz. Es darf also auf jeden Fall in unveränderter Form weitergegeben – und bei Quellen-Nennung auch zitiert werden. Weitere Details finden sich im Lizenz-Text, der mit dem folgenden Bild verlinkt ist:
Eigentlich sollte es nur ein Kurzreferat werden – das Angenehme kombiniert mit dem Nützlichen. Ein Referat war fällig, das Thema stand zur freien Auswahl – und mich interessierte, was es wohl mit Qumran auf sich hat. „Professor Schäller“ reichte mir als Material ein Buch von Frank Moore Cross1, welches sowohl Inhalt als auch Umfang hätte abdecken sollen. Für mich warf es jedoch mehr Fragen auf, als es beantwortete – was durchaus positiv gemeint ist: Das Buch machte Appetit auf mehr.
Und so saß ich bald darauf in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig, und verschlang jedes Buch, das zum Thema verfügbar war. Da es sich bei diesen Räumlichkeiten um die zentrale Archivbibliothek handelt (alle in deutscher Sprache erscheinenden Bücher landen hier in zumindest einem Exemplar), war das nicht gerade wenig: Ich kam morgens ziemlich als erster – und war einer der letzten, der ging.
Unnötig zu sagen, dass meine Sammlung schließlich für ein „Kurzreferat“ wesentlich zu umfangreich war. Ich durfte dann ein längeres Referat halten, welches zumindest ein paar mehr Bruchstücke meines „Archivs“ präsentierte …
Meine Kommilitonen unkten seinerzeit: Das Ganze wird zum Buch vereint – was dann im Selbstverlag erscheint …. Naja. Das war 1989, ein gutes Weilchen her. Anfang der 1990er begann ich, alles mit meinem ersten PC zu ordnen – wurde damit allerdings nie fertig. Zum Glück habe ich die Resultate ausgedruckt – denn die „guten, alten 5,25 Zoll Floppies“ sind leider mittlerweile verschwunden. Somit konnte ich im Jahr 2012 damit beginnen, die Texte nochmal sauber abtippen – um sie als eBook verfügbar zu machen. Eine Sisyphosarbeit, die natürlich ebenfalls wieder einschlief. Ende 2014 fand ich beim Aufräumen alter Backup-CDs und DVDs jedoch einige der ursprünglichen Dateien wieder – was dem Projekt einen weiteren Schub gab.
Das macht die Informationen natürlich nicht aktueller. Für eine erneute Recherche fehlt mir darüber hinaus auch die Zeit – der Stand der Informationen verbleibt daher überwiegend bei etwa 1989, wobei ich den Text natürlich angepasst und überarbeitet habe.2 Ob ich das gesamte Material jedoch jemals vollständig aufarbeiten würde, wagte ich zu bezweifeln; daher entschloss ich mich, den jeweiligen Stand bereits verfügbar zu machen – und das eBook zu „versionieren“. So „erschienen“ die ersten sechs „Ausgaben“ in meiner elektronischen Bibliothek;3 um welche Version es sich handelte, war am Ende des „Deckblattes“ vermerkt – was sich in den einzelnen Versionen geändert hatte, führt die dort verlinkte Seite auf.

Mitte März 2015 konnte ich die Übertragung und Organisation meiner „Referats-Notizen“ endlich abschließen, und stelle hiermit die vorerst endgültige Fassung zur Verfügung – in der Hoffnung, dass sie sich auch fünfzehn Jahre nach meinen ursprünglichen Recherchen noch für den Einen oder die Andere als hilfreich erweist. Nun, liebe (Mit-)Aris, Garris, Karmeliter, und Kidroniterinnen: Damit hat sich Eure Prophetie erfüllt! Und auch diese hier aus unserer „Kulturbeilage“:
in anderen Stunden schläft er tief
und träumt, wie er durch Qumrans Straßen lief
Die Qumran-Fotos in diesem Buch durfte ich bei meinem dortigen Besuch im Jahre 1992 machen. Das war, bevor sich dieses Örtchen4 5 in einen „historischen Supermarkt“ mit Shuttle-Bussen für Touristen verwandelte, und einen noch fast unberührten Eindruck machte …
München, März 2015
Andreas Itzchak Rehberg
Siehe Quellennachweis G ↵
Was auch einige aktuellere Ergänzungen einschloss. ↵
Izzy´s eBook Library umfasst derzeit (3/2015) etwa 7.000 Bücher in deutscher, sowie ca. 1.000 (aus den Bereichen Science-Fiction und Judaica) in englischer Sprache. Sie alle stehen unter Lizenzen, die sie zumindest für die private (nicht-kommerzielle) Nutzung gratis verfügbar machen. ↵
Meine Entschuldigung an alle dies lesenden Essener: Nicht das Örtchen – das befindet sich natürlich mindestens 3.000 Ellen weiter! ↵
Hilfestellung für Latiner: Gemeint ist der Locus, nicht etwa das Lokus! ↵
Die Fundgeschichte hat zwar bestimmt jeder bereits mindestens einmal gehört – aber dennoch gehört sie zum Thema. Daher möchte ich sie an dieser Stelle wiedergeben.
Es war 1947. Beduinenjungen hüteten ihre Viehherden. Dabei entdeckte einer von ihnen, Muhammed adh-Dibh, eine „interessante Felsspalte“, in die er einen Stein warf.
In der Felsspalte angekommen, ließ der Stein ein merkwürdiges Klirren vernehmen – was den Werfer stutzig machte. Oft hatte er die Alten am Lagerfeuer von verborgenen Schätzen erzählen hören – nun vermeinte er, selber einen solchen gefunden zu haben. Er kletterte hinauf zu der Felsspalte, um nachzusehen, und fand dabei eine Höhle1. Als er in dieser jedoch nur einige Tonkrüge (und die Scherben des vom Stein zerbrochenen Kruges) fand, die, wenn sie nicht gerade leer waren, nur schmutzige Lederrollen enthielten, war er enttäuscht. Ein Stück seines Fundes nahm er jedoch mit.
Aber weder die Beduinen noch der Erzbischof des syrisch-orthodoxen Klosters, der zumindest einen Teil des Fundes von ihnen erwarb, hatten auch nur die geringste Ahnung, von der Bedeutung der Entdeckung. Letztgenannter hielt den Fund zunächst für eine syrische Handschrift, da er des Hebräischen nicht mächtig war – und des syrischen sicher ebensowenig. Der Fund wurde zunächst nicht publik gemacht.
Zum Glück jedoch erzählte der Erzbischof im Februar 1948 einigen Gelehrten von „seinem“ Fund. Unter anderem befragte er den Dominikanerpater J. P. M. van der Ploeg, einen hervorragenden Bibelspezialisten aus Holland, der gerade in Jerusalem war, über die Schriftrollen. Van der Ploeg erkannte, dass es sich zumindest bei der einen Rolle um eine sehr alte Jesaja-Handschrift handelt – genaueres wusste er jedoch auch nicht zu sagen. Jüdische und amerikanische Gelehrte vermuteten zunächst Fälschungen, mittelalterliche Handschriften von geringem Wert – oder alte, aber wenig zuverlässige Manuskripte.
Kurz danach – noch im selben Monat – bekamen die amerikanischen Gelehrten Dr. William H. Brownlee und Dr. John C. Trever von der American School of Oriental Research die Fundstücke in die Hand. Schon nach kurzer Prüfung waren sie der Meinung, die ältesten biblischen Handschriften der Welt vor sich zu haben. Sie fertigten mit zunächst primitiven Mitteln Fotografien der Rolle an und verschickten einige Abzüge an „den wohl berühmtesten aller Handschriftenforscher, Prof. William F. Albright, an der John-Hopkins-Universität“2 in die USA. Und der Verdacht verfestigte sich, wurde zur Gewissheit: Albright ist der Meinung, dass die Handschriften aus dem 1. Jahrhundert v. u. Z. stammen – wenn sie nicht noch älter sind.
Wo eine Sensation ist, fehlen auch die Schlagzeilen in der Presse nicht. Das ist wohl eine allgemeingültige Aussage – und so trifft sie auch hier zu. Sehr schnell wurden Stimmen laut, die alles in Frage stellen wollten. So versuchte z. B. Prof. G. Driver in Oxford – unterstützt von Dr. Hooke – nachzuweisen, dass die Handschriften höchstens aus dem 6./7. Jahrhundert u. Z. stammen können. Andere stellten Theorien auf … Kurz gesagt: Es begann das, was man heute den „ersten Handschriftenkrieg“ nennt.

Infolge eines anderen Krieges, nämlich des militärischen Aufruhrs in Israel, floh der Bischof Athanasius mit seinen Rollen nach Amerika, um sie in Sicherheit zu wissen und eventuell einen Käufer dafür zu finden. So kam es zu einem der merkwürdigsten Zeitungsinserate, die ich je gelesen habe: „Biblische Handschriften zu verkaufen … zumindest 200 Jahre v. Chr. datiert. Ein ideales Geschenk für erzieherische und religiöse Institutionen.“ (Wen man nicht alles womit beschenkt!). So konnte man es 1954 im „Wall Street Journal“ lesen. Und er fand einen Käufer: Auf diese Anzeige hin erwarb Prof. Yigael Yadin sie für einen Preis von einer Viertelmillion Dollar, und Athanasius kehrte im Frühjahr 1955 nach Jerusalem zurück. Die Rollen folgen ihm postwendend: Prof. Yadin ließ sie nach Jerusalem zurückbringen, wo sie der damalige Ministerpräsident Moscheh Schareth persönlich in Empfang nahm.
Doch auch die Beduinen waren in der Zwischenzeit nicht faul. So konnte Prof. Sukenik bei einem Händler in Betlehem weitere drei Rollen erwerben, die die Beduinen diesem verkauft hatten. Noch viele der Qumran-Handschriften sollten auf diese Weise ihren Weg in die Hand der Wissenschaftler finden.
Diese aber wollten die Suche nach den Handschriften nicht den Beduinen überlassen, da sie so für jeden Fund teuer bezahlen mussten. Nach Cross verwandelte „die Entdeckerfreude […] gesetzte Wissenschaftler vorgerückten Alters in eine neue Gattung leichtfüßiger Gemsen im Dienst der Archäologie“3. So wurde 1949 die erste Expedition zu den Höhlen ausgestattet, an der u. a. Pater R. de Vaux, Oberst Ashton und Lankester Harding teilnahmen. Unter Polizeischutz und mit Hilfe von Leuten der Arabischen Legion machten sie sich auf den Weg.
Nach einigem Suchen fanden sie auch die Höhle der ersten Funde (1Q). Sie schien leer zu sein. Mit der Pinzette suchten sie Quadratzentimeter um Quadratzentimeter sorgfältig ab. Und es lohnte sich, die Ausbeute war groß: Fragmente aus allen fünf Mose-Büchern, aus Richter, Samuel, Jesaja, Hesekiel, den Psalmen, etlichen Pescharim (Kommentaren), und das Titelblatt der so genannten Sektenrolle (1QS). Kurz: Man konnte eigentlich doch ganz zufrieden sein.

Und das war noch nicht einmal alles: Bei der Suche fand man noch weitere Höhlen, so dass insgesamt 25 Höhlen untersucht werden konnten. Diese häuften sich besonders in unmittelbarer Nähe der Ruine Chirbet Qumran, in der man nun ein „Essener-Kloster“ vermutete4.
Es begann der Wettlauf mit den „Räubern“: Zur gleichen Zeit, in der die Wissenschaftler die einen Höhlen untersuchten, „raubten“ die Beduinen andere Höhlen aus. Sie verkauften „ihre“ Rollen – die sie meist noch in kleinere Einzelteile zerlegten, um mehr Geld dafür zu bekommen – auf den Basaren von Betlehem und Jerusalem. Der Preis, den sie dafür verlangten, war hoch: Ein Pfund pro Quadratzentimeter5. Auch hier bewahrheitete sich (oder entstand?) das Sprichwort: „Zeit ist Geld“; wer eher da war, hatte es bzw. konnte es sich sparen.
1952 gelang es einem französischen und einem amerikanischen Institut, die beide ihren Sitz in jerusalem hatten, in gemeinsamer Anstrengung einen ca. acht Kilometer langen Küstenstreifen längs des Toten Meeres abzuriegeln und systematisch aufs Sorgfältigste zu untersuchen. Dabei entdeckten und „erforschten“ sie insgesamt etwa zweihundert Höhlen. Die Ausbeute jedoch war insgesamt gesehen eher spärlich.
Doch trotz der genauen und sorgfältigen Untersuchung waren noch immer Höhlen unentdeckt geblieben – was daran deutlich wurde, dass im Herbst desselben Jahres die Händler erneut Handschriften feilboten. Auch die Archäologen machten neue Funde. Ähnliches wiederholte sich auch im Frühjahr 1956, als die Beduinen wieder ihre Funde in altbewährter Weise (kleine Einzelstücke) anboten. Es schien ein Spiel ohne Ende zu sein.
Die Handschriften wurden im Palästina-Museum in Jerusalem zusammengetragen, wo man nun mit den Fragmenten „Puzzle spielte“ – die Bruchstücke mussten geordnet werden. Jedes Bruchstück wurde genauestens untersucht: Zusammensetzung der Tinte, Form der Schriftzeichen und Schriftzüge, Struktur, Farbe und Stärke des Schreibmaterials … Oftmals enthält ein Fragment nur ein Wort bzw. eine kleine Wortgruppe – und die Frage, ob ein Fragment zu einer bereits bekannten Schriftrolle gehört, oder bereits wieder Teil einer neuen ist, lässt sich gar nicht so leicht beantworten.
Frank Moore Cross, einer der Mitarbeiter, beschreibt die Arbeit etwa so: „Im Arbeitsraum des palästinischen Museums herrschte eine wahrhaft babylonische Sprachverwirrung6. […] die Aufgabe, gute helle Fragmente mit runzligen, schwarz gewordenen Fetzen zu einer Handschrift zusammenzusetzen, ist, gelinde gesagt, nervtötend.“7 Die Fragmente waren durch Umwelteinflüsse wie Feuchtigkeit, chemische Einflüsse durch den Boden, „[…] und nicht zuletzt durch Generationen antiker Würmer“8 oft stark entstellt.
Doch trotz dieser Schwierigkeiten und trotz konfessioneller Unterschiede gab es eine gute Zusammenarbeit: „Nur abends bei einem Glas Bier wurde über theologische Fragen gestritten.“9 Mit den Texten, die hoffnungslos unleserlich schienen, wurde sehr erfinderisch umgegangen: Man machte Infrarot-Aufnahmen, wenn das Leder so schwarz wie die Tinte war, oder wendete die Ultraviolett-Fotografie an, wenn die Schrift so hell wie das Leder, also total verblasst war.
Am leichtesten ließen sich die biblischen Fragmente aussondern: Sie waren besonders sorgfältig geschrieben worden, indem ein Standardformat und elegante Buchschrift verwendet wurde. Auch waren sie es, die sich am leichtesten identifizieren ließen: Man konnte ja mit Hilfe einer Konkordanz selbst kleine Wort- oder Buchstabengruppen relativ genau bestimmen.
Das Ende des oben erwähnten ersten Handschriftenkrieges war mit dem Augenblick gekommen, als Professor Libby am Institut für Kernforschung in Chicago mit Hilfe des so genannten Carbon-14-Tests eine genaue Altersbestimmung durchgeführt hatte. Das Ergebnis lautete: 33 u. Z., Toleranz 200 Jahre. Das bedeutet: Die Handschriften müssen in der Zeit zwischen 167 v. u. Z. und 233 u. Z. gefertigt worden sein. Nehmen wir weiterhin an, dass die Bewohner von Chirbet Qumran10 die Schreiber waren, engt sich der Zeitraum durch die Zerstörung ihrer Siedlung durch die römische Legion auf die Spanne von 167 v. u. Z. bis 68 u. Z. ein.
Doch kaum war der erste Handschriftenkrieg beendet, als auch bereits ein zweiter vom Zaun gebrochen wurde. Es gab Schlagzeilen wie „Die Handschriftenfunde vom Toten Meer haben das Christentum seiner Grundlagen beraubt!", „War Jesus ein Essener?", „Ist das Christentum widerlegt?“ – und, und, und. Bereits 1957 gab es über 1.500 Bücher und Broschüren zum Thema „Die Schriftrollen vom Toten Meer.“
später als 1Q, die erste Fundhöhle, bezeichnet ↵
Woran man wiederum deutlich erkennt, dass die Untersuchung von katholischen Ordensbrüdern geleitet wurde. Im weiteren Verlauf werden weitere „Parallelen“ zu ihrem christlichen Umfeld gezogen, die so sicher nicht bestanden haben. ↵
so nach D; nach T ein Pfund für zweieinhalb Quadratzentimeter ↵
Die Mitarbeiter kamen aus verschiedenen Ländern: USA (Cross, P. W. Shekan), Frankreich (D. Barthelemy, J. Starcky), Polen (J. T. Milik), Großbritannien (J. M. Allegro, J. Strugnell) und Deutschland (C. H. Hunzinger) ↵
meist als „Qumran-Essener“ bezeichnet – doch dazu später ↵

Die sicheren Fakten zuerst: Die geografische Lage ist schließlich unstrittig. Wie Abbildung B1 zeigt, liegt Qumran am nordwestlichen Ende des Toten Meeres, wenige Kilometer südlich von Jericho. Der Name „Chirbet Qumran“ bedeutet so viel wie „vom Mondschein beschienene Ruine“ – und in der Tat befindet sich eine solche in unmittelbarer Nähe der Höhlen, in welchen die meisten Schriften gefunden wurden.
Als schwieriger erweist sich die Zuordnung zu einem geschichtlich überlieferten Ort. Zuerst wurden die Ruinen für Reste der nach Genesis 19 zerstörten Städte Sodom und Gomorrha gehalten – dann für ein kleines Fort aus der Römerzeit. Letzteres ist grundsätzlich nicht falsch, wurde es doch nach 68 u. Z. kurzzeitig zu einem solchen umfunktioniert. Die eigentliche Anlage jedoch kam erst bei den Ausgrabungen1 zum Vorschein.
Die Siedlung wurde zuletzt im Sommer 68 u. Z. im Zusammenhang mit der Niederwerfung des ersten jüdischen Aufstandes gegen das römische Imperium2 durch Brand zerstört. „Die letzten jüdischen Aufstandsmünzen lagen unter der Brandschicht, über ihr lagen die römischen Münzen – also eine eindeutige Stratigraphie.“3
Aber was war davor? Ist der Ort eventuell mit der in Josua 15 erwähnten Salzmeerstadt zu identifizieren? Dann reicht die Besiedlung bis vor das 8. Jahrhundert v. u. Z. zurück. Eine recht treffende Angabe finden wir bei Plinius: Er lokalisiert die (sic!) Niederlassung der Essener zwischen Jericho und `En Gedi in der Nähe des Toten Meeres4 – was die Lage von Qumran erstaunlich genau trifft. Womit die Wahrscheinlichkeit recht hoch ist, dass wir mit den Essenern auch die Verfertiger der Handschriften gefunden haben.
Der Name „chirbet qumran“ kommt wahrscheinlich aus dem arabischen: „chirbe“ (Ruine) im Wadi Qumran (Die Ethymologie des Wortes „qumran“ ist bislang5 ungeklärt. Ein Versuch wäre die Ableitung vom arabischen Wort „qamara“, welches die Bedeutungen „vom Mondlicht beschienen“ bzw. „weiß“ hat).
Es handelt sich bei Qumran zweifellos um die „Stadt in der Wildnis“, die Plinius und Dio Chrysostomus als Zufluchtsort der Essener beschreiben6. Dies legt auch Yadin dar7.

Plinius (23-79 u. Z.) schreibt in seiner „naturalis historia“ 5,73:
Auf der Westseite [des Toten Meeres], soweit das Ufer nicht ungesund ist, wohnen die Essener, ein einsiedlerischer und vor allen anderen Menschen sonderbarer Menschenschlag. Sie leben ohne alle Frauen, haben der Liebe völlig entsagt, sind ohne Geld und stets in der Nähe von Palmen. Sie ergänzen sich fortwährend gleichmäßig durch zahlreiche Zuzügler […] [unterhalb] von ihnen lag sonst die Stadt `En Gedi, an Fruchtbarkeit und Palmenpflanzungen die zweite nach Jerusalem, jetzt ebenfalls ein Schutthaufen […] Alsdann […] liegt auf einem Felsen die Burg Masada […]
Diese Beschreibung trifft genau Lage und Situation von Qumran, wenn auch die Lebensanschauung stark übertrieben dargestellt wird. Weiterhin finden die Darstellungen des Flavius Josephus8 Übereinstimmung mit den entsprechenden Anweisungen der Tempelrolle (und Damaskus-Schrift?):
Sie wagen an diesem Tage9 nicht einmal auszutreten […] An anderen Tagen aber verrichten sie dort ihre Notdurft […] Bei diesen Verrichtungen suchen sie entlegene Plätze aus […]
67-70 u. Z.; als letzte Festung fiel im Jahr 74 Massada ↵
Plinius, Naturalis Historia V 17,73; auch Dio Chrysostomus bei Synesius von Kyrene, Dion 3,2; Texte bei W S. 38-40 ↵
Plinius, Naturalis historia V 17,73; Dio Chrysostomus bei Synesius von Kyrene, Dion 3,2; Texte bei A.Adam, Antike Berichte über Essener, kleine Texte 182, Berlin 1961, S.38-40 ↵
jüdischer Krieg II,147-49 ↵
Schabbat ↵

Ausgedehnte „Gartenanlagen“ finden sich bis hin zum ca. 3 km südlich gelegenen `En Feschcha. Durch eine von Norden nach Süden verlaufende Mauer werden diese vor Tieren und dem Wasser, das in der Regenzeit vom Gebirge herabstürzte und die fruchtbare Erde wegzuschwemmen drohte, geschützt. Gebäude sind auf der ganzen Strecke verteilt. Dieses Gebiet könnte man also auch als „Landwirtschaftszentrum“ bezeichnen.
1952 förderten Ausgrabungen weitläufige „Klosteranlagen“ zutage: „Auf einem freiliegenden Plateau mit dem Blick auf das Meer muß sich hier vor rund 2000 Jahren ein stattliches Bauwerk erhoben haben. Große Gemeinschaftsräume, Versammlungssäle, Wirtschaftsgebäude, Wohnräume und endlich Schreibzimmer und Bibliotheken.“1
Aus allen Funden schließt man darauf, dass hier eine Ordensgemeinschaft der Essener sich angesiedelt hat oder zumindest eine Bruderschaft ihren Sitz hatte, die den Essenern ganz ähnlich gewesen ist.
Die erste Grabung1, mit 15 Arbeitern vorgenommen, hatte eine Untersuchung des Hauptgebäudes an zwei Seiten sowie die Öffnung einiger Gräber auf dem Begräbnisplatz zur Aufgabe. Sie brachte die gleiche Keramik zum Vorschein, die auch schon in den Höhlen gefunden wurde. Darüber hinaus fand man im Hauptgebäude eine Anzahl Münzen2. Der wichtigste Fund jedoch war ein vollständig unversehrter Krug, der unter dem Estrich eines Raumes vergraben war. Er stimmte in Form und Tonbeschaffenheit mit denen aus 1Q überein. Dies hatte eine Korrektur der bis dahin aufgestellten Datierung der Handschriften, des Versteckens in der Höhle und der Besiedlung von Chirbet Qumran zur Folge.
Eine zweite Grabung fand im Frühjahr 19533 statt. Diesmal sollte das gesamte Hauptgebäude ausgegraben werden. Eine Unterscheidung einzelner archäologischer Schichten war nun möglich; im Ostteil der Bauanlage waren Erdbebenspuren feststellbar. Die Münzfunde dieses Ausgrabungsintervalls wiesen zurück bis in die Regierungszeit des Antiochus VII und Johannes Hyrkanus4. „Zahlreiche Einzelfunde ließen ein plastisches Bild von der Gruppe, ihrer religiösen Einstellung und ihrer handwerklichen Betätigung entstehen.“5
Eine dritte Grabung6 galt dem Süd- und Südostteil der Gesamtanlage sowie der Erforschung der Töpferwerkstatt, bei der vierten7 wurde der Westteil der Bauanlage genau durchforscht sowie die Wasserversorgung (Äquadukt, Verteilersystem) untersucht. Schließlich führte man bei einer fünften Ausgrabung8 noch kleinere Untersuchungen auf der Ruinenstätte durch und erforschte die kleineren Begräbnisplätze. Auch wurden weitere Einrichtungen der Essener 1956 in der Gegend von `En Feschcha9 entdeckt und Baulichkeiten dort freigelegt.
Allgemein scheinen die Bauten weder militärischen noch privaten Zwecken gedient zu haben – für das gemeinschaftliche Leben einer größeren Anzahl Menschen jedoch könnten sie durchaus bestimmt gewesen sein.
In den Trümmern von B2 fanden sich mehr als 1080 Tongefäße: Teller, Schalen, Wasserkaraffen, Trinkbecher …10, in C2 Mühlen aus schweren Basaltsteinen, Vorratsgruben für Getreide, eine Gemeinschaftsbäckerei sowie eine (Schmiede-)Werkstatt.
Insgesamt wurden bei den ersten beiden Ausgrabungen 250, bei den nächsten drei Ausgrabungen weitere 415 Münzen gefunden, u. a.:
Den Münzfunden nach zu urteilen, dürfte die Besiedlungsperiode etwa von 136/5 v. u. Z. bis 68 u. Z. gereicht haben, mit einer Pause von 31 v. u. Z. (Erdbeben) bis 4 v. u. Z.
Durch weitere Erforschung der Höhlen nördlich und südlich von chirbet qumran und Entdeckung neuer Höhlen sah man 1956: chirbet qumran war allem Anschein nach Mittelpunkt eines Siedlungsgebietes, das sich ca. 3 km entlang des Steilabfalls nach Norden und ca. 3,5 km bis zu dem landwirtschaftlichen Gebäudekomplex bei `En Feschcha im Süden erstreckte. Die Bewohner des Siedlungsgebietes lebten in Höhlen, Zelten und auch festen Bauten – benutzten aber alle Tongeschirr, das im gleichen Ofen gebrannt war, lasen die gleichen biblischen- und Sektenschriftrollen und versorgten sich aus gemeinsamen Lebensmittel- und Wasservorräten, die die Einrichtungen des Gemeinschaftszentrums bereitstellten.

Zwischen 1951 und 1956 fanden mehrere Grabungen statt, die eine kleine Siedlung zu Tage förderten. Da die seinerzeit beteiligten Wissenschaftler fast ausnahmslos kirchlichen (und viele sogar Ordens-) Hintergrund hatten, wundert es wenig, dass die Beschreibung der Anlage diesem Kontext folgt: So war von einem „Kloster in der Wüste“ die Rede, und die Zisternen wurden teilweise zu „Taufbecken“ erklärt (und gar eine „Täufer-Bewegung“ postuliert. Dass es sich dabei vielleicht einfach nur um rituelle Reinigungsbäder – sogenannte Mikwaoth1 – handeln könnte, kam den Padres wohl nicht in den Sinn, obwohl genau das im jüdischen Kontext das naheliegendste sein sollte.
Auch wenn das meinen Recherchen zu Grunde liegende Material überwiegend diesen Termini folgt, weiche ich davon bewusst ab. Der Kontext der Siedlungsbewohner war mit Sicherheit ein jüdischer (und kein christlicher), was sich hier auch widerspiegeln soll.
Abbildung 2 zeigt einen Grundriss der ausgegrabenen Anlage. Blau eingezeichnet sind die „Wasseranlagen“2: Reinigungsanlage (D1), Wasserkanäle, Zisternen (z. B. C3) und Mikwaot. Schwarz sind Mauerreste, rot die Bezeichnungen. Die grüne Skala in der unteren linken Ecke zählt in 5-Meter-Schritten (reicht also bis 20 Meter). Einige Details hiervon sollen im Folgenden kurz beschrieben werden3.
Wohn- und Schlafräume mögen sich in dem mit Sicherheit vorhanden gewesenen Obergeschoss befunden haben – auf dessen Existenz eine Treppe nördlich von A2 hinweist. Auch der Turm gibt Anhaltspunkte dafür.
Die israelitischen Spuren der Bebauung1 weisen auf das 7.-8. (evtl. auch 9.) Jahrhundert v. u. Z. zurück. Das würde der Zeit der Bautätigkeit der Könige Uzzia und Jotham (bzw. bei 9. Jhd Josaphat) entsprechen. Eine aus dieser Zeit stammende israelitische Befestigungsanlage wurde etwa im 6. Jhd v. u. Z. verlassen. Die „neuere“ Siedlungsgeschichte begann zunächst mit kurzlebigen, provisorischen Bauten (Phase Ia). Später erst folgte der Bau des Zentralgebäudes (Ib), das diese Provisorien ersetzte. Ein Beginn dieser ersten Bauphase ist sicher nicht vor 140, aber wohl spätestens gegen 100 v. u. Z. anzusetzen. Durch ein Erdbeben wurde diese Siedlung (nach Josephus 31 v. u. Z.) zerstört.
Eine zweite Siedlungsphase beginnt, nach Münzfunden zu urteilen, in der Zeit zwischen 4 v. u. Z. und 6 u. Z.2. Alte Gebäude wurden repariert und teilweise wieder aufgebaut. Diese zweite Phase fand ein jähes Ende mit der erneuten Zerstörung, diesmal durch Waffengewalt zur Zeit des Aufstandes3; nach einem Großfeuer versanken die Ruinen der Gebäude unter Schichten von Asche.
Als dritte Periode ließe sich die Errichtung einer Römische Garnison betrachten4. Vermutlich handelte es sich hierbei um einen Vorposten, der Jericho gegen Überfälle der Guerillakrieger schützen sollte, deren Stützpunkte weiter südlich in der Wüste Juda lagen. Gegen Ende des ersten Jahrhunderts u. Z. wurde der Posten aufgegeben und blieb (mit Ausnahme vorübergehender Besiedlung zur Zeit des zweiten Aufstandes5 unbewohnt, bis die Archäologen 1951 ihre Zelte dort aufschlugen.
Ein Siedlungsbeginn durch die Essener-Gruppe begann vermutlich um 160 v. u. Z. bei `En Feschcha in Form einer halbnomadischen Niederlassung (Viehherden). Es folgte dann der Aufbau einer Lebensgrundlage (Ackerbau) und anschließend der Aufbau der Terassenbauten. Die Siedlung war, aus Handels-Gesichtspunkten, sehr günstig gelegen: zwei Handelsstraßen kreuzen in unmittelbarer Nähe. In diesem Zusammenhang ist auch das staatliche Interesse an einer gewissen Sicherheit nicht zu vernachlässigen: Wer der Gruppe das Siedlungsrecht gab, kann ihr nicht feindlich gegenübergestanden haben (wie z. B. die Hasmonäer). Die günstigste Datierung fällt in die Zeit, zu der Alkimus Hoherpriester war6. Dieser wurde von der seleukidischen Krone bestätigt und gestützt. In seine Zeit fällt auch der Tod des Judas Makkabäus im Kampf gegen Bakchides.
Dem Hochpriester Alkimus konnte es nur recht sein, wenn er in seiner umstrittenen Stellung als vom Seleukidenhaus wenn auch nicht eingesetzter, so doch unterstützter Hochpriester eine Abwanderung der Kreise erreichen konnte, die wesentlich zadokidenfreundlich bzw. zadoqidentreu eingestellt waren. Im Rahmen seiner Gewinnungspolitik konnte es nur annehmbar sein, auf ein Anliegen wie das einer Ansiedlungskonzession einzugehen.7
Dazu gab es eine ganze Reihe verschiedener Theorien:
Nach einer Arbeitshypothese von H. Seidel1 könnte sich das ganze wie folgt zugetragen haben: Zunächst bildete sich eine erweckte Gruppe mit „gesteigertem lebhaften Sündenbewußtsein“2 zwischen 200 und 175 v. u. Z. – zeitgleich mit einer Erweckung unter der Priesterschaft. Etwa um 175 v. u. Z. stößt der „Lehrer der Gerechtigkeit“ zu dieser Gruppe, die sich in Qumran anzusiedeln beginnt. Anfangs geschieht diese Ansiedlung in Zelten; Münzfunde aus der Ära zwischen 198 und 135 v. u. Z.3 könnten diese erste Siedlungsperiode belegen. Eine Festbesiedlung von Qumran beginnt dann etwa 135 v. u. Z.
Cross4 vermutet die Entstehung der Gruppe nach 150, jedoch vor 104 v. u. Z. Seiner Meinung nach war der Gründer ein Priester (4QpPs37 3,15), was durch die priesterliche Ausrichtung der Gruppe durchaus bestätigt werden kann. Im Vergleich mit CD I,5-12 sieht Cross den Beginn der Essener in der Bewegung der Chassidim (vgl 1Makk 2,42) ca. 160 v. u. Z. Nach etwa zwanzig Jahren des „Umherirrens“ tritt dann der Lehrer der Gerechtigkeit (um 140 v. u. Z.) auf.
Wahrscheinlich spalteten sich die Chassidim z. Zt. des Regierungsantritts des Makkabäers Simon5 in zwei Gruppen: Pharisäer und Essener. Die Pharisäer stellten sich auf die Seite der Hasmonäer, während die Essener ins „Exil“ gingen.
Der Lehrer der Gerechtigkeit war vermutlich zadokidischer Priester. Rechtlich waren die Zadokiden „Erben“ des Hohenpriesteramtes, welches nun die Hasmonäer (Simon) für sich beanspruchten. Damit begann die Rivalität. Der Begriff „Lehrer der Gerechtigkeit“ könnte als Anspielung auf Dt 33,10/ Hos 10,12 verstanden werden.
Auch nach Bardtke ging die Gruppe aus der Erweckungsbewegung der Chassidim hervor6. CD (und Bardtke) zufolge begann diese Bewegung 196 v. u. Z., 20 Jahre später gefolgt von der „Erweckung“ des Lehrers der Gerechtigkeit. Dieser führte die Gruppe in den Jahren 176-167 v. u. Z. In dieser Zeit gab es Spannungen und Kämpfe, insbesondere Auseinandersetzungen mit den Jerusalemer Priesterkreisen, die hellenistisch eingestellt waren und sich das Amt des Hohenpriesters usw. durch Bestechungen und politische Machenschaften aneigneten – hier könnte auch der Frevelpriester zu suchen sein.
Nach einem Exil des Lehrers und seiner anschließenden Rückkehr wird die Gruppe reorganisiert. Jerusalem mit dem Tempel kam für sie als Bindung nicht in Frage, ebensowenig die Makkabäer. Die Wahl des Wüstengebietes erfolgte nicht zuletzt auch durch biblizistische Erwägungen.
Die Siedlungspause7 fällt in die Zeit Herodes des Großen, der den Essenern freundlich gegenüberstand – in dieser Zeit könnte das Hauptgewicht auf die Ortsgruppen verlagert worden sein. Bis 31 v. u. Z. war, so Bardtke, Qumran „Stammkloster“ und Zentrum, dann nur noch „Stammkloster“ als Erinnerung; wo ab dann das „essenische Zentrum“ war, bleibt offen. Der Tod des Lehrers ist zwischen 130 und 125 v. u. Z. zu datieren.
Meier/Schubert8 sehen als Ausgangspunkt ebenfalls die Chassidim:
Rückblickend erwähnt das rabbinische Schrifttum „Chassidim rischonim“ (frühere bzw. erste Fromme), auch 'anschej ma`aseh, Männer der Tat, genannt, im Zusammenhang mit der Bewegung der Chassidim. „Diese Chassidim setzten sich von der sündigen Umwelt ab und führten ein Leben in den Höhlen der Wüste Juda.“9
Die strengste Gesetzestreue bis dahin, dass sie sich am Schabbat nicht gegen Feinde verteidigten10 findet eine Parallele in 1QM 2,8f. – wo davon geschrieben wird, dass in einer Endperiode von 40 Jahren11 in den Schabbatjahren „keine Musterung zum Einrücken“ stattfindet, „denn dies ist ein Schabbat der Ruhe für Israel“.
Die Baraita berichtet in Nidda 38a von den Chassidim rischonim, „dass sie selbst bei der Kinderzeugung darauf achteten, keinen Termin zu wählen, der eine Geburt an einem Schabbat wahrscheinlich machte, da sie auch die Geburt für eine Schabbatentheiligung hielten. Nach Schabbat 121b sollen sie sogar Schlangen und Skorpione am Sabbath nicht getötet haben.“
„Das treibende Element, das zur Bildung der Chassidim-Bewegung geführt hatte, war die eschatologische Naherwartung und das Wissen, dass der Tempelkult in Jerusalem von unreinen und sündigen Priestern verwaltet wurde. Es fanden sich daher Priester und Laien aus z. T. jeweils verschiedenen Voraussetzungen in dieser Bewegung zusammen. Gemeinsam lehnten sie die Assimilationspolitik der syrischen Könige und ihre Einmischung in die inneren jüdischen Angelegenheiten ab, die den abtrünnigen Juden einflußreiche Stellen verschaffte.“12
Später kam es zu einer Aufspaltung der Bewegung in mehrere Gruppen, z. B. Pharisäer und Qumran-Essener (bei den Pharisäern nahmen die Priester keine so dominierende Stelle ein wie bei den Qumran-Essenern, auch waren sie nicht so straff organisiert. Die Pharisäer gaben die „akut-eschatologischen“ Prinzipien nach und nach auf, während die Qumran-Essener sie beibehielten.)
Unter syrischer Herrschaft wuchs der hellenistische Einfluß; z.T. fanden Eingriffe in die innerjüdische Selbstverwaltung statt, ein Eindringen des Synkretismus, der von den „verweltlichten Juden“ gutgeheißen wurde. „Einige Extremisten […] empfanden diesen Mißstand als sicheres Zeichen dafür, dass es so nicht weitergehen könne und dass G'tt selbst bald eingreifen werde, um diesem Treiben ein Ende zu setzen. So entstanden wohl die apokalyptisch-endzeitlichen Naherwartungen. Weil diese Menschen in der Erwartung des kommenden Gottesreiches lebten, befolgten sie das Gesetz besonders streng und empfanden sich, wie später die Qumran-Leute, als auserwählte Büßergemeinde, […] die von der Sündhaftigkeit umgekehrt ist.“
Das Ausbleiben des naherwarteten G'ttesreiches und „akuten“ Eingreifens G'ttes spaltete dann die Chassidim-Bewegung in zwei Lager: die einen gaben die Erwartung auf und versuchten ihr gesetzestreues Leben mit dem „Zeitlauf“ in Einklang zu bringen (Pharisäer), die anderen hielten weiterhin daran fest (Qumran-Essener). Die erstere Gruppe, auch als „nicht-monastisch“ bezeichnet, lehnte die Ehe nicht ab, auch die Zeugung nicht – aber jede geschlechtliche Lust. Auch kannte sie kein Besitz-Verbot. Einen Beleg in Qumran findet sich hierfür in Frauen- und Kindergräbern, sowie in 1QSa 1,1013, sowie CD 7,6f.
Milik14 beschreibt mehrere Abschnitte:
Die Chassidim – eine pietistische Bewegung, die hitzigen Nationalismus mit einer religiösen (messianischen) Inbrunst verband, waren aus Priestern und Laien zusammengesetzt. Ihre volle Lebenskraft entfalteten sie nach der Verfolgung durch Antiochus IV Epiphanes15. Um 167 v. u. Z. schlossen sie sich mit den Makkabäern zusammen. In Folge gab es zwei Bewegungszentren: ein hauptsächlich religiös und kultisches, das den kulturellen Folgen der Einwirkung der hellenistischen Welt feindlich gesonnen war – und ein militärisches und politisches (mit dem Zentrum Makkabäerfamilie).
Während des Krieges kam es zum Bruch mit den Makkabäern, der Widerstand gegen die Seleukiden wurde aufgegeben. Von nun an unterstützten sie den Alkimus, einen gottlosen – aber aaronitischen Kandidaten für das hohepriesterliche Amt16. Von einer plötzlichen Wendung des Alkimus gegen die Chassidim berichtet 2Makk 14,6ff. Bei ihrem Bruch mit den Makkabäern hofften die Chassidim auf Unterstützung durch ihnen wohlgesonnene, kampferfahrene Männer (Haus Absalom), die sie aber nicht erhielten (1QpHab V,9-12). Es kam zur Spaltung der Chassidim in 3 Gruppen: Essener, Sadduzäer und Pharisäer. Ein Teil verläßt Jerusalem und begibt sich in's Exil: die Essener.
Mögliche Gründe der Spaltung aus Sicht der Essener sind die Mißbilligung des Hellenismus, die Mißbilligung des illegitimen Ursprungs der herrschenden Priester und ihrer unwürdigen Lebensführung, und zu guter letzt auch Kalenderfragen.
Milik unterscheidet17 4 Entwicklungsphasen der so entstandenen Qumran-Gemeinde:
Diese erste Phase datiert Milik mit etwa 152-110[?] v. u. Z., sie beginnt mit der Siedlungsphase Ia / Ib18. Die sich ansiedelnde kleine Gruppe freiwilliger Exulanten besteht aus kompromißlosen Priestern und Laien aus der Gruppe der „Frommen“. Nach schriftlichen Quellen19 gab es ein von Eremitenwohnplätzen umgebenes bescheidenes Hauptgebäude. Die bereits aus dem 9. Jhd. v. u. Z. stammende runde Zisterne wurde weiterhin benutzt, in ihrer Nähe wurden zwei weitere rechteckige Zisternen gegraben.
Zur Datierung des Siedlungsbeginns muß man auch das Datum der Spaltung heranziehen, in deren Folge die Gruppe nach Qumran abwanderte – auch stellt sich in diesem Zusammenhang wiederum die Frage nach dem „Frevelpriester“. Hauptsächlich zwei Fakten ließen eindeutig (?) auf Jonathan, den fünften Sohn des Mattathias, schließen: er baute Jerusalem wieder auf, und er starb nach seiner Gefangennahme in großer Pein20.
Zweifellos dürfte die Spaltung in die Zeit Jonathans21 fallen. Mit der Verleihung des Hohenpriester-Amtes durch Alexander Balas ergibt sich im Jahre 152 v. u. Z. eine entscheidende Wendung in seinem Aufstieg. 150/49 v. u. Z. ernennt Alexander Balas ihn schließlich zum Strategos und Meridarch von Juda. Von da an war er „in das komplizierte Spiel der syrischen Politik hineingezogen und war hauptsächlich daran interessiert, für sich selbst einen Teil des zerfallenden Seleukidenreiches zu sichern“22, d. h.: er entsprach nicht mehr den Zielen der Bewegung, der Wiederherstellung des Königreiches Gottes.
Durch Demetrius I erfährt Jonathan weitere Zugeständnisse: den Wiederaufbau Jerusalems23, das Recht, den Hohenpriester zu bestimmen, und die Ernennung zum zivilrechtlichen und militärischen Führer von Juda. Von Antiochus VI wird er zum Gouverneur von Syrien ernannt. Ein einsetzender Prozeß der Säkularisierung führt schließlich zum Exodus der Gruppe nach Qumran. 143 v. u. Z. wird Jonathan durch Trypho gefangen genommen, im Jahre 142 erfolgt schließlich seine Hinrichtung.
Diese These findet Stützung durch Josephus. Die erste Erwähnung der Essener findet sich bei ihm in Zusammenhang mit der Beschreibung der Regentschaft Jonathans24.
Eine wesentliche Prägung des Lebenscharakters erfährt die Qumran-Gemeinde durch den Lehrer der Gerechtigkeit sowohl in Form von mündlicher Unterweisung als auch durch Schriften25. Eine große Rolle spielen dabei messianische Glaubensvorstellungen (aufgrund des obigen Hintergrundes), sowie der hauptsächlich priesterlicher Charakter26.
Sie ist etwa 110-37 v. u. Z. mit der Siedlungsphase Ib, der blühendsten Besiedlungsperiode in Qumran, zu datieren. Es erfolgt ein erneuter Zustrom sowie eine Zunahme der Bewerber, was umfangreiche Bauunternehmungen notwendig macht. Das Wasserversorgungssystem wird ausgebaut, Landwirtschaft wird betrieben27.
Auslöser des Zuwachses waren religiöse Verfolgungen unter Johannes Hyrkanus I28. Sie brachen gegen Ende seines Lebens aus und waren gegen die Pharisäer gerichtet. Da die Neuankömmlinge aus pharisäischem Hintergrund waren29, beeinflußte dies natürlich den Charakter der Gruppe.
Zu Beginn dieser Phase tritt der Tod des Lehrers der Gerechtigkeit ein.
Eine ziemlich bedeutende Gruppe verließ die Gemeinde in Qumran und siedelte sich in der Gegend von Damaskus an, ohne jedoch den priesterlichen Charakter der Theologie dieser Bewegung aufzugeben, unter Beibehaltung der Gemeinschaft mit dem 'Mutterhaus'. Die Damaskusschrift wurde verfaßt, um als angemessene Lebensregel für diesen Ausläufer im Hauran zu dienen.30
Anhand der Damaskusschrift lassen sich typisch pharisäische Züge ausmachen. Diese zeigen sich in Vorschriften für das Familienleben, die Schabbatruhe, rituelle Reinheit – aber auch in der Anerkennung des Tempels. Während sich in CD zwei Leiter /Aufseher (ein Laie und ein Priester) finden, wird diese Rolle in Qumran nur durch einen Priester wahrgenommen. Auch ein Vergleich von 1QS31 und CD führt zu diesem Ergebnis: es gibt unterschiedliche Praktiken trotz gleichen religiösen Idealen.
Es sind32 vier verschiedene Richtungen des Essenismus bekannt:
Auch die apokalyptische Gruppe in der judäischen Wüste wurde allmählich müde, so lange zu warten (1QpHab 7,7-14). Somit war der Grund für die politische Einmischung der Essener in der Zeit Herodes des Großen gelegt.33
Zwischen Herodes und Essenern besteht ein freundschaftliches Verhältnis34. Zwischen 40 und 37 v. u. Z. werden die Herodes-Anhänger durch den Hasmonäer Antigonus verfolgt, der sich mit den Parthern (welche Syrien und Palästina besetzt hielten) verbündet hatte. Dies könnte auch eine Verfolgung der Essener bedeutet haben. Die Zentren der Herodes-Anhänger werden zerstört. Auch eine Zerstörung Qumrans fällt in diesen Zeitraum (31 v. u. Z.), gefolgt von einer Siedlungspause – wenngleich diese Zerstörung wohl eher Folge eines Erdbebens war35. Die Bewohner konnten rechtzeitig fliehen; die Siedlung wurde eventuell durch die parthischen Reiter niedergebrannt.
Während der langen Herrschaftszeit des Herodes nahmen die Essener kaum an den politischen Kämpfen der Nation teil und blieben damit ihrer Haltung treu, sich von weltlichen Angelegenheiten fernzuhalten. Herodes, der überdies durch die unveränderliche Feindseligkeit der Juden verärgert war und sich immer mehr auf die Hilfe des heidnischen Elementes in Palästina verließ, muß nach und nach die Zustimmung seiner früheren Verbündeten eingebüßt haben. Diese Sachlage, die durch den zunehmenden Haß der Juden gegenüber den Römern verschlimmert wurde, bildete den Hintergrund für einen neuen Exodus nach Qumran.36
Es erfolgte ein teilweiser Neuaufbau der Siedlung, jedoch nicht in voller Größe. Es waren weniger Bewohner als zur Blütezeit Qumrans. Nationalistische Hintergründe37 spielten eine Rolle, jedoch ebenso religiöser Eifer.
In dieser Zeit ist auch die Kriegsrolle38 entstanden. Sie enthält viele theoretische Übertreibungen39, spricht vom Kampf gegen die „Kittim“40. Es sind zelotische Tendenzen auszumachen. In groben Zügen entsprach das Leben in Qumran ansonsten seinem früheren Vorbild: große Schreib- und Lesewütigkeit, Schreiben von Pescharim zu Propheten- und Gesetzestexten gehörten nach wie vor zum Alltag. Jedoch sind jetzt sowohl „Zölibatisten“ als auch „Nicht-Zölibatisten“ in Qumran anzutreffen41.
Der davidische Messias ist nun von größerer Bedeutung: Er soll die Söhne des Lichts in den Kampf gegen die Kittim führen. Diese letzte Schlacht soll vor Jerusalem stattfinden und in der Aufrichtung des Königreichs Gottes (des Messias) gipfeln.
Jedoch folgt im Sommer 68 u. Z. die Zerstörung der Siedlung durch die Legio X Fretensis, weil Qumran ein zelotisches Zentrum geworden war. Übriggebliebene werden von anderen Gruppen aufgesogen worden sein42. Es erfolgte kein Wiederaufbau von Qumran.
Rowley43 stellt sich die Frage, ob der Lehrer der Gerechtigkeit mit Onias III gleichzusetzen ist. Mit Sicherheit handelt es sich bei ihm um einen Zadokiden, der zur Zeit der Fremdherrschaft der Seleukiden44 lebte. Den Frevelpriester vermutet Rowley in Menelaos oder Jason45. Zu Beginn, so Rowley, verbündete sich die Gruppe zur Kriegführung mit den Makkabäern gegen die „Kittim“, dann wurden sie zur „Dissidentengruppe“46, d. h. sie stellten eine Opposition ohne Gewaltanwendung dar. Sowohl Josephus als auch Plinius betonen den friedlichen Charakter der Gruppe – trotzdem führen diese später mit den Zeloten Krieg gegen Rom.
CD ist älter als 1QS, daraus lassen sich auch die Unterschiede erklären. Das „Zölibat“ wurde, so Rowley, erst später eingeführt, ebenso die Gütergemeinschaft. Die Fakten in 1QS entsprechen Plinius und Josephus47, im Gegensatz zu CD. 1QS enthält strengere Regeln, sowie eine straffere Organisation.
Damaskus hält Rowley für einen tatsächlicher Wohnort. Zeitbegrenzt folgte nach ihm erst eine Auswanderung nach Damaskus, später dann die Rückkehr nach Qumran. Die berichtete Verunreinigung des Heiligtums setzt er mit der Umwandlung des Jerusalemer Tempels in einen Zeus-Tempel gleich.
142 – 134 v. u. Z. ↵
vgl. 1 Makk 2,42 ↵
31 – 4 v. u. Z. ↵
1 Makk 2,29f.31.41; R 33 ↵
1 Makk 2,32ff ↵
in der sich die Qumran-Essener zu befinden glaubten ↵
Mindestalter des Mannes bei der Heirat: 20 Jahre ↵
1 Makk 2,42; 7,13-17 ↵
1 Makk 7,13f ↵
Kyrill von Scythopolis ↵
vgl. Sektenliteratur ↵
160-142 v. u. Z. ↵
eine Anspielung auf den Wiederaufbau Jerusalems findet sich in 1QpHab 10,9-13 ↵
Ant. XIII,5,171 ↵
der Priester-Messias, der das neue Jerusalem und auch den himmlischen Tempel gründet ↵
z. B. in `En Feschcha ↵
134-104 v. u. Z.; auf ihn nimmt wohl CD Bezug ↵
die Pharisäer standen besonders unter Verfolgungsdruck ↵
der älteren Schrift ↵
hier wäre z. B. der Essener Menahem zu erwähnen, ein Mitschüler des Herodes ↵
nach Josephus ↵
antirömische Empfindungen ↵
Aufzählen nicht vorhandener Armeen und Vorräte; vgl. „Schatzliste“ in 3Q15 ↵
Römer ↵
die Frauengräber sind u.a. ihrer Lage wegen in die spätere Zeit der essenischen Siedlung zu datieren ↵
jüdische bzw. gnostische Sekten; nach den Professoren Cullmann und Schoeps in den Ebioniten ↵
Antiochus IV ↵
eingesetzt 175 resp. 152 v. u. Z. ↵
Erstes Jhd u. Z. ↵
Die Essener genossen allgemein große Achtung. Übereinstimmend mit Philo und Josephus wird angenommen, dass die Essener zeitweise bis zu 4.000 Mitglieder hatten.
Die Qumran-Gemeinde war von der Bereitschaft erfüllt, „das ganze Gesetz und Wort Gottes zu halten im Gegensatz zu denen, die es in Teile auflösen und nur teilweise bewahren.“1. Der Name „Essener“ läßt sich durchaus mit „Heilige“ wiedergeben – diese Menschen strebten ein heiliges Leben an. Ihre obersten Gebote lauteten: Liebe zu G'tt und den Menschen, sowie ein Dasein in Tugend, Gerechtigkeit und Frömigkeit. Diese Richtlinien trieben sie zum Rückzug in die Wüste, um sich nicht durch Berührung mit den „Söhnen der Finsternis“ zu verunreinigen2: „so sollen sie … ausgesondert werden aus der Mitte des Wohnsitzes der Männer des Frevels, um in die Wüste Juda zu gehen, dort den Weg des ER zu bereiten …"3. So sollte die Absonderung auch dem Zwecke dienen, eine bestimmte Form von Vollkommenheit zu erreichen sowie jede Gelegenheit zur Versuchung zu meiden. Kein einziges Gebot sollte übertreten werden4.
In ihrem „Wüstenlager“ sahen die Essener eine Wiederholung des Aufenthalts Israels in der Wüste zur Zeit des Mose5; somit warten sie hier auf den zweiten Exodus (oder die zweite Landnahme) – eine gleichzeitig apokalyptische Erwartung. Sie üben sich in den alten Regeln des heiligen Krieges G'ttes, um für Seinen letzten Krieg gerüstet zu sein.
Die Essener lebten in radikaler Einfachheit; Armut wurde gelehrt, allem Reichtum war zu entsagen. Für jedes Mitglied besteht die Pflicht zur Arbeit; hiermit ist auch gleichzeitig der Unterhalt der Siedlung sowie eines jeden Mitgliedes gesichert. Gearbeitet wurde zumindest in den folgenden Bereichen: Landwirtschaft, Salzgewinnung und Asphaltgewinnung. Ebenso gab es eine Töpferei, eine Drogenbereitungsstätte, eine Flecht- sowie eine Schreiberwerkstatt. In diesem Zusammenhang könnte man auch noch eine frühe Erwähnung der „Schichtarbeit“ anbringen: Tag und Nacht wurde in den Schriften geforscht6 …
Ein mündiges Mitglied durfte nach 1QSa ab Vollendung des 20. Lebensjahres heiraten; nach CD hingegen war die „Heiratsmündigkeit“ nicht vom Alter, sondern vom ethischen Urteilsvermögen abhängig.
Die Mitglieder lebten „nach den Grundsätzen der hebräischen Bibel und verwendeten folglich – ohne es ausdrücklich zu betonen – die hebräische Bildsprache auch in allen Aspekten des Gemeinschaftslebens. Für die private Erbauung waren jedoch Schriften in anderen Sprachen zugelassen, die freilich nun ganz überwiegend aramäisch waren.“7
Die Lager von Essenern waren über das ganze Land verstreut. Nach Philo lebten sie in Dörfern und in großen Gemeinschaften; die Wüstengemeinschaft in Qumran umfasste demzufolge nicht alle Mitglieder, war aber wohl Hauptsitz der Gemeinschaft. Darauf könnten auch die verschiedenen für die Gemeinschaft gebrauchten Bezeichnungen in ihren eigenen Schriften hinweisen: „jachad“ – die „Hauptgemeinde“ Qumran, „machanot“ – kleinere Gruppen und Dorfgemeinschaften, die im Land verstreut waren, und „`eda“ – die Gesamtheit der „Auserwählten“. Das von Josephus erwähnte (und nach seiner Beschreibung auch lokalisierte) „Essenertor“ der Stadt Jerusalem läßt auf eine Jerusalemer „Ortsgruppe“ schließen.
Der Ortsname „Damaskus“ in CD und 4QD wird unterschiedlich interpretiert. Während die Einen dies als aus Amos 5,27 abgeleitete Bezeichnung für Qumran verstehen, nehmen andere es durchaus wörtlich.
Die Kultfähigkeit wurde nach 1QSa, wie auch die Heiratsfähigkeit, mit dem 20. Lebensjahr erreicht. In Qumran herrschte eine völlige Gütergemeinschaft8 mit besonderer Betonung des Gemeinschaftslebens9.
Ein besonderes Merkmal des Gemeinschaftslebens war das gemeinsame Mahl, an dem nur Eingeweihte teilnehmen durften. Es fand mittags und abends statt. „Sinngemäß“ waren die beiden Messiasse anwesend, d. h. der Messias Aarons wurde durch einen Priester und der Messias Israels durch einen Laien vertreten10. Zuerst muß der Priester (also der Messias Aarons) seinen Segen sprechen und die Hand nach dem Brot ausstrecken, dann der Laie (der Messias Israels). Anschließend soll die ganze Gemeinschaft den Segen sprechen. Danach erst kann das Essen beginnen. Mindestens 10 Männer mußten dazu anwesend sein11. Diese gemeinsame Mahlzeit bezeichnete eine liturgische Vorwegnahme des messianischen Mahls und findet in Jes. 25,6 einen Bezug im TaNaKh12.
Im großen und ganzen war das Leben in Qumran geprägt von sakralen Mahlzeiten, Torahstudium, synagogalem G'ttesdienst und streng geregeltem Gebetsleben zu verschiedenen Tageszeiten.
Die Priesterschaft dürfte mit der Zeit zumindest ein Problem gehabt haben: Priester kann nur der werden, der aus dem Stamm Levi und dem Geschlecht Aaron ist. Da aber Ehelosigkeit vorherrschte, tut sich die Frage nach den Nachfolgern auf; ein allmählicher Zurücktritt des Priesteramtes könnte daraus gefolgt sein, das Amt jedoch blieb bestehen. Die meisten Funktionen gingen allmählich mehr und mehr auf den Aufseher über13.
Die Armut hielt an bis in's Grab: eine Erdbestattung, wie sie in Qumran generell angetroffen wird, war damals nur für die „Armen“, wie sich die Qumran- Essener selbst ja auch nannten, üblich; wer es sich Leisten konnte, legte eine Familiengruft an. Es gab keine Grabbeigaben. Stattdessen erhielten die Toten jedoch eine andere schöne Beigabe: sie waren nach wie vor „in die Gemeinschaft mit einbezogen“, sie waren die „Gemeinde der Einung“ – auch der Tod sollte sie nicht trennen.
Die Grabanlagen finden sich in unmittelbarer Nähe des Siedlungszentrums. In der Wüste wurde das neue Reich Gottes erwartet14, und auch die Toten sollten dann dabei sein. Bislang15 wurden vier „Friedhöfe“ gefunden, die einige Aussagen zulassen. Individualität wurde in Qumran selbst den Toten bewahrt: bis auf wenige Ausnahmen gab es nur Einzelbestattungen. Eine „Wiederbenutzung“ von Gräbern war, wie auch heute noch im Judentum, absolut unüblich.
Durch in den Aufschüttungen gemachte Keramikfunde lassen sich die Gräber auf das 1. Jhd. v. u. Z. bis 1. Jhd. u. Z. datieren. Auf „Identität“ der Leichen gibt es bisher keine Hinweise16. Die Bestattung erfolgte nach Alter und Geschlechtern getrennt: Auf dem Begräbnisplatz 1 fand man nur Männerleichen, auf einem anderen die von Frauen und Kindern.
Als Strafen werden u. a. ein totaler Ausschluss17 sowie eine zeitweilige Ausschließung18 genannt.
In der Damaskusschrift ist hier bereits eine Milderung eingetreten: Nach dem Total-Ausschluß ist eine Rückkehr möglich; es bezeichnet jetzt völligen Gemeinschaftsabbruch, während die zeitweilige Ausschließung nur ein Ausschluss von der Reinheit ist.
Wer an den Waschungen nicht teilnehmen darf ist dazu verurteilt, in Unreinheit zu leben. Das heißt: Er ist vom gemeinsamen Mahl19 und von den Gemeindeversammlungen20 ausgeschlossen. Außerdem wird seine Verpflegungsration verkürzt21.
Entscheidungen über Strafmaß und Anwendung trifft nach 1QS die Gemeindeversammlung, bei der alle Glieder zugegen sind; nach CD hingegen werden diese von einem „Aufseher“ getroffen22. In Qumran ist der „Aufseher“ lediglich primus inter pares, während er in CD monarchisch auftritt.
Vorsätzliches Übertreten irgend eines Gebotes führt zum Ausschluß von der Reinheit23 bzw. zum Abbruch der Gemeinschaft24.
TaNaKh (hebr.: תנ"ך) ist eine Abkürzung für "Torah, Nevi´im uKotwim" (תורה, נביאים וכתובים) – Torah, Propheten, und (weitere) Schriften, und bezeichnet die hebräische Bibel ↵
„bereitet in der Wüste einen Weg …" ↵
keine Grabsteine o. ä. ↵
1QS VIII,20-9,2; hier kommt es schon beim versehentlichen Übertreten zum Ausschluß ↵
Dieses wird auf Jesaja 28 zurückgeführt. Der Eckstein1 wird auf die Gemeinde Qumran gedeutet, die G'tt hiermit gründet2. Wer sich hinter den darauf gegründeten Mauern befindet, ist in völliger Sicherheit. Diese Festung ist unbesiegbar, unüberwindbar: „[…] alle, die hineintreten, werden nicht wanken […]“ Sie besitzt „schützende Tore, durch die man nicht hereinkommt, und feste Riegel, die nicht zerbrochen werden“3.
Den Inhalt von Jes 28 bezogen die Qumran-Essener völlig auf sich und ihre Situation4. Sie selbst (bzw. ihre Führung) sind in der Rolle Jesajas wiederzufinden5.
Das „Stammeln“ in Jes 28,11 wird mit „Spotten“ wiedergegeben – laut Betz6 war im Spätjudentum nur noch diese Bedeutung bekannt7. In dem „Zavlazav-Qavlakav“ wird kein Lallen – sondern verständliche, lästerliche Rede vermutet: Nach Betz8 würde „Zav“ von „Zivah“9 abgeleitet und für die Torah eingesetzt sein, „Qav“ entweder von „Qavah“10 oder von „Qav“11 für die Zukunftshoffnung bzw. wiederum für das Gesetz stehen, woraus sich folgender Text herleiten ließe: „Sein Gebot ist kein Gebot, und sein Maßstab keine Norm12“. Das „Reden mit anderer Zunge“13 entspricht nach ihrer Auffassung falscher (profaner) Schriftauslegung14.
Aufgrund von Num 24,17 erwarteten die Qumran-Essener zwei messianische Gestalten: Den Messias Aarons16 und den Messias Israels17, der in seiner Stellung dem Messias Aarons untergeordnet ist. Es heißt dort im Text: „Es tritt hervor ein Stern aus Jakob, und ein Zepter erhebt sich aus Israel“. In dem Stern sahen sie den Priester-Messias, im Zepter den Davids- oder Königs-Messias18.
Dieses Messias-Verständnis schlägt sich auch in der Gemeindeordnung nieder: So wie in rituellen und religiösen Belangen der Priester-Messias über dem Davids-Messias steht, steht auch sonst in kultischen Dingen der Priester über dem Laien19.
Auch in den „Testamenten der zwölf Patriarchen“ herrscht diese Vorstellung vor. Hier steht Levi für den Priester-Messias, und Judah für den Davids-Messias: „Und nun, meine Söhne, befehle ich euch: Liebet den Levi […], denn mir gab G'tt die Königsherrschaft, und ihm gab er das Priestertum, und ordnete die Königsherrschaft dem Priestertum unter […]“20.
In militärischen Dingen allerdings steht der Davids-Messias als oberster Heerführer vor dem Priester-Messias an erster Stelle, da jener – um sich nicht zu verunreinigen – nicht in den Krieg ziehen durfte. Daher steht auf den Standarten zuerst der Name Israels, und erst dann der Name Levis und Aarons21. Als oberster Heerführer betritt er auch zum Mahl als erster den Raum, an der Spitze der „Häupter der Tausendschaften“22.
Lebten die Bewohner Qumrans im Zölibat? Nach Philo23 eindeutig ja. Er nennt dafür zwei Gründe: Die Bedrohung für vollkommenes Gemeinschaftsleben, und die Bosheit der Frau.
Auch Josephus ist ähnlicher Ansicht. Nach ihm lehnen die Essener die Ehe für sich ab, fechten aber die Institution als solche nicht an. Als Grund nennt er den Wunsch, sich „vor der Lüsternheit der Frau“24 zu schützen. An anderer Stelle25 weist er jedoch darauf hin, dass eine Gruppe von Essenern die Ehe zuließ; dafür spricht auch 1QSa I,4.9f. Sie schienen also die Ehelosigkeit für ratsam, jedoch nicht als Pflicht zu betrachten. Im Vordergrund steht das Bereitsein zur letzten Schlacht und zum Eintritt in G'ttes neue Welt.
In Joel 2,22-27 finden wir Verheißungen für die Endzeit. Es heißt dort in Vers 23: „[G'tt] gibt euch den Frühregen nach [dem Maß] der Gerechtigkeit“. Der masoretische Text lässt sich aber auch wie folgt übersetzen: „Er gibt euch den Lehrer der Gerechtigkeit“. Sicherlich bezog sich der Lehrer betreffs seiner Autorität auf diese Stelle.
Die Essener zollten ihrem Meister26 hohe Achtung, die an Anbetung grenzte. Der Glaube an seine Lehre war gleichbedeutend mit Erlösung27. Wie Mose der Mittler des alten Bundes mit Israel war, so errichtete der Lehrer die Gemeinschaft des erneuerten Bundes, lehrte die wahre Bedeutung der Schrift verstehen und begründete in Vorwegnahme des messianischen Zeitalters eine neue Lebensordnung. In den Augen seiner späteren Jünger war er eine in der Schrift angekündigte eschatologische Gestalt, die beim Kommen des neuen Äons Geburtshilfe leisten sollte.28
Sie sahen in ihm den in Dt 15,15.18 angekündigten „Propheten gleich Mose“29.
Der „Frevelpriester“ verfolgte den Lehrer und versuchte, ihn an einem Jom Kippur Tag zu töten; aufgrund der Verwendung verschiedener Kalender fielen die Feste bei den Qumran-Essenern auf andere Tage, sodass dem „Frevelpriester“ dieser „Ausflug ins Exil des Lehrers“ möglich war. Aber der Versuch scheiterte.
Weder der Titel „Lehrer der Gerechtigkeit“ noch der Name des Gründers als solcher findet sich bei den griechischen oder lateinischen Historikern. So ist man bei Versuchen, seine Identität näher zu bestimmen, auf Spekulationen angewiesen. Aus verschiedenen Schriften geht hervor, dass er ein Priester war30. Seine Lehre lässt sich in Kürze etwa wie folgt darlegen:
Nur ein Gemeinschaftsleben in Abgeschiedenheit schafft die Voraussetzungen, die den Menschen befähigen, seine Schwachheit angesichts des Bösen zu überwinden. Wenn sie die vierzig Jahre der Prüfung in der Wüste erst vollbracht haben, wird das Ende mit Gewissheit kommen. Jedoch ist strenge Disziplin nötig, die kein Vergehen ungestraft lässt. „Das Ende dieser Zeit würde durch eine letzte Krise gekennzeichnet sein, einen Krieg, in dem die Heere des Lichtes und der Finsternis aufeinandertreffen würden.“31
Der Lehrer wird wahrscheinlich eines natürlichen – nicht gewaltsamen – Todes gestorben sein32. Das brachte zahlreiche Unklarheiten für seine Anhänger mit sich, welche dachten, dass er sie bis zum Ende begleiten würde. Doch am Ende der Tage wird der Lehrer der Gerechtigkeit wiederkommen33, und alle Unklarheiten klären.
Wer aber war der Lehrer der Gerechtigkeit, und wer der Frevelpriester? Eine eindeutige Identifikation gibt es meines Wissens bis heute nicht – wohl aber etliche Anhaltspunkte.
Cross vermutet im Lehrer der Gerechtigkeit einen Priester, wahrscheinlich einen Zadokiden34. Rowley geht sogar davon aus, dass er mit Sicherheit ein Zadokide war – und stellt dazu den Namen Onias III35 in den Raum. Recht passend: Onias war Hoherpriester zur Zeit der Makkabäer. Sein Bruder Jason, ein hellenisierter Jude, wandte sich an König Antiochus IV, um sich das Amt zu verschaffen – und verdrängte somit Onias. Womit wir gleich den passenden Frevelpriester hätten. Eine Schlussfolgerung, die natürlich auch Rowley zieht – der allerdings als Alternative noch Menelaos nennt: einen weiteren hellenisierten Juden, der auf gleiche Weise Jason um das Amt erleichterte.
Gegen beide Kandidaten für den Frevelpriester spricht jedoch dessen Beschreibung im Habakuk-Kommentar36. In diesem wird davon gesprochen, daß er zunächst sein Amt ordnungsgemäß führte; nachdem er jedoch die Herrschaft übernahm, "erhob sich sein Herz, und er verließ Gott und handelte t[re]ulos gegen die Gebote",37 er wurde ungerecht. Sowohl Jason als auch Menelaos traten das Amt aber bereits "ungerecht" an. Es gäbe jedoch noch einen weiteren möglichen Kandidaten: Jonathan38. Acht Jahre war dieser Führer Israels, ohne jedoch einen offiziellen Titel zu tragen. Im Jahre 152 wurde er dann von Alexander Balas zum Hohenpriester ernannt, 150 zum militärischen und zivilen Verwalter von Judäa und schließlich 145 von Antiochus VI von der ganzen Provinz Syrien. Auch 1QpHab VIII,16 bis IX,2.9-12 sprechen für Jonathan. Der Syrer Trypho verbreitete Gerüchte über schreckliche Wunden am Körper Jonathans, den er gefangen hielt, um dessen Bruder Simon zur Kapitulation zu zwingen. Als dies jedoch nicht gelang und sein Plan somit scheiterte, "befriedigte er seine Rachegelüste, indem er dem unglücklichen Gefangenen einen schmerzhaften Tod bereitete". Dieses Ende (1QpHab VIII,9-12) passt zu Jonathan besser als einem der anderen Kandidaten.
Die Qumran-Essener hatten das gesamte zukünftige Weltgeschehen bis zum Jüngsten Gericht aufgezeichnet. Nach ihrer Meinung erfüllen alle Menschen ihr Tun „gemäß dem Plane seiner Majestät, woran es nichts zu ändern gibt“39. Das heißt: Der Mensch kann sein Schicksal nicht selbst bestimmen.
„Nach Josephus Ant. 13,5.9 lehren die Essener, 'dass alles unter der Macht des Verhängnisses steht und bei den Menschen nichts vorkommt, das nicht vom Geschicke bestimmt ist'"40. Demzufolge nannten sich die Qumran-Essener auch „Söhne des göttlichen Wohlgefallens“41 bzw. „Erwählte des göttlichen Wohlgefallens“42 – denn nur, wer von G'tt dazu vorherbestimmt war, war im Stande, den rechten Weg zu wandeln.
Durch ihre Erkenntnis, die G'tt ihnen geschenkt hatte, waren sie mit den Engeln verbunden43. Sie ist ein Heilsbesitz, den die Erwählten, die Er erleuchtet hatte, besaßen. Die Qumran-Essener wussten, dass sie die Erwählten waren, und daher der göttlichen Herrlichkeit teilhaftig würden. Sie ersehnten die Realisierung ihres Wissens ebenso wie die des Gerichtes über die „Gottlosen“. Nach ihrer Überzeugung gibt es eine Auferstehung44, und dem Weltuntergang folgt eine Neuschöpfung45, in der sie dann leben werden46. Das lässt sich auch aus anderen in Qumran gefundenen Schriften belegen47.
Nach Lehre der Essener hat der Mensch zwei Geister, „um mit ihnen bis zur festgesetzten Zeit seiner Heimsuchung zu wandeln“48. Es „streiten die Geister des Rechts und des Unrechts im Herzen des Mannes“49. „Geist“ kann auch Gabe oder Tugend bedeuten, wie z. B. der „Geist der Erkenntnis“ in 1QS IV,4 oder die „Geister der Erkenntnis“ in 1QS III,22.
Jes 28,16 ↵
d. h. gebräuchlich ↵
hebr. Befehl, Weisung ↵
hebr. hoffen ↵
hebr. Norm ↵
bzw. „seine Hoffnung keine Hoffnung“ ↵
Jes 28,11 ↵
Priester-Messias ↵
Messias-König ↵
„Da sieht man einmal, was alles passiert / wenn man den Parallelismus Membrorum fehlinterpretiert“: Jakob und Israel waren ein und dieselbe Person; Jakob erhielt den Namen „Israel“ nach dem Kampf mit dem Engel G'ttes am Ufer des Jabbok, Gen 32,29 ↵
Test. Judah 21,1-3 ↵
Hypothetica bei Euseb. Präp. ev. VIII,11,14-17 ↵
Bell. II,120ff ↵
Bell. II,160ff ↵
dem Lehrer der Gerechtigkeit ↵
1QpHab VIII,1-3 ↵
ein Nachfahre Zadoks, und somit zumindest potentieller Kandidat für das Amt des Hohenpriesters ↵
Siehe Wikipedia: Makkabäer ↵
1QpHab VIII, 8ff. ↵
160-142 v. u. Z. ↵
z. B. in Fragmenten des „Neuen Jerusalem“ ↵
In den Ruinen selbst wurden keine Bücher bzw. Schriftrollen gefunden – dafür aber Tintenfässer mit eingetrockneter Tinte, Schreibgriffel, und anderes Gerät. Die Analyse der Tinte von den Schriften der umliegenden Höhlen erwies, dass diese mit der Tinte in den Ruinen identisch ist. Daraus folgt, dass die Rollen offensichtlich hier geschrieben wurden. In einer Zeit der Gefahr und Bedrohung1 wurde dann die gesamte Bibliothek ausgelagert, und in den Höhlen verborgen.
Nach der Häufigkeit der in Höhle 4 erhaltenen Exemplare zu urteilen, bevorzugte die Sekte Deuteronomium (18 Handschriften), Jesaja (15 Handschriften) und die Psalmen (16 Handschriften).2
In der Gruppe entwickelte sich eine exegetische Schultradition, die schriftlich in den Pescharim3 niedergelegt wurde. Sie enthielten meist prophetische Texte mit typologischer bzw. apokalyptischer Auslegung, wobei die Textzitate und deren Erklärung einander abwechseln.
Neben den Schriftrollen größeren Formats, wie z. B. der Jesaja-Rolle 1QIsa, wurden zum Teil auch „Taschenbücher“ hergestellt, d. h. Handschriften kleineren Formats mit winziger Schrift. Funde davon wurden in Höhle 4 gemacht.
Da die jeweils erste Kolumne besonders der Abnutzung ausgesetzt ist, weil sie bei jedem in-die-Hand-nehmen angefasst wurde, ließ man sie meist frei, um den gesamten Text möglichst lange lesbar zu erhalten. Der Text begann dann erst mit der zweiten Kolumne. Diese so genannte Vorsatzkolumne begegnet uns in den Qumran-Handschriften häufig.
Im Allgemeinen wurde in Qumran schwarze Tinte verwendet, gelegentlich trifft man jedoch auch auf die Verwendung von roter Tinte z. B. für die Absatzmarkierung. Bei den verwendeten Schrifttypen herrscht die Quadratschrift vor. Daneben finden wir aber auch Handschriften mit althebräischen Buchstaben, die besonders in der Torah für den G'ttesnamen benutzt wurde. Auch eine Kursivschrift, die für biblische Texte verwendet wurde, ist neben einer „Geheimschrift“4 vorhanden.
Die Texte wurden bereits in Paraschen5 gegliedert. Zum Teil wurden die einzelnen Verse auf einer Zeile durch Lücken voneinander getrennt.

Es gibt in Qumran noch keinen vorherrschenden Standardtext: Ganz unbefangen wurden verschiedene Textvarianten nebeneinander gebraucht, die jedoch inhaltlich völlig übereinstimmten. So treffen wir hier auf hebräische Texte verschiedener Textfamilien und Rezensionen: protomasoretische, protosamaritanische, Proto-Septuaginta-Texte, sowie auch Mischtexte der genannten Rezensionen. Beispiele für Vertreter der verschiedenen Schrifttraditionen wären:
Dazu kommen außerdem noch Targume6 – und solche, die denen der Peschitta7 und Vulgata8 ähneln.
Die Texte wurden meist in hebräischer Quadratschrift abgefasst; in wenigen Fällen waren auch aramäische Texte anzutreffen. Die althebräische Schrift taucht nur vereinzelt auf, und zwar hautsächlich in Fragmenten aus 1QLev und 1QNum. Sie erinnert an die Schrift der Ostraka von Lachisch.
Datiert werden die Handschriften auf einen Zeitraum zwischen dem letzten Viertel des dritten Jahrhunderts v. u. Z.9 und dem Jahre 68 u. Z. Leider fanden sich in den Handschriften keinerlei Vermerke, die auf Abschreiber oder Abfassungszeit schließen lassen. „Die Sitte, in den Schlussversen am Ende einer Handschrift Angaben über den Stifter, über den Schreiber, den Korrektor usw. zu bringen, ist uns erst in hebräischen Bibelhandschriften des Mittelalters bezeugt.“10
So gelang die Datierung erst durch paläografische Vergleiche mit genau datierbaren Handschriften aus den Höhlen der Wüste Juda und durch den Radiokarbon-14 Test, der für eine einhüllende Leinwand (die in Einzelfällen vorhanden war) als Entstehungsdatum ca. 35 u. Z. ergab.

Die Funde waren Besitz der Bewohner von Chirbet Qumran. Das ist durch Ostraka-Funde direkt in der Siedlung Chirbet Qumran erwiesen, deren Schriftzeichen „paläographisch deutliche, nicht zu leugnende Verwandschaft mit den Buchstaben der in den Höhlen gefundenen Handschriften“ haben11.
Sämtliche Schriftfunde hatten ursprünglich Rollenform; es wurden keine Codices gefunden. Das ist auch nur zu verständlich – wenn man bedenkt, dass der Codex erst im zweiten Jahrhundert u. Z. auftaucht.
Es wurden Fragmente von Handschriften aller Bücher der hebräischen Bibel gefunden, mit Ausnahme des Buches Esther. Dies mag seine Ursache vielleicht darin haben, dass in ihm der Name G'ttes nicht ein einziges Mal auftaucht, und es so von den Essenern als nicht zu den heiligen Schriften gehörend empfunden wurde.
Besonders gut ist die Rolle 1QIsa erhalten geblieben. Sie steckte in einem tönernen Krug, und hatte somit besonders günstige Lagerbedingungen. 1QIsa ist ein vollständiges Exemplar des Jesaja-Buches, das alle 66 Kapitel enthält – und hat damit für die Forschung große Bedeutung. Es lassen sich mit ihrer Hilfe gute Nachforschungen zur Schriftüberlieferung treffen.
Doch leider hatten die Wissenschaftler nicht bei allen Handschriften dieses Glück; die meisten waren in sehr desolatem Zustand, und nur recht unvollständig erhalten. „Der fragmentarische Zustand ist größtenteils zurückzuführen auf gewaltsame Beschädigung der Rollenbücher durch die erobernden römischen Legionssoldaten, auf Wurm- und Rattenfraß – die Ratten haben z. T. ihre Nester aus abgenagten Handschriftenfragmenten gebaut – und schließlich auch auf die materielle Alterung der Schreibstoffe, die entweder Leder oder Papyrus waren.“12
Damit man bei der Erwähnung eines Textfundes diesen nicht erst lang und breit beschreiben muss wurde – nicht nur für die Qumran-Funde – ein Bezeichnungssystem eingeführt. Jeder Text erhält ein Signum, aus dem sich schnell und problemlos erkennen lässt, wo dieser Text herstammt und um welchen es sich handelt. Da auch ich in diesem eBook mit diesen Bezeichnungen arbeite, soll dieses Kapitel einen kurzen Einblick ermöglichen – und das System an einigen Beispielen kurz erläutern. Vorab jedoch ein Zitat aus Wikipedia, welches das Prinzip recht gut beschreibt:
Die elf Höhlen wurden nach der Reihenfolge ihrer Entdeckung nummeriert. Die Qumranschriften werden nach dem Fundort (1-11Q) und der Nummer des Fragments notiert; sofern dieses sich einer bestimmten Rolle zuordnen lässt, wird oft deren Inhalt in Großbuchstaben abgekürzt. Bei mehreren Versionen zum selben Text wird dahinter die Variante mit hochgestellten kleinen Buchstaben angegeben. Oft wird dahinter die Sprache als Abkürzung vermerkt. Liegen nur Bruchstücke vor, werden Textspalten und Zeilen zusätzlich angegeben.
4Q123 45 VI 7–9 ist also Text Nr. 123 aus Höhle 4, davon Fragment 45, Kolumne (Spalte) 6, die Zeilen 7–9. 1QGenAp (= 1Q20) ist das Genesisapokryphon aus Höhle 1. 4QSama ist die erste, 4QSamb die zweite Handschrift des Buches Samuel aus Höhle 4.
Funde von Handschriften wurden in insgesamt elf Höhlen gemacht. Allein Höhle 1 beherbergte ursprünglich1 etwa 150 bis 200 Schriftrollen. In Höhle 4 wurden etwa zwanzigtausend Fragmente von insgesamt über 400 identifizierten Handschriften gefunden, von denen wiederum ca. 120 der hebräischen Bibel zugeordnet werden konnten – eine Sammlung, die in Größe und Bedeutung ohne Parallele sein dürfte. Sämtliche Funde waren Schriften in Rollenform; die Buchform (Codex) findet sich erst ab dem 2. Jahrhundert u. Z.
Die in Qumran gefundenen Bibeltexte gehen auf drei bzw. vier primäre Handschriften-Familien zurück, wie Abbildung D1 aufschlüsselt: Die proto-masoretische, von der sich der heutige masoretische Text ableitet; die proto-septuagintische, die wahrscheinlich die hebräische Grundlage der Septuaginta (LXX) bildete; die proto-samaritanische, wohl die Grundlage für den späteren Samaritanischen Pentateuch2 – vermutlich jedoch ohne die späteren samaritanischen Zusätze, die aufgrund einer sektiererischen Beeinflussung hinzukamen; und auf eine neutrale Familie, die mehr oder weniger zwischen den anderen steht.
Wie bereits erwähnt, würde eine Gesamtauflistung hier den Rahmen sprengen – ganz abgesehen davon, dass sie mittlerweile an anderen Orten sicher bereits wesentlich vollständiger existiert. Daher möchte ich lediglich einige ausgewählte, besonders wichtige Fundstücke kurz benennen. Dabei folge ich dem Aufbau der hebräischen Bibel, die auch als „TaNaKh“3 abgekürzt wird – für Torah (die fünf Bücher Mose), Nevi´im (Propheten), und Kotwim (weitere Schriften).
Textfunde aus den fünf Büchern Moses fanden sich insbesondere in Höhle 4 zahlreich.
Genesis: Dieses Buch war gleich mit sechs verschiedenen Exemplaren vertreten, von denen eines in paläo-hebräischer Schrift abgefasst ist, und die Passage 26,21-28 enthält. Der Text der anderen fünf Exemplare soll laut Bardke mit dem bisher bekannten Text übereinstimmen.
Auch in Höhle 1 fand man mehrere zu einem Manuskript gehörende Fragmente, etwa Bruchstücke von 1,28-21; 3,11-14; 22,13-18; 23,17-19 und 24,22-24. Die ursprüngliche Schriftrolle hatte etwa 35 Zeilen je Kolumne, ihr Schriftblock war ca. 25 cm hoch. Die Textabweichungen vom uns bekannten Text sind sehr gering, und im wesentlichen durch Vollschreibung4 in den typischen Sprachformen von Qumran bedingt.
Weitere Genesis-Fragmente fanden sich auch in den Höhlen 2, 3 und 6.
Exodus: Ein Fragment dieses Buches stammt aus dem ersten Kapitel, und geht in 1,5 mit der LXX gegen den masoretischen Text – eine Besonderheit, der man in den Qumran-Texten häufiger begegnet. Auch Teile der Kapitel 7, 29, 30 und 32 in althebräischer Schrift wurden hier gefunden. In einer bedeutenden Anzahl von Fällen folgen diese Schriftstellen weder dem masoretischen Text noch der LXX, sondern dem Samaritanischen Pentateuch. Eine weitere in Höhle 4 gefundene Handschrift in althebräischer Schrift, datiert auf ca. 100 v. u. Z., zeigt hingegen eine recht große Übereinstimmung mit dem masoretischen Text.
Insgesamt fanden sich in Höhle 4 Exodus-Fragmente von acht verschiedenen Handschriften; mit 4QExe und 4QExf auch zwei der ältesten Manuskripte, deren Niederschrift nach F. M. Cross im zweiten resp. dritten Jahrhundert v. u. Z. erfolgte.
Auch in Höhle 1 wurde man fündig. Von einer der hier gefundenen Exodus-Handschriften sind die Passagen 16,12-16; 19,24 - 20,1 und 21,4-5 bruchstückhaft erhalten. Die ursprüngliche Rolle hatte etwa 30 Zeilen je Kolumne und einen Schriftblock mit einer Höhe von 19 cm. In 16,14 lässt sich wiederum eine Übereinstimmung mit LXX und Vulgata5 entgegen dem masoretischen und dem samaritanischen Text feststellen.
Weitere Fragmente gab es in Höhle 2, mit den Textpassagen folgender Schriftstellen: 1,11-14; 7,1-4; 9,27-29; 11,3-7; 12,32-41; 18,21f; 21,19f; 21,37 - 22,2; 26,11-13; 30,23-25 und 34,10f.22-24 – sowie einige griechische Fragmente in Höhle 7.
Das Buch Levitikus war in Höhle 4 in drei verschiedenen Handschriften vertreten. Desweiteren fanden sich Fragmente zweier griechischer Handschriften auf Papyrus und Leder, die der Rezension der LXX folgen. Eines dieser Fragmente, auf Papyrus erstellt und mit dem LXX Standardtext sehr gut übereinstimmend, verwendet anstatt des Tetragrammatons6 bzw. des griechischen „Kyrios“7 die Schriftzeichen „IAO“. Das andere (ein Lederfragment) enthhält 26,2-16; wobei zehn von der LXX abweichende und fünf weitere Lesarten vertreten sind, in denen selbst unter den Handschriften der LXX keine Einigkeit besteht.
Fragmente aus Höhle 1 werden auf das vierte bis zweite Jahrhundert v. u. Z. datiert, und enthalten jeweils ein paar Verse aus den Kapiteln 11-23 in althebräischer Schrift8. Sie weisen nach G. L. Archer jr. eine bemerkenswerte Übereinstimmung mit dem masoretischen Text auf. In den Höhlen 2 und 6 fand sich je ein Lederfragment in althebräischer Schrift9, eine Rolle mit einem Teil des Buches wurde auch in Höhle 11 gefunden.
Numeri: Neben hebräischen Handschriften fand sich in Höhle 4 auch ein Fragment dieses Buches in griechischer Sprache und Schrift, auf Leder gefertigt. Dieses enthält 3,30 - 4,14. In etlichen Fällen verwendet es ein anderes, synonymes griechisches Wort als die LXX.
4QNumb ist ein Fragment, das in hebräischer Quadratschrift der herodianischen Zeit abgefasst ist, und enthält teilweise samaritanische Erweiterungen. So findet sich z. B. nach 27,23 ein Einschub aus Dt. 3,21. In anderen Fällen folgt es wiederum der LXX gegen die masoretische und samaritanische Rezension, so beispielsweise in 35,21 und 26,33. Es handelt sich bei 4QNumb um eine umfangreiche Gruppe von Fragmenten – und die einzige vom Schreiber mit roter Tinte verzierte Rolle: Die Abschnittsanfänge sind rot geschrieben.
Weitere Numeri-Fragmente fanden sich in Höhle 110 und 2. In letzterer ist es in gleich vier verschiedenen Manuskripten vertreten; als erkennbare Textstellen werden jedoch nur 3,51 - 4,3 und 23,49-52 angegeben11, wobei beide Stellen zu verschiedenen Manuskripten gehören.
Deuteronomium: Von vierzehn Exemplaren dieses Buches konnten in Höhle 4 teilweise recht beträchtliche Reste geborgen werden. Drei dieser Manuskripte waren in althebräischer Schrift abgefasst, sind jedoch leider schlecht erhalten. Eines davon enthielt Reste eines Textes von Kapitel 7 bis zum Ende des Buches, wies aber starke Schäden auf; die anderen sind nur fragmentarisch erhalten, z. B. 26,14f.
In 4QDta findet sich das Lied des Mose12. Auch hier geht (in 32,43) der Text wieder mit LXX gegen den masoretischen Text, lässt jedoch einige Erweiterungen der LXX an dieser Stelle wegfallen. F. M. Cross datiert diese Handschrift auf das zweite Jahrhundert v. u. Z.
4QDtb32 enthält Kapitel 41-43 in Halbversen als poetischen, nicht prosaischen Text, der in drei Fällen die Fassung der LXX der des masoretischen Textes vorzieht.
In Höhle 1 fanden sich Fragmente zweier Handschriften. Die erste umfasst 58 Fragmente, hatte eine Schriftblockhöhe von ca. 35 cm, und je 47 Zeilen pro Kolumne. Neben einer großen Anzahl von nicht zuzuordnenden Kleinstfragmenten handelt es sich um die Schriftstellen 1,22-25; 4-47-49; 8,18f; 9,27f; 11,27-30; 13,1-4.4-6.13f; 14,21.24f; 16,4 und 16,6f. Das zweite Exemplar13 hatte 40 Zeilen je Kolumne und einen Schriftblock von 29 cm Höhe. Der Text zeigt eine große Nähe zur masoretischen Rezension. Eine Ausnahme stellt 33,17 dar, wo diese Schrift mit der samaritanischen Rezension, der LXX, der Vulgata und syrischer Übersetzungen gegen den masoretischen Text steht. In Kapitel 32 ist stichische Schreibung14 erkennbar.
Weitere Fragmente fand man in Höhle 2: Von insgesamt zwei oder drei hier gefundenen Exemplaren werden die Textstellen 1,7-9 und 17,12-15 erwähnt. Mehrere Fragmente mit Stücken aus den Kapiteln 7-9 werden auch bei den Funden aus Höhle 5 genannt.
4QSama ist in mancher Hinsicht die wichtigste biblische Handschrift unter den Funden überhaupt. Sie wurde bereits in der Antike – etwa ein halbes Jahrhundert nach ihrer Niederschrift im ersten Jahrhundert v. u. Z. – auf der Rückseite mit Papyrus verstärkt, weshalb sie auch recht gut erhalten war. Bei dieser Handschrift finden wir das erste und zweite Buch Samuel zusammen auf einer Rolle.
Von den insgesamt 57 Spalten sind 47 mehr oder weniger fragmentarisch vorhanden, wobei das zweite Buch Samuel besser erhalten blieb als das erste: Von jeder der 24 Spalten ließen sich einige Stücke finden. Auch deren Anordnung lässt sich genau rekonstruieren.
Im Schnitt findet sich etwa ein Kapitel pro Spalte15, doch leider konnte bisher noch keine vollständige bzw. wenigstens annähernd vollständige Spalte eines der beiden Bücher zusammengesetzt werden.
Diese Handschrift gehört einer Textfamilie an, die bisher nur durch die griechischen Texte der Septuaginta16 bekannt war. In den Partien, die den Chronikbüchern parallel laufen, hat 4QSama eine Textform bewahrt, die dem vom Chronisten verwendeten Samuel-Text viel näher steht als der masoretische Text; in anderen Fällen geht sie mit dem masoretischen Text, oder enthält von beiden abweichende Lesarten.
4QSamb ist die (wesentlich) „ältere Schwester“, die nach F. M. Cross im dritten Jahrhundert und nach G. L. Archer spätestens 225 v. u. Z. geschrieben wurde. In ihr werden noch weniger matres lectionis17 verwendet, als dies im masoretischen Text der Fall ist. Weiterhin lässt sich zur Charakterisierung feststellen, dass sie durchweg entgegen dem masoretischen Text der LXX folgt. Leider jedoch ist diese Handschrift schlecht erhalten. Fundstücke umfassen die Kapitel 16, 19, 21 und 23 des ersten Buches Samuel.
Bei 1QIsa handelt es sich um eine 7,20 m lange und 26 cm breite Rolle, die auf die Zeit vor 100 v. u. Z. datiert wird. Sie ist auffallend gut erhalten, und gibt den vollständigen Jesaja-Text – alle 66 Kapitel – in 54 Kolumnen nahezu lückenlos wieder. Wegener bezeichnet sie als „Gradmesser für die gesamte Überlieferung der biblischen Schrift“18; die Abweichungen gegenüber dem uns bekannten masoretischen Text sind unwesentlich.
1QIsa gehört zur selben Handschriftenfamilie wie die masoretischen Texte, jedoch bevorzugt sie vereinzelt eine LXX-Lesart. Die meisten Abweichungen gegenüber dem uns bekannten masoretischen Text beruhen auf Abschreibfehlern: Diese Rolle wurde nicht sehr sorgfältig abgeschrieben.19
Die Schriftrolle 1QIsb wies starke Beschädigungen auf; sie war stark zusammengeklebt. Ihr Text ist außerordentlich lückenhaft20, auch war die Entzifferung größtenteils nur mit Hilfe der Infrarot-Fotografie möglich gewesen.
Erhalten sind wesentliche Abschnitte aus den Kapiteln 41 bis 66. Der Text dieser auf ca. 50 v. u. Z. datierten Schriftrolle weist noch weniger Abweichungen gegenüber dem masoretischen Text auf als der ihrer „Partnerrolle“ 1QIsa. Es handelt sich hier um eine verhältnismäßig enge Schrift, deren Schriftblock jedoch klar und übersichtlich ist; die Buchstaben sind sehr regelmäßig geschrieben. Jede Kolumne enthielt etwa 48 bis 50 Zeilen; der Schriftblock hatte eine Höhe von ca. 28 cm, die Breite schwankt zwischen 9,5 und 12 cm.
Obwohl dieses Manuskript dem masoretischen Text näher steht als 1QIsa, ist die Paraschen-Einteilung teilweise abweichend, und die Rolle enthält viele interessante abweichende Lesarten21.
Deweiteren fanden sich in Höhle 4 insgesamt zwölf verschiedene Jesaja-Handschriften22; z. B. mit 4QJesa ein nach Cross im zweiten Jahrhundert v. u. Z. angefertigtes Manuskript.
In Höhle 4 wiederum mehrere Handschriften. 4QJera, von Cross auf das zweite Jahrhundert v. u. Z. datiert, ist fleckig und abgenutzt, vor Alter rot und durchsichtig. 4QJerb unterstützt den kürzeren Jeremia-Text der LXX; so lässt sie z. B. die Passage 10,6-8.10 aus, und stellt 10,5 hinter 10,9.
Fragmente einer in Höhle 2 gefundenen Handschrift enthalten die Textpassagen 42,7-11.14; 43,9-11; 44,1-3.12-14; 46,27 - 47,7; 48,7.25-39.43-45 und 49,10. Der Text folgt hauptsächlich der masoretischen Rezension, enthält jedoch zum Teil Sinnvarianten sowie orthografische und grammatische Besonderheiten. Datiert wird der Zeitpunkt der Schreibung der ursprünglichen Schriftrolle auf das erste Jahrhundert u. Z.
Von diesem Buch fanden sich in Höhle 4 lediglich zwei fragmentarische Exemplare. In Höhle 1 hingegen 40 zum Teil sehr winzige Fragmente, welche die Textstellen 6,20-22; 8,1; 9,1-4.4-6.28-31.40-43.48f enthalten. Abweichungen gegenüber dem masoretischen Text finden sich hier in 9,30, wo der Text – wie auch LXX und zahlreiche arabische Übersetzungen – das Wort „sehr“ hinzufügt23. In 9,40 findet sich gar eine eigene Lesart24. Auch weitere Abweichungen lassen sich feststellen.
Auch von sämtlichen anderen Propheten fanden sich zumindest Fragmente, quer über alle Höhlen verteilt. In der von mir zu Rate gezogenen Literatur werden sie jedoch nur kurz erwähnt, teilweise mit einigen Eckdaten. Wer sich diesbezüglich für Details interessiert, ist sicher mit aktueller Literatur besser bedient.
In Höhle 4 ließen sich neun verschiedene Manuskripte identifizieren. Eines enthielt Teile der Kapitel 5, 6, 33, 35-36, 38, 53, 54, 66, 67, 69 und 71. Ein weiteres, welches Teile der Psalmen 91-119 enthält, weist stichometrische25 Schreibung auf. Fragmente der Psalmen 16-98 lassen sich wiederum einer dritten Handschrift zuordnen, zwei weitere enthalten Reste des Psalms 119. Weiterhin fanden sich zahlreiche Fragmente der Psalmen 99-109. 4QPsa wurde laut Cross im zweiten Jahrhundert v. u. Z. angefertigt.
Ergiebige Funde machte man auch in Höhle 1. Die gefundenen Fragmente ließen sich zwei verschiedenen Rollen sowie einem Blatt mit einem einzigen Psalm zuordnen. Die Fragmente der ersten Rolle beinhalten die Stellen 88,5-8; 92,12-14; 94,16; 95,11 - 96,2; 119,31-34.43-48.77-79. Weiterhin fanden sich kleinere, nicht identifizierbare Fragmente. Psalm 119 weist auch hier wieder stichische Schreibung auf.
Von der zweiten Rolle fand man sechs Fragmente, die Bruchstücke aus 126,6; 127,1-5 und 128,3 enthalten. Psalm 127 verwendet das Tetragrammaton mit althebräischen Buchstaben. Die textlichen Abweichungen gegenüber der masoretischen Rezension haben fast ausschließlich orthografischen Charakter; nur in 126,6 finden wir eine Übereinstimmung mit einer griechischen Lesart.
Das einzelne Blatt enthielt den 44. Psalm. Die Schrift weicht von der in Qumran üblichen Buchschrift ab; wahrscheinlich handelt es sich hier um eine private Schreibarbeit26. Von diesem Blatt fanden sich insgesamt neun kleine Fragmente, bei denen die Verse 3-5.7.9 und 23-25 erkennbar sind.
Auch in Höhle 11 wurde man fündig: 11QPs ist in formellem Buchstil der herodianischen Zeit abgefasst. Ihr unterstes Drittel ist leider verlorengegangen; jedoch sind uns 33 Psalmen erhalten geblieben, darunter auch der 151. Psalm der Septuaginta27.
Vier separate Fragmente enthalten Teile von weiteren vier Psalmen. Insgesamt sind die Psalmen 93, 101-103, 105, 109, 118, 119, 121-130, 132-146 und 148-151 vertreten. Nicht immer sind sie in der Reihenfolge des masoretischen Textes angeordnet.
Ebenfalls enthalten sind sechs nicht-kanonische Gedichte, von denen zwei bisher in Form einer syrischen Übersetzung bekannt waren, und ein Prosa-Abschnitt, der die Zahl der davidischen Psalmen aufführt.
Fragmente zweier Psalmen-Manuskripte wurden auch in Höhle 2 gefunden; zugeordnet werden konnten dabei die Textstellen 103,6-8 und 104,6-11. Ein weiteres Fragment aus Höhle 3 enthält 2,6f.
Vom Buch Hiob konnten in Höhle 4 Fragmente zweier Manuskripte identifiziert werden. Die Fragmente des ersten Exemplars sind sehr klein; sie entstammen vorwiegend dem 36. Kapitel. Die zweite Handschrift wurde mit althebräischen Buchstaben geschrieben – was sonst, mit Ausnahme des Tetragrammatons, nur bei den fünf Büchern der Torah üblich war. Bardke stellt daher die Vermutung in den Raum, dass dieses Buch ein sehr hohes Altersansehen genoß; wobei er weiterhin zu bedenken gibt, dass sein Verfasser nach rabbinischer Lehre kein anderer als Mose war. 4QHia wird von Cross auf das zweite Jahrhundert v. u. Z. datiert.
Mit 11QTgJob taucht in Höhle 11 auch noch eine Übersetzung auf. Dieses Targum zu Hiob zählt gemeinsam mit einem Levitikus-Targum aus Höhle 4 zu den ältesten Repräsentanten aramäischer Übertragungen der hebräischen Bibeltexte.
Drei recht gut erhaltene Daniel-Manuskripte fand man allein in Höhle 4. Von 4QDana ist Kolumne II, welche die Passage 2,19-35 enthält, fast unversehrt erhalten; ebenso der Übergang vom Aramäischen ins Hebräische in Kapitel 7/8. Bis auf seltene Abweichungen, die mit LXX und Theodotion28 gehen, lässt sich eine weitgehende Übereinstimmung mit dem masoretischen Text feststellen. Mit 4QDanb ist uns der Übergang von Kapitel 7 zu Kapitel 8 erhalten.
In Höhle 6 fand man ein Manuskript auf Papyrus, dem sich fünf Fragmente in Kursivschrift zuordnen ließen. Enthalten sind hier die Textpassagen 10,8-16 und 11,33-38. Einige weitere Fragmente machen 7QDan aus, und werden auf das zweite Jahrhundert v. u. Z. datiert. In Daniel 2,4 lässt sich laut G. L. Archer jr. ein Übergangsstadium vom hebräischen zum aramäischen feststellen.
nach Schätzungen ↵
eine besondere hebräische Version der Tora bzw. des Pentateuchs der Samaritaner, entstanden im späten zweiten Jahrhundert v. u. Z. (siehe auch Wikipedia) ↵
mit materis lectiones, also zusätzlichen (Hilfs-) Vokalbuchstaben versehen ↵
lateinische Bibelübersetzung, wörtlich etwa "die Gemeine"; siehe auch Wikipedia ↵
griechisch für "Vierfachzeichen"; JHWH (hebräisch יהוה; engl. auch YHWH): der Eigenname des Gottes Israels im Tanach, der Hebräischen Bibel (siehe auch Wikipedia) ↵
11,10-11; 19,30-34; 20,20-24; 21,24 - 22,6; 23,4-8 ↵
11,22-28 resp. 8,13 ↵
in althebräischer Schrift gehalten; 1,48-50 und 38,7-8 ↵
Kap. 32 ↵
vertreten sind die Passagen 1,9-13; 8,8f; 9,10; 11,30f; 15,14f; 17,10; 21,8f; 24,10-16; 25,13-18; 28,44-48; 29,9-11.12-20; 30,19 - 31,6; 31,7-10.12f; 32,17-21.21f.22-29; 33,12-17.18f.21-23.24 ↵
1 Sam: 31 Kapitel / 33 Spalten; 2. Sam 24 Kapitel / 24 Spalten ↵
die älteste durchgehende Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel in die damalige altgriechische Alltagssprache, siehe Wikipedia. Auch als LXX abgekürzt. ↵
Vokalzeichen ↵
Einige Namen weisen nach G. L. Archer jr. auf frühere und verlässlichere Vokalisierung hin, so z. B. „turtan“ in 1QIsa gegenüber „tartan“ im masoretischen Text (akkadisch: Turtannu). ↵
keine einzige Kolumne ist vollständig ↵
nach Bardtke (A) gehörte Jesaja neben Deuteronomium zu den in Qumran beliebtesten Handschriften ↵
„[…] da entbrannte sein Zorn (sehr) […]“ ↵
„sie“ statt „ihn“ ↵
Psalm 44 erfreute sich in Qumran besonderer Beliebtheit ↵
11QPsa; nach Cross beginnt diese Handschrift mit Psalm 101 ↵
erneute Übersetzung ins Griechische, die meist der Vorlage der LXX folgt; siehe Wikipedia ↵
Neben Texten biblischen Ursprungs fanden sich auch zahlreiche apokryphe Texte1, Pseudepigraphien2, sowie Sektenschriften. Eine vollständige Fundauflistung möchte ich hier nicht geben – wohl aber die wichtigsten Funde kurz vorstellen.
Da die Identifizierung zunächst auf Grundlage einzelner Bruchstücke vor dem Öffnen der Rolle erfolgte, wurde das Genesis-Apokryphon anfangs irrtümlicherweise als „Lamech-Apokalypse“ bezeichnet. Es handelt sich hier um eine aramäische Nacherzählung von Teilen der Genesis3, die eine sehr nützliche Grundlage für die Erhellung einer sonst wenig bekannten Phase des palästinischen Aramäisch bildet – und u. a. eine liebevoll ausgemalte Darstellung der Schönheit Sara's beinhaltet.
Die Schrift lässt sich der Gattung der Targume1 und Midraschim2 zuordnen. Gewisse Ähnlichkeiten sind vorhanden mit den Büchern Henoch (nur ist die Erzählung hier etwa fünfmal so lang) und Jubiläen4. Der Text umfasst etwa 22 stark beschädigte Kolumnen, war jedoch ursprünglich länger5. Das ist zum Einen daran ersichtlich, dass der Text in 22,34 in Satzmitte abbricht; zum Anderen ist an der linken Kante von Kolumne 22 eine Naht zu erkennen. Die Rolle ist 2,83 m lang und 31 cm hoch. Die Kolumnen 1-9 sind schlecht erhalten; vollständig sind lediglich die Kolumnen 20-22. Der Inhalt aller Kolumnen ist, mit Ausnahme von Kolumne 8 und 9, erkennbar.
Verwendet wurde eine klare und gefällige Schrift, die Paläografische Ähnlichkeit mit 1QM aufweist. Die Datierung erfolgte aufgrund des Sprachcharakters, und wies dem Buch als Entstehungszeit – wie auch der paläografische Befund – den Zeitraum zwischen dem ersten Jahrhundert v. u. Z. und der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts u. Z. zu6.
Diese apokryphe Schrift war zuvor lediglich in lateinischen und äthiopischen Varianten bekannt. In Höhle 1 fanden sich mehrere kleinere Fragmente, die in Hebräisch abgefasst waren, und die Verse 27,19ff sowie 35,8-10 enthielten. Weitere fünf Handschriften sind bei den Funden aus Höhle 4 aufgeführt, davon vier auf Leder und eine auf Papyrus geschrieben – nach Milik in gutem Hebräisch. Sie umfassen die Kapitel 1f, 21ff und 32-40. Fragmente zweier Handschriften der Jubiläen, ebenfalls in hebräischer Sprache abgefasst, fanden sich auch in Höhle 2.
Allein in Höhle 4 wurde eine ganze Reihe von Fragmenten gefunden, die apokryphen bzw. pseudepigraphen Werken in hebräischer und aramäischer Sprache zugeordnet werden konnten. Unter anderem drei Handschriften des Buches Tobit; davon eine in hebräischer und zwei in aramäischer Sprache abgefasst, teils auf Leder, teils auf Papyrus geschrieben. Desweiteren Psalmen Josuas, pseudojeremianische Schriften, Testamente Levis und Naphtalis7, Henoch8, sowie apokryphe Daniel-Literatur.
In Höhle 2 gab es Fragmente zu Sirach 6,20-31. Ebenfalls fündig wurde man in Höhle 11, mit Handschriften der Bücher Tobit, Henoch, Testamentum Levi, Beschreibung des neuen Jerusalem9.
hebr. תרגום „Übersetzung, Erklärung“; eine antike Übersetzung von hebräischen oder altgriechischen Bibel-Handschriften in das Aramäische. Siehe auch Wikipedia ↵ ↵
hebr. מדרש „Lernen, Forschen, Auslegung der Schrift“; die Auslegung religiöser Texte im rabbinischen Judentum. Siehe auch Wikipedia ↵ ↵
etwa Kap. 5-15, was also ungefähr dem Leben des Henoch, Noah, und Abraham entspricht ↵
vermutlich diente das Genesis-Apokryphon diesem als Vorlage ↵
Über den genauen ursprünglichen Umfang ist jedoch ebensowenig bekannt wie über Abfassungsort und Verfasser. ↵
Quellen der späteren Testamente der zwölf Patriarchen ↵
8 Handschriften in aramäischer Sprache, die bislang unbekannte Teile enthalten ↵
allein hiervon fünf Handschriften ↵
Ein Pescher (hebr. פשר, Pl. Pescharim) ist eine literarische Gattung der Bibelauslegung, wie sie sich in den Schriftrollen vom Toten Meer findet. Dabei wird ein zumeist prophetischer Text auf die eigene Gegenwart der Verfasser gedeutet, dies jedoch wiederum in Chiffren. Inwieweit sich aus diesen oft dunklen Anspielungen historische Daten der Qumran-Gemeinschaft und ihrer Umwelt erheben lassen, ist umstritten.1
Da Pescharim den ausgelegten Bibeltext stets zitieren, sind sie natürlich auch für die Bibelforschung an sich relevant – selbst wenn es nicht um zeitbezogene Auslegungen geht. In den Höhlen von Qumran fanden sich zahlreiche Fragmente derartiger Dokumente – darunter in Höhle 4 zu Jesaja, Nahum, und den Psalmen, und in Höhle 1 Micha, Zephanja, Psalm 57 und 88, Fragmente des Testamentum Levi, sowie Teile aus Henoch. Für eine vollständige Auflistung möchte ich auch hier wieder auf aktuellere Literatur verweisen – aber dennoch einige Beispiele kurz vorstellen.
Zum Propheten Jesaja sind in Höhle 4 drei Kommentare belegt. Erhalten geblieben sind davon ein zusammenhängenes Text- und ein Auslegungsstück zu Jesaja 5,11-14 aus dem ersten Kommentar, und weiterhin Stücke zu den Textstellen 5, 25.29f; 21,11-15; 32,5-7; 46,10-13; 47,1-6.8-10 und 61,1-3.
Der zweite Kommentar ist auf Papyrus geschrieben. Er enthält 30,15-21 und Fragmente zu 8,7; 9,14f; 10,20-22; 14,26-28; 28,16f und 31,1. Vom dritten Kommentar ist 10,22 - 11,4 erhalten geblieben.
Ein weiteres, aus mehreren Fragmenten bestehendes Manuskript fand sich auch in Höhle 3. Der Schrift nach scheint dieser Text zu den jüngeren Handschriften zu gehören. Er muss ursprünglich wohl sehr umfangreich gewesen sein.

141 cm lang und 13 cm breit ist die Schriftrolle von 1QpHab2 – und umfasst dabei dreizehn Kolumnen wechselnder Breite mit durchschnittlich je 18 Zeilen; wobei die letzte Kolumne lediglich vier Zeilen enthält. Neben diesen weitaus kleineren Maßen ist sie auch jünger als 1QIsa: Sie wird auf etwa 100 bis 50 v. u. Z. datiert.
Der untere Rand ist stark beschädigt, wodurch die untersten Zeilen generell wegfallen. Da auch der Anfang der Rolle stark verstümmelt ist, ist die erste Kolumne nur fragmentarisch erhalten.
Der ursprüngliche Name dieser Schrift ist nicht überliefert. Nach ihrem Inhalt jedoch wird sie als Habakuk-Kommentar – oder richtiger als Habakuk-Pescher bezeichnet. Sie enthält die Kapitel 1 und 2 mit kommentierenden Anmerkungen bzw. der Auslegung des Prophetentextes zwischen den Versen. Nach Lohse3 geht aus dieser Schrift eindeutig hervor, dass die Qumran-Gemeinschaft ihre Wurzeln in den Kreisen der Jerusalemer Priesterschaft hat, jedoch „wegen ihres strengen Gesetzesverständnisses in Auseinandersetzungen mit dem amtierenden Hohepriester geriet und sich an einen anderen Ort zurückziehen mußte.“4
Den Verfasser der Handschrift vermutet Rost in Qumran selbst, die Abfassungszeit gibt er mit dem zweiten bis ersten Jahrhundert v. u. Z. an. Die Schrift gibt Einblick in die Qumran-spezifische Art der Auslegung sowie in die Zeitgeschichte. Ähnliche Pescharim finden sich zu Jesaja, Hosea, Micha, Nahum, Zephanja, sowie zu Psalm 37.5
Der Text steht in enger Verwandschaft zum masoretischen Text, weist jedoch zahlreiche, wenn auch unbedeutende Varianten auf, die meist auf Abschreibfehlern beruhen. Der Inhalt stellt einen Versuch dar, jeden Vers des Propheten Habakuk nach seiner Erfüllung in der jüngsten hasmonäischen Geschichte bzw. anhand aktueller Ereignisse zu deuten. Starke Verweise auf die „Qumran-Sekte“ sind von daher in ihr ständig anzutreffen; so sind z. B. die Anspielungen auf die „Bruderschaft“ recht häufig. Nach Wegener ist daher diese Schrift für die Erforschung der „Qumran-Sekte“ zwar interessant, für die Geschichte der Bibel jedoch von geringerer Bedeutung.
Der gesamte Text ist in Sinnabschnitte aufgeteilt, die je mit einer Deutung auf die Ereignisse der Geschichte der Qumran-Gemeinschaft versehen sind; das Prophetenwort wurde in Form einer Auslegung aktualisiert. Als Besonderheit wäre anzuführen, dass das Tetragramm in althebräischen Schriftzeichen verwendet wird.6
Auch wenn sich diese Handschrift nicht eindeutig datieren lässt, wurde sie doch mit Sicherheit zur Zeit der Römerherrschaft abgefasst. Darauf weist die Erwähnung der „Kittim“7 – eines Volkes dass laut 2,14 „viele Länder […] in Besitz genommen“ hat. Dass die Kittim nicht mit den Seleukiden gleichzusetzen sind, lässt sich aus einem Fragment des Nahum-Pescher aus Höhle 4 herleiten, wo es heißt: „[…] von Antiochus bis zum Aufstieg der Herrscher der Kittim […]“
Der im Habakuk-Kommentar desöfteren erwähnte Frevelpriester war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Vorgänger von Aristobul I,8 der als erster den Titel „König“ annahm.9 In 8,8f wird davon gesprochen, dass er zunächst sein Amt ordnungsgemäß führte; nachdem er jedoch die Herrschaft übernahm, „erhob sich sein Herz, und er verließ G'tt und handelte t[re]ulos gegen die Gebote“, er wurde ungerecht. Hinter dieser Person lässt sich Jonathan vermuten.10 Eine Bestätigung dafür findet sich auch in der Erwähnung des „Haus Absalom“ in 1QpHab 11,9-12. Das „Haus Absalom“ passt sehr gut in die makkabäische Zeit. Wie 1 Makk 11,69f; 13,11; 14,5 u. a. entnommen werden kann, spielte es eine nicht unbedeutende Rolle.
aus: Wikipedia: Pescher ↵
4QpJesa-d, 1QpHosa+b, 1Q14 (Micha), 1QpPs37 ↵
siehe dazu auch Hiob und Tempelrolle: Diese Schreibweise war kanonischen Schriften vorbehalten ↵
2,12-14 u. a. ↵
104-103 v. u. Z. ↵
vgl. 8,8ff. Die makkabäischen Könige hatten gleichzeitig das Amt des Hohenpriesters inne, ursprünglich sogar nur dieses. ↵
160-142 v. u. Z.; siehe auch Ursprung nach Milik, Phase 1; Selbstverständnis: Lehrer der Gerechtigkeit (letzter Absatz) ↵

Die in Höhle 3 gefundene Kupferrolle war sicher einer der außergewöhnlicheren Funde, brachte aber auch neue Schwierigkeiten: Wie sollte man die Metallstreifen entrollen, wenn das oxydierte Kupfer bereits bei Berührung zu Staub zerfiel? Doch auch dieses Problem wurde gelöst, und man konnte sich an die Entzifferung machen.
3Q15 enthielt eine Auflistung von „Schätzen“ – mit Angabe der Orte, an denen sie zu finden waren. Die Ortsangaben reichen von der näheren Umgebung Jerusalems1 über Hebron bis zum Garizim bei Nablus. Allerdings sind diese Orte heute schwer auffindbar, da die Orientierungshilfen fehlen: Angegebene Gebäude sind zu Staub zerfallen, referenzierte Bäume existieren schon längst nicht mehr …
Man fand insgesamt zwei dieser Kupferrollen, die aus drei Blechen mit den Maßen ca. 800x300x1 bestehen. Das Material ist fast reines Kupfer2. Die größere der beiden Rollen besteht aus zwei Blechen mit zusammen acht Kolumnen à 13 bis 17 Zeilen, die kleinere enthält vier Kolumnen. Die Buchstabenhöhe beträgt etwa 1 cm. Insgesamt ergibt das etwa 3.000 Buchstaben in Quadratschrift; es wurde das Hebräisch der Mischna verwendet. Datiert wird sie auf die zweite Hälfte des ersten Jahrhunderts u. Z. (50..100)3 – was in das Endstadium der Siedlung fällt4.
Fraglich ist allerdings die Deutung dieser Rollen. Nach Bardtke5 handelt es sich hierbei um das Vermögen der „Qumran-Sekte“, das durch den Zuzug vermögender Mitglieder und Einnahmen von Außen erworben wurde. Sollte dem so sein, so wurde über die Verstecke genauestens Buch geführt; es findet sich sogar die Angabe, wo eine Zweitschrift der Liste zu finden sei6.
Milik hielt das Dokument zunächst nicht für eine reale Beschreibung, sondern für Folklore – änderte seine Meinung jedoch später. Die Rolle hat ihren Ursprung wahrscheinlich nicht in Qumran selbst. Gefunden wurde sie ganz am Ende der Höhle, getrennt von den anderen Funden – was auch eine spätere, separate Einlagerung wahrscheinlich machen könnte.
Jeder Eintrag besteht i. d. R. aus drei bis vier Zeilen: 1) eine generelle und 2) eine genauere Ortsangabe, ggf. mit 3) einer Entfernungs-Angabe der Grabungsstelle, und 4) was dort zu finden ist. Als Beispiel die ersten vier Zeilen:
Rechnet man alles zusammen, kommen einige Tonnen zusammen – die nach einer Schätzung im Jahre 1960 einen Wert von über einer Million US-Dollars entsprochen hätten. Bezüglich der Herkunft der Schätze gibt es verschiedene Theorien:
Weitere Details finden sich u. a. auf der Website des Copper Scroll Projects.
hier finden sich die meisten Angaben ↵
mit ca. 1% Zinn vermischt ↵
Andere Datierungen geben Zeiträume zwischen 25 und 75 u. Z. (Cross) bzw. 70-135 u. Z. (Albright) an. ↵
Die Zerstörung Qumrans durch die römische Legion X „Fretensis“ erfolgte im Jahre 68. ↵
Das Duplikat wurde allerdings bis heute nicht gefunden. ↵
Cubit ist ein Längenmaß, das ungefähr einer Elle entspricht – also ungefähr ein halber Meter ↵
Die Tempelrolle ist das längste in Qumran gefundene Manuskript. Es beschreibt einen jüdischen Tempel, der nie gebaut wurde – einschließlich sehr detaillierter Vorschriften bzgl. Opfervorschriften und Tempeldienst. Geschrieben in Form einer Offenbarung G'ttes gegenüber Moses erweckt es den Anschein, dass diese Anweisungen in Vergessenheit geraten waren, als Salomo den Tempel schließlich erbauen ließ. Der Schreiber will also u. a. zum Ausdruck bringen, wie der Bau stattdessen hätte erfolgen sollen.

Die Schriftrolle besteht aus dem feinsten bisher in Qumran gefundenen Leder. Das Material ist sehr dünn, die Stärke beträgt etwa einen Zehntelmillimeter. Aus 19 Lederstücken ist diese, mit einer Gesamtlänge von etwa acht Metern längste in Qumran gefundene Rolle1 zusammengesetzt; auf jedem „Blatt“ befinden sich drei oder vier Kolumnen. Ihre ursprüngliche Länge betrug wahrscheinlich sogar 8,75 m. Gegen Ende der Rolle2 erhöht sich die Zeilenzahl je Kolumne von 22 auf 28; wahrscheinlich wurde hier wohl das „Papier“ knapp.
Die Gesamtzahl der Kolumnen beläuft sich auf 66. Von fast allen Blättern ist der untere Rand erhalten, der obere jedoch nie; die oberen Zeilen der Kolumnen fehlen also vollständig. Zum Teil ließen sich diese fehlenden Zeilen jedoch durch Fragmente anderer Abschriften ergänzen, so z. B. bei den Kolumnen 21, 29 und 41. Die ursprüngliche Höhe betrug etwa 24-26 cm.
Es lässt sich anhand der Schrift erkennen, dass hier zwei verschiedene Schreiber tätig waren. In beiden Fällen handelt es sich jedoch um herodianische Schrift. Durch dieses Indiz und andere Abschriften wird die Abfassung des Textes auf etwa 100 v. u. Z. angesetzt. Aufgrund sprachlicher Besonderheiten3 ist die früheste Datierung nur mit dem dritten bzw. zweiten Jahrhundert v. u. Z. möglich. Allerdings ist aufgrund des Schrifttyps eine Datierung nach dem Anfang des ersten Jahrhunderts v. u. Z. auszuschließen.
Die Tempelrolle zählt zu den Sektenschriften. Sie enthält relativ viele biblische Zitate, erweitert diese jedoch4, ohne dies zu erwähnen bzw. zu kennzeichnen.5 Offensichtlich sollte diese Schrift dem Zweck dienen nachzuweisen, dass nur in den Regeln der Essener das Gesetz befolgt wird, wie G'tt es dem Mose geoffenbart hat.
Mit faszinierender Genauigkeit werden Hauptthemen behandelt, die zu den Statuten des Königs gehören: Die Organisation der Armee, Stadien der Mobilmachung im Falle eines Angriffs durch Feinde, Verteilen der Beute, die Pflichten des Königs gegenüber seinen Untertanen, Gerichtswesen. Desweiteren: Verbot von Polygamie und Scheidung, sowie Gesetze über Reinheit und Unreinheit unter Hervorhebung des Sexualverhaltens.
Einzigartig sind der Tempelplan und das Tempelritual, sowie der Kalender der Sekte und seine Auswirkungen auf die Feste der Israeliten. Es werden hier bereits aus der Bibel bekannte Feste erwähnt, darüber hinaus jedoch auch bisher nicht bekannte.
Die jedoch auffallendste Besonderheit der Tempelrolle ist folgende: Der Text behandelt G'tt generell in der ersten Person – selbst an Stellen, an denen die Bibel die dritte Persoin verwendet6. Dies findet sich nicht nur bei tatsächlichen Bibelzitaten, sondern auch bei dem zugefügten Text; bei beiden wird es jedoch nicht durchgehend verwendet, es werden auch Bibelzitate im „Originalton“ gemacht. Es scheint also eindeutig die Absicht des Verfassers zu sein, jeglichen Zweifel darüber zu zerstreuen, dass nicht nur die bekannten Vorschriften aus der Torah – sondern auch der zusätzliche Text der Rolle von G'tt selbst verkündet wird. Der Angeredete is somit wohl, wie auch in der Torah, Mose7.
Dass diese Schrift in Qumran kanonisches Ansehen genoss, belegt Yadin wie folgt: Wurde in einer als nicht-kanonisch betrachteten Schrift G'tt erwähnt, wählte man die Bezeichnung „El“. Zitierte man hingegen aus einer kanonischen Schriftstelle, verwendete man das Tetragrammaton in paläo-hebräischer Schrift.8 Nur in kanonisch anerkannten Büchern9 wurde das Tetragrammaton in der Quadratschrift geschrieben.10 Die Tempelrolle – sofern sie den Namen G'ttes erwähnt – wählt dafür das Tetragrammaton in Quadratschrift.
Die in der Torah verstreut angeordneten Gesetze werden zu Sach- bzw. Themengruppen geordnet. „So ergeben sich zu allen Themenbereichen klare Abfolgen“11. Wurden Gesetze wiederholt und mit neuen Gesichtspunkten bzw. aus anderer Sicht und zum Teil widersprechend erwähnt, so verschmolz sie der Verfasser zu einem, das seiner Grundlinie des Denkens entsprach.
Der Autor der Tempelrolle war nach Yadin der Lehrer der Gerechtigkeit.
Veränderte Fest-Daten und überhaupt eine andere Kalenderrechnung lösen die „Qumran-Sekte“ von der übrigen Gesellschaft, und bringen eine Oppositions-Stellung zum Ausdruck12. Wo der jüdische Kalender, wie auch heute noch, 354 Tage und ca. alle drei Jahre einen Schaltmonat hat, weist der essenische Kalender 364 Tage eines Sonnenjahres auf13, die sich auf Monate zu 30 Tagen und 31 Tagen (am Quartalsende) verteilen. Jeweils zu Beginn des ersten und siebten Monats fand eine Neujahrszeremonie statt. Wie allerdings die an den 365¼ Tagen des Jahres fehlenden 1¼ Tage ergänzt wurden, ist bisher nicht bekannt. Möglich wäre der Einbau eines Schaltmonats alle 24 Jahre. Der Vorteil dieses Kalenders liegt darin, dass ein bestimmtes Datum jedes Jahr auf den gleichen Wochentag fiel14.
Der Beginn dieser Kalenderrechnung lag möglicherweise auf einem Mittwoch15. Durch festsetzen des ersten Tages des Jahres bekommen alle anderen Tage automatisch ihren Wochentag zugewiesen. Da die Feste durch diese vom ursprünglichen Kalender abweichende Zählung auf andere Daten fielen, kam es mit Sicherheit zu Steitigkeiten mit der Führung in Jerusalem.
Folgende Feste finden Erwähnung: Pessach, Schawuoth, Fest der Erstlingsfrüchte des Weins16, Öl-Erstlingsfest17, und ein abschließendes „Höchstes Fest“: Das „Fest des Holzopfers“. Bei diesem opferten sechs Tage lang je zwei Stämme, beginnend mit Levi und Juda am ersten und endend mit Dan und Naphtali am sechsten Tag18. Seine biblische Begründung wird mit Neh. 10,34 angegeben19. Holzopfer werden auch in den Jubiläen20 und bei Maimonides21 erwähnt.
In der Bibel finden sich zwar Anweisungen und Konstruktionshinweise für die Stiftshütte – jedoch nirgends für den Tempel. Das letztere jedoch vorhanden war, belegt 1. Chr 28,11-19, wo David ein ihm von G'tt gegebenes schriftliches Vorbild an Salomo weitergibt. Die Erwähnung einer Tempelrolle finden wir auch im Midrash Samuel, wo es heißt, dass G'tt sie Mose, Mose Josua, Josua den Ältesten, die Ältesten den Propheten, diese wiederum David und David Salomo übergab(en).
Die Tempelrolle glich den „Mangel“ bzw. die Lücke in der Schrift aus, die sich auf die Anweisung zum Tempelbau bezog. Der Verfasser nahm wohl 1. Chr 28,11-19 zum Anlass, diese zu schreiben. Der „Bauplan“ des Tempels wird in großer Ausführlichkeit und mit allen Einzelheiten aufgezeigt. Dieser Teil der Rolle – der sich mit dem Tempelbau befasst – nimmt räumlich gesehen den größten Teil, d. h. die meisten Kolumnen der Rolle in Anspruch22.
Nun ist es jedoch nicht der Tempel selbst, der so großen Raum in der Rolle beansprucht, sondern vielmehr sind es die Vorhofbauten. Dem Verfasser kam es auf die Opfervorschriften usw. an – also auf Dinge, die sich in den Vorhöfen abspielten.
Die Reinheitsgesetze sind hier noch härter und schroffer als die des orthodoxen Judentums. Reinheitsgesetze, die sonst nur für die Priester und Leviten23 gedacht waren, wurden hier auf alle Bewohner der Tempelstadt ausgeweitet. Wer sonst keinen Zugang zum Tempel bzw. dessen inneren Vorhof hatte24, durfte nun nicht einmal mehr die Stadt betreten. Die Verheißung aus Jesaja 52,125 wird zum Gesetz gemacht, indem diesen der Zutritt versperrt wird, damit Jerusalem heilig wird (ist). Sogar die „vom Schicksal geschlagenen“ (z. B. die Blinden) werden verbannt.
Es werden genaueste Reinigungsprozeduren vorgeschrieben. Sogar Beischlaf, und ebenso die Pollution sowie Menstruation, macht nach Verständnis des Verfassers unrein. Bei letzteren beiden wird der Zutritt zum Tempel und der Aufenthalt in der Stadt untersagt; hierfür waren drei Orte außerhalb der Stadt („Vororte“) bestimmt, in denen man sich aufzuhalten hatte, bis man wieder rein war – und somit die Stadt wieder betreten durfte.
Der Beischlaf war in der Tempelstadt nach CD generell verboten; Frauen durften während und kurz nach der Menstruation sowie unmittelbar nach der Niederkunft die Stadt nicht betreten; zum Wohnen war sie ihnen generell verboten. Nach Yadin liegt hier wahrscheinlich der Ursprung des Zölibats der Essener.
Eine Erweiterung der Reinigungszeit auf drei Tage gegenüber einem in der Torah vorgeschriebenen fand wohl aufgrund von Ex 19,10-15 statt. Ebenso ließe sich eine Begründung für die Übertragung der priesterlichen Reinheitsvorschriften auf die Allgemeinheit und der des Tempels auf die gesamte Stadt in Lev 21,17-2326 finden, da die gesamte Stadt als Heiligtum betrachtet wurde.
Toiletten durften sich weder auf dem Tempelgelände noch in der Stadt befinden; sie mussten sogar mindestens 3.000 Ellen (also ca. 1,5 km) außerhalb der Stadt liegen, ."sodass man von diesen nichts sieht im Umkreis von 3.000 Ellen um die Stadt herum.“27 Das wiederum macht es den Essenern unmöglich, sich am Shabbat zu „erleichtern“ – da sie am Shabbat maximal 2.000 Ellen (eine Shabbatmeile) weit gehen durften. In der Tat weist Josephus in seinem Jüdischen Krieg, Band 2, darauf hin: „[…] sie wagen an diesem Tag nicht einmal auszutreten […]“28
Scharf wendet sich die Tempelrolle auch gegen die übliche Unsitte, Tote in den Städten zu begraben; in Kolumne 48,11-14 wird vorgeschrieben, Begräbnisplätze außerhalb derselben anzulegen.29 Die Unreinheit bei Berührung eines Toten wird auch hier wieder schärfer „geahndet“ als im orthodoxen Judentum und in der Torah.
Es folgen genauestens ausgearbeitete Opfervorschriften, die auch das Schlachten von Tieren zu profanem Gebrauch einschließen. Profane Schlachtungen waren in der Tempelstadt und im Umkreis von „drei Tages Weg“ verboten, insofern die entsprechenden Tiere opfertauglich waren;30 profan geschlachtetes durfte in der heiligen Stadt nicht verzehrt werden.31
Die Königs-Statuten legen die Rechte und Pflichten des Königs fest. So obliegt es ihm z. B., bei seinem Amtsantritt einen Stadtzensus, bei dem sich alle wehrfähigen Männer zwischen 20 und 60 eintragen lassen müssen, sowie die Führer der Tausend-, Hundert- und Zehnerschaften zu ernennen.
Die Leibgarde des Königs, so geht weiter aus diesem Kapitel hervor, besteht aus insgesamt 12.000 Mann – je 1.000 aus jedem Stamm. Sie alle sollen „Männer der Wahrheit“ sowie mächtige Kriegsleute sein, gottesfürchtig, und unrechten Gewinn verabscheuen.32 Die Zahlen dürften wohl aus Num 31,3-5 entnommen worden sein33, die Voraussetzungen aus Ex 18,21-25.34
Desweiteren wird die Schaffung eines Königlichen Rates vorgeschrieben; dieser schränkt die Macht des Königs ein. Er hat zwar eine beratende Funktion;35 jedoch soll der König „nichts unternehmen, es sei denn mit ihrem Rat.“36 In diesem Zusammenhang zitiert der Verfasser der Tempelrolle Dt 17,20, wo es heißt: „Er soll sein Herz nicht erheben über seine Brüder“ – „seine Brüder“ wird durch „sie“ ersetzt und auf den Rat bezogen, „er“ auf den König. Über die Kriegsbefugnis teilt Kolumne 58 mit, dass im Falle der Gefahr einer Invasion der König das Recht hat, zu mobilisieren; will er hingegen einen „Krieg seiner Wahl“ führen, so muss er die Zustimmung des Hohenpriesters einholen.
Die königliche Gemahlin darf nicht andersgläubig sein, und muss aus dem Stamm seines Vaters kommen.37 Bigamie und Scheidung sind verboten.
Am Schluss der Königsstatuten wird dem König „Fluch oder Segen“ vorgelegt – je nach seiner Haltung zur Torah.
Hier geht es in erster Linie um todeswürdige Verbrechen und die Art ihrer Bestrafung. Zum Vaterlandsverrat heißt es in Übereinstimmung mit Dt 21,18-21: „[…] er soll am Holze hängen und soll sterben.“ Allerdings gibt es einen kleinen Widerspruch: Nach Dt. soll der Verbrecher erst sterben, und dann ans Holz gehängt werden – die Tempelrolle hingegen spricht von einem Sterben als Folge des Hängens.38
Bei der Frage nach dem Ursprung der Tempelrolle muss man ihre starke Ähnlichkeit mit der Damaskusschrift (CD) in Wortwahl und Formulierung berücksichtigen – namentlich die Verbote der Bigamie, der Scheidung, und des Beischlafs in der Tempelstadt. Der Begriff „Tempelstadt“ kommt außerdem nur in der Tempelrolle und der Damaskusschrift vor, welche übrigens auch den „Qumran-Essenern“ zugeschrieben wird.39 Auch die Schärfe der Reinheitsgesetze und Reinheitsvorschriften40 sowie die Ähnlichkeit der Gedankenwelt wäre hier anzuführen. Desweiteren stimmen die Kalenderdaten der Tempelrolle mit den für Qumran typischen überein.41 Mit den in Qumran gefundenen Kommentaren zu Nahum42 verbindet überdies die Einflechtung aktueller Situationen.
Dies alles lässt darauf schließen, dass es sich hier um ein Produkt der „Qumran-Essener“ handelt. Offen bleibt allerdings die Frage nach dem Verfasser und dem Abfassungsort: Haben wir es hier mit dem „Lehrer der Gerechtigkeit“ zu tun? Wurde die Schrift direkt in Qumran abgefasst?
ab Kolumne 49 ↵
Vokablen, die erst zu einem bestimmten Zeitpunkt aufkamen ↵
stellenweise sogar enorm ↵
[…] fügt ein beträchtliches Maß an zusätzlichem Text hinzu, als handele es sich um vom HERRN […] geäußerte Worte, ohne daß darauf hingewiesen wird. (P 76) ↵
Ich-Form; „und Er sagte“ wird zu „und Ich sagte“ ↵
vgl. XXXXIV,5: „Und den rechten und linken Teil des Tores Levi sollst Du den Söhnen des Aaron, deines Bruders, zuweisen." (nach der Übersetzung Yadins, P 79) ↵
Diese Schreibung sollte den Leser daran erinnern, den Namen nicht auszusprechen. ↵
Abschriften von Büchern des biblischen Kanons ↵
Abweichungen von dieser Regel treten nur in einigen Handschriften der Psalmen auf, die allerdings außer den kanonischen Psalmen (die zudem nicht in der masoretischen Reihenfolge angeordnet sind) auch weitere, nicht kanonische Psalmen enthalten. ↵
Prof. Shmaryahu Talmon spricht hier von einem „Akt zivilen Ungehorsams“ ↵
siehe auch Buch der Jubiläen 6,32; ebenso verweist die Damaskusschrift (CD) zur Kalenderrechnung auf die Jubiläen ↵
da 364 durch sieben teilbar ist ↵
Gn 1,14-19 ↵
nicht biblisch erwähnt ↵
Öl, das nicht bei diesem Erstlingsfest „geweiht“ war, wurde von den „Qumran-Essenern“ als unrein und abstoßend empfunden; vgl. Josephus, Bellum Judaicum II,123: „Für Schmutz halten sie das Öl, und wenn jemand wider seinen Willen gesalbt worden ist, dann wischt er seinen Körper ab. Denn sie halten es für wohlanständig, eine rauhe Haut zu haben und allezeit weiße Kleidung zu tragen.“ ↵
Der Termin dieser Opfer-Festlichkeiten lag zwischen dem 23. und 31. Elul, da am 22. Elul das Ölfest und am 1. Tischri das Versöhnungsfest stattfand, und das „Fest des Holzopfers“ zwischen diesen liegen soll. Nach Yadin hat das Fest seinen Termin vom 23.-29. Elul gehabt (da der Shabbat am 28. Elul nicht „mitgefeiert“ wurde; die Essener waren dagegen, „am Sabbat Festopfer zu veranstalten“ (P 118) Die „seltsame Reihenfolge“ bei den Opfern lässt sich recht einfach erklären: Bei Jakobs Hauptfrauen Lea und Rahel beginnend, und bei deren Mägden Silpa und Bilha endend, werden die (deren) Söhne aufgezählt. ↵
auch eine Parallele zur Einweihungsgabe für den Altar (Num 7,10-88) wäre denkbar ↵
21,13-14 ↵
Gesetze über die Gefäße für den Tempel 6,9 ↵
weshalb Yadin auch die Bezeichnung „Tempelrolle“ wählte ↵
also diejenigen, die im Tempel dienten ↵
„Unbeschnittene und Unreine“ ↵
„Wach auf, wach auf! Kleide dich, Zion, in deine Kraft! Kleide dich in deine Prachtgewänder, Jerusalem, du heilige Stadt! Denn nicht länger soll dich ein Unbeschnittener und ein Unreiner betreten …“ ↵
Lev 21,23: „[…] dass er nicht seine Heiligtümer entweiht […]“; Heiligtümer kann auch als „heiligen Dinge“ übersetzt werden ↵
siehe Tempelrolle 46,13-16; Toiletten werden hier mit „Platz der Hand“ bezeichnet; dagegen ist nach dem Babylonischen Talmud (Shabbat 25b) derjenige ein reicher Mann, „der eine »Bequemlichkeit« neben seinem Tische hat“. ↵
Bellum Judaicum II, 147-149 ↵
Der in Qumran befindliche Friedhof entspricht diesen Anforderungen. ↵
Tempelrolle LII,13-16 ↵
Tempelrolle LII,19ff ↵
„Steht zu hoffen, dass es damals viele solcher Männer gegeben hat, die alle vier Tugenden zugleich aufweisen.“ (P 217) Leider konnte ich keine Kopie des hebräischen Textes ausfindig machen, aber mir drängt sich bei solchen Zahlen der Verdacht auf, dass es sich wieder einmal um einen Vokalisierungs-Fehler handelt – und dort statt „elef“ (tausend) „aluf“ (bewaffneter Mann, Krieger, Anführer) gemeint ist; ohne Hilfsvokale schreibt sich beides Aleph-Lamed-Fe: אלף. Eine Leibwache von 12 Mann ist doch wahrscheinlicher als eine von 12.000. ↵
„Je tausend von (jedem) Stamm, von allen Stämmen Israels, sollt ihr zum Heer(esdienst) aussenden.“ (Num 31,4 nach der rev. Elberfelder) Hier geht es jedoch um das gesamte Heer, nicht nur um eine Leibwache. ↵
Gleichzeitig könnte es sich hier aber auch um eine versteckte Kritik handeln. Nach Flavius Josephus, Jüdische Altertümer 13,249.301.311 hielten sich Hykanos I und nach ihm sein Sohn Aristobul I Söldnertruppen. ↵
In seiner Funktion scheint der Rat gewisse Parallelen zu den zwölf Stammesfürsten Israels nahezulegen; vgl. Num 1,4-19.44 u. a. ↵
Tempelrolle LVII,15 ↵
vgl. Gen 24,37f ↵
Um diesen Punkt stritten wohl die Gelehrten der damaligen Zeit. ↵
Die in der Geniza einer Kairoer Synagoge gefundene Damaskusschrift geht laut einer Überlieferung auf einen Fund im achten Jahrhundert zurück, der in der Nähe von Qumran – also im Bereich der Fundhöhlen – gemacht wurde. ↵
vgl. dazu auch die Kriegsrolle ↵
allerdings sind es hier Verbindungen zum Buch Henoch und Jubiläen ↵
und auch zu anderen biblischen Büchern ↵
1896 entdeckte Solomon Schechter diese, bis dahin unbekannte Handschrift (CD) mit einer Fülle anderer Manuskripte in der Geniza der Alt-Kairoer Esra-Synagoge. Es handelte sich hierbei um eine umfangreiche Handschrift, die aus 18 Seiten bestand,1 und ein Einzelblatt einer Handschrift größeren Formats.2 Aufgrund der besonderen Wertlegung auf die zadokidische Abstammung der Priester, wie sie in diesem Test zu finden ist, nannte Schechter sie in seiner Veröffentlichung von 1910 „Fragments of a Zadokite Work“; später wurde sie aufgrund der angeredeten Gruppe3 Damaskusschrift genannt. Fragmente von mindestens neun Manuskripten wurden in den Qumran-Höhlen 2, 4, 5 und 6 entdeckt.
Die umfangreichere der beiden Kairoer Handschriften stellt eine mit Geschichtsbruchstücken und Schriftzitaten angereicherte Mahnrede dar, die eine Art Mischna mit Schabbat-Geboten, Reinheitsgesetzen und Bestimmungen über die Gliederung der Gruppe in Lager sowie Gerichtsbarkeit enthält. Das Einzelblatt hingegen beinhaltet eine Schilderung der Gruppengeschichte sowie einen eschatologischen Ausblick. Die Qumran-Handschriften lassen sich zum Teil mit der umfangreicheren Handschrift identifizieren.
Als Abfassungszeit gibt Rost4 für die umfangreichere Handschrift die Mitte des zweiten Jahrhunderts v. u. Z., für das Einzelblatt hingegen die Zeit zwischen dem ersten Jahrhundert v. u. Z. und dem ersten Jahrhundert u. Z., jedoch vor 68 u. Z., an. Als Ort wird Palästina bzw. die nähere Umgebung vermutet; die Verfasserfrage ist umstritten. Ihre Bedeutung liegt nach Rost in der Aufzeigung nachmakkabäischer Bewegungen des Judentums.

Das älteste in Qumran gefundene Exemplar dieser Handschrift stellt wohl 4QDb dar. Dieses ist ca. 75-50 v. u. Z. niedergeschrieben worden, und in ziemlich umfangreicher Form erhalten geblieben. Im Gegensatz z. B. zu 1QS ist diese Handschrift reich an historischen Hinweisen. So werden beispielsweise die Chassidim genannt, die auch in den Makkabäerbüchern5 als vorhanden vorausgesetzt werden, als Mattathias um 167 v. u. Z. seinen Aufstand beginnt. Wenn man diesen Zeitpunkt mit 1,8 gleichsetzen kann, so gelangt man mit 1,9f mitten in die Makkabäerzeit, genauer: In die Regierungszeit Jonathans.6 Diese Schrift würde sich damit an eine in jener Zeit lebende Gruppe richten, und müsste von da aus gedeutet werden.
Auch CD kennt den „Lehrer der Gerechtigkeit“, der in einer ganzen Reihe anderer Manuskripte in Qumran erwähnt wird.7 Das CD in den Kontext von Qumran gehört, wird darüber hinaus auch aus dessen Geschichte deutlich: Die in der Geniza gefundene Damaskusschrift geht laut einer Überlieferung auf einen Fund im achten Jahrhundert zurück, der in der Nähe von Qumran – also im Bereich der Fundhöhlen – gemacht wurde.
bezeichnet mit A (CDa). Hierbei handelt es sich um eine Handschrift A1, bestehend aus vier auf beiden Seiten beschriebenen Blättern und die die Kolumnen I bis XVI enthaltenden Handschrift A2, die von verschiedenen Schreibern angefertigt wurden. Nach H stammen diese Manuskripte aus dem zehnten Jahrhundert. ↵
mit Handschrift B (CDb) bezeichnet; wie auch Handschrift A beidseitig beschrieben. Enthält die Kolumnen XIX bis XX und stammt laut H aus dem zwölften Jahrhundert. ↵
VIII,21: „Leute des neuen Bunds im Lande Damaskus“; ob es sich bei „Damaskus“ tatsächlich um den uns bekannten Ort, oder nur um einen Decknamen handelt, ist ungewiss. ↵
1 Makk 2,42 ↵
160 - 143 v. u. Z. ↵
insbesondere in den Pescharim zu Habakuk, Micha, und den Psalmen ↵
Wie schon die bereits genannte Tempelrolle und die Damaskusschrift, sind auch die folgenden Schriften, welche ich in diesem Kapitel als „Gemeinschaftstexte“ zusammengefasst habe, typisch für die Gruppierung in Qumran. 1QS, 1QSa und 1QSb gehörten ursprünglich wahrscheinlich sogar zu einer Schriftrolle. Alle drei sind auf Leder geschrieben. Fragmente von zwölf weiteren Handschriften dieser „Bücher”, die auch verschiedene Varianten enthalten, wurden in den Höhlen 4 und 5 gefunden, weitere Fragmente in Höhle 3.
Den Namen des „Gesamtwerkes“ fand man auf einem Vorsatzblatt, welches von außen an Kolumne 1 geheftet war: „Serekh ha-Jachad ve […]“, was sich etwa mit „Regel der Einung und von […]“ übersetzen lässt. Für die „Anhänge“ 1QSa und 1QSb sind keine hebräischen Titel überliefert; vermutlich waren diese im obigen Namen des „Gesamtwerkes“ mitgenannt, worauf das offene Ende hinweisen könnte.
Es handelt sich hier um Qumran-spezifisches Schriftgut, welches zur Lehre verwendet wurde. Als Verfasser vermutet Leonhard Rost1 den „Lehrer der Gerechtigkeit“, welchen er auch für den Gründer von Qumran hält. Als Abfassungszeit nimmt er etwa das Jahr 130 v. u. Z. an.
Diese Schriften gestatten es uns, eine Abspaltung innerhalb des Spätjudentums nach Lehre und Lebensordnung zu erfassen.
Diese Schrift wird unter verschiedenen Namen geführt; so beispielsweise „Ordensregel“, „Sektenregel“, „Sektenordnung“ … Bei meinen Erläuterungen beziehe ich mich auf die zusammenfassende Ausgabe der „Sektenliteratur“ von Eduard Lohse2, und verwende daher auch seine Bezeichnungen – im Falle von 1QS also den Titel „Gemeinderegel“.
Es handelt sich hier nicht um eine literarische Einheit, sondern vielmehr um eine Zusammensetzung verschiedener Teilschriften. 1QS ist eine Lederrolle; sie besteht aus elf Kolumnen, die fast unversehrt erhalten sind – nur wenige Wörter sind verlorengegangen. Die letzte Kolumne geht in der Mitte der Seite zu Ende. Im Folgenden eine kurze Gliederung dieser Schrift:3
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| I,1-15 | Überschrift und Vorspruch |
| I,16 - 3,12 | Ritual des jährlichen Verpflichtungsaktes mit der Neueinstufung der Mitglieder |
| IV,13 - 4,1 | Die infradualistische Lehre von den beiden Geistern |
| IV,2-8 | Die Wirkungen des guten Geists |
| IV,9-14 | Die Wirkungen des bösen Geists |
| IV,15-26 | Das Nebeneinander der beiden Geister bis zum Endgericht |
| V,1 - 6,23 | Grundregeln der Gemeinschaft |
| VI,24 - 8,19 | Die Rechtsordnung und Strafbemessung bei Vergehen gegen die Grundregeln |
| VIII,20 - 9,11 | Rechtsordnung bei absichtlichem Verstoß gegen das Gesetz Mose mit Versicherung ihrer Gültigkeit bis zum Auftreten eines Propheten und der Messiasse aus Aharon und Israel |
| IX,13-21 | Satzungen für den Verständigen4 |
| IX,21 - 10,8 | Verhaltensweisen bezüglich der Zeiten, Festzeiten und des Kalenders |
| X,9 - 11,22 | abschließender Psalm |
Textlich sind auch hier wieder Ähnlichkeiten zur Damaskusschrift erkennbar – sowohl in Struktur, Terminologie, und teilweise gar inhaltlicher Übereinstimmung5 – aber auch Unterschiede. Besonders auffällig: CD und 1QSa verwenden den Begriff עדה (`Edah, Gemeinde) für die Gemeinschaft, während 1QS יחד (Jachad, Gemeinschaft) benutzt. Von daher irritiert es ein wenig, dass 1QS meist als „Gemeinderegel“, 1QSa hingegen als „Gemeinschaftsregel“ bezeichnet wird – da dies die beiden Begriffe vertauscht.

Auch für diese Schrift sind verschiedene Namen üblich. So wird sie u. a. als „Anhang zur Sektenrolle“ bezeichnet. Mit E. Lohse verbleibe ich hier bei der Bezeichnung „Gemeinschaftsregel“. 1QSa besteht aus zwei Kolumnen die, wie bereits erwähnt, ursprünglich wohl zu 1QS gehörten. Auch sie bilden keine Einheit, sondern stellen eher eine Aneinanderreihung verschiedener Inhalte dar. Im Unterschied zu 1QS werden hier auch Frauen und Kinder erwähnt.
Die Gliederung ist hier:6
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| I,1-3 | Überschrift mit Angabe des Geltungsbereichs für die ganze Gemeinde Israels zur Endzeit |
| I,4-5 | Die Volksversammlung zur Verlesung der Bundessatzungen |
| I,6-19 | Erziehung der Jugend und Zugangsalter zu den Ämtern der Gemeinde |
| I,19-22 | Die Verwendung der Schwachsinnigen |
| I,22-25 | Die Leviten |
| I,25 - 2,11 | Die zur Gemeindeversammlung zugelassenen |
| II,11-22 | Die Rechtsstellung des Messias hinter den Priestern bei der Gemeindeversammlung und beim Mahl |
1QSb besteht aus fünf fragmentarisch erhaltenen Kolumnen. Obwohl ihr Text nur lückenhaft erhalten ist, ist der Inhalt noch gut erkennbar. Eine kurze Gliederung:7
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| I,1 - II,22 | Segnung der Gläubigen |
| II,22 - III,22 | Segnung des Hohenpriesters |
| III,22 - V,20 | Segnung der Priester |
| V,20-29 | Segnung des Fürsten der Gemeinde |
Aus dieser Inhaltsangabe lässt sich unschwer auf den zumeist verwendeten Titel schließen: „(Regel der) Segenssprüche“.
Das „H“ steht für „Hodajot“, Loblieder: Vier Blätter mit insgesamt 18 Kolumnen sowie 66 beschriftete Fragmente dieser Schrift wurden 1947 von Sukenik erworben. Über den ursprünglichen Umfang der Rolle gibt es keine Informationen8. Nach Rost sind „zwei Schreiberhände […] zu unterscheiden“.9 Weiterhin konnten in Höhle 4 Reste einer Papyrushandschrift sowie fünf weitere auf Leder sichergestellt werden.
Aufgrund des Inhaltes wurde der Schrift der Name „Loblieder“ bzw. „Danklieder“10 gegeben; der originale Name ist unbekannt. Ihren Inhalt stellen in lockerem Parallelismus memrorum gehaltene Lieder dar, deren Abgrenzung nur hypothetisch möglich ist; daher schwanken hier auch die Angaben über deren Anzahl von 32 bis hin zum Doppelten.
Das Manuskript Hodajot stellt die persönlichste aller Qumran-Handschriften dar. Ihre Abfassung ist frühestens in der Mitte des zweiten Jahrhunderts v. u. Z. anzusetzen. Manche vermuten daher auch den Lehrer der Gerechtigkeit als ihren Verfasser. Rost zieht hingegen aus dem nur teilweise vorhandenen Ich-Stil, in dem die Schrift abgefasst ist, den Schluss, dass sie eventuell auf mehrere Verfasser – so vielleicht Lehrer und Schüler – zurückzuführen ist.

Diese 2,90 m lange, auf der Haarseite beschriebene Lederrolle ist aus fünf Blättern zusammengesetzt. Ihre Datierung ist nach Lohse11 mit dem beginnenden ersten Jahrhundert, nach Rost zwischen dem ersten Jahrhundert v. u. Z. und dem ersten Jahrhundert u. Z. anzunehmen. Uneinig ist man sich bzgl. ihres Autors; so gehen beispielsweise Jean Carmignac und Yigael Yadin aufgrund der Einheitlichkeit des Textes von einem einzigen Schreiber aus – während es die meisten anderen Gelehrten für ein Komposit verschiedener Quellen, jedoch von einem Schreiber erstellt, halten.
Zwischen 1QM und anderer in Qumran gefundener kriegsbezogener Schriften fanden sich erstaunlich wenig Parallelen. Eine Verbindung zu 1QS ist zumindest der Dualismus von Licht und Finsternis, sowie Segenssprüchen und Flüchen.
Blatt 1-4 enthalten insgesamt 18 Kolumnen, auf Blatt 5 ist eine 19. Kolumne erkennbar. Der Anfang der Rolle ist mit einem Schutzraum von 40 cm Länge versehen. Stärkere Beschädigungen am unteren Rand bewirken einen Verlust von etwa zwei bis drei Zeilen. Vier Fragmente weiterer Handschriften wurden in Höhle 4 gefunden.
Der ursprüngliche Name ist uns nicht erhalten geblieben; aufgrund ihres Inhaltes und ihrer einleitenden Worte12 wird sie als „Kriegsrolle“ bezeichnet.13 Ihr Inhalt ist ein Kompendium der Kriegswissenschaft und kultischen Beziehungen im Hinblick auf den Endkampf, der der Heilszeit vorangehen wird. Die Schrift behandelt einen vierzigjährigen Endkrieg der „Söhne des Lichts“ gegen die „Söhne der Finsternis“ und die endgültige Niederwerfung aller Feinde bis zum Anbruch der Herrschaft G'ttes. Der Erfolg der Schlacht wird unter Beistand der Engel garantiert; namentlich aufgeführt werden: Michael, Gabriel, Sariel und Raphael. Voraussetzung ist jedoch die genaue Befolgung der Anweisungen in 1QM.
Auch hier wieder eine Gliederung:14
| Abschnitt | Inhalt |
|---|---|
| I,1-7 | Einleitung |
| I,8-17 | Das Endziel der Geschichte G'ttes mit Seinem Volk |
| II,1-14 | Die Sicherung des G'ttesdienstes während des Kriegs und Musterung der Kampftruppen samt Angabe der bekämpften Völker |
| II,15 - III,11 | Verordnung über Gebrauch und Beschriftung der Trompeten der Priester für den Kampf |
| III,12 - V,2 | Verordnung über die Feldzeichen der Gemeinde und ihre Gliederung, Beschriftung und Länge |
| V,3 - IX,9 | Schlachtordnung, Bewaffnung der einzelnen Waffengattungen und Regelung ihres Einsatzes durch priesterliche Trompetensignale |
| IX,10-18 | Änderung der Schlachtordnung und Benennung der Türme |
| X,1 - IXX,13 | Vom Hohenpriester zu sprechende Gebete, Segens- und Fluchformeln vor, während und nach der Schlacht mit genau festgelegten Anweisungen |
hier handelt es sich wohl um einen Lehrer: „eine Respektsperson, die über die Lehre wachte“ (U 125) ↵
insbesondere in Hinblick auf den nur fragmentarisch erhaltenen Schluss von CD ↵
auch Lohse (H) geht davon aus, dass sie von zwei verschiedenen Schreibern erstellt wurde ↵
hebr.: Hodajot ↵
„Für den Ein[sichtigen: Bestimmung] des Krieges.“ ↵
Das Kürzel 1QM kommt von der hebräischen Bezeichnung (מגילת מלחמת בני אור בבני חושך, „Megillat Milchamot Bnei Or Bivnei Choshech“ – „Buch der Kriege der Söhne des Lichts mit den Söhnen der Finsternis“): Krieg heißt hier „Milchamah“ ↵
Die Schriftfunde von Qumran erlauben das Beobachten der Entwicklung des Textes, und bekräftigen die Genauigkeit seiner Überlieferung. Nachweislich fanden sich in den Bibeltexten nur geringfügige Abweichungen1, jedoch keine Sinnveränderungen. Bardtke schreibt dazu:2
Die Notwendigkeit, die Gestalt unseres gegenwärtigen Bibeltextes zu ändern, ergibt sich aus den neuen Texten nicht. Sie sind nur erneute Bestätigung für die Richtigkeit und Zuverlässigkeit der handschriftlichen Überlieferung des Bibeltextes, den wir heute gebrauchen.
Besonders zeigt sich dies im Vergleich der nahezu vollständig erhaltenen Jesaja-Rolle 1QIsa etwa mit dem Codex Leningradensis3: In über 1.000 Jahren keine Abweichungen in Anordnung und Textbestand. Dafür finden sich oftmals starke Abweichungen in Orthografie, sowie gelegentlich in der Wortwahl (Synonyme). Nach Glashouwer4 betrug die völlige Übereinstimmung von 1QIsa mit dem masoretischen Text etwa 95%, und die restlichen 5% waren fast ausschließlich auf Schreibfehler bzw. kleine Unterschiede in den Buchstaben zurückzuführen. Wo der Qumran-Text vom masoretischen abweicht, stimmt er meist mit der Septuaginta überein. Sogar verschiedene, von Gelehrten vorgeschlagene Textverbesserungen fanden hier ihre Unterstützung.
Desweiteren widersprechen die Qumran-Funde einigen Argumenten der Bibelkritik:
Somit zeigen die in Qumran gefundenen Handschriften auch eine große Bedeutung für die Textkritik der hebräischen Bibel. Sie machen es unmöglich, ein Buch aus den Propheten, dem Pentateuch „oder auch nur längere Teile dieser Bücher später als im zweiten Jahrhundert v. Chr. anzusetzen“.7 Als Beispiele führt Cross hier auf:
Auch ließen sich die Texte nutzen, um beispielsweise die Genauigkeit der Septuaginta zu prüfen. Ihre abweichenden Lesarten ließen sich in sehr vielen Fällen auf eine hebräische Grundlage zurückführen, die älter ist als der Textus Receptus9 (wofür beispielsweise 4QSama+b Anhaltspunkte boten) – und nicht nur, wie vielfach behauptet, auf bloße Übersetzungs-Eigenarten beruhen.10 Daraus folgt wiederum, dass die Übersetzer der Septuaginta genau arbeiteten, und ihre Vorlagen wortgetreu wiedergaben. Was bedeutet, dass man die Septuaginta auch dort zur Herstellung des ursprünglichen Textes heranziehen kann, wo eine hebräische Vorlage aus der protoseptuagintischen Familie noch nicht gefunden werden konnte.
Da die Funde um vieles älter sind als alles, was zuvor an hebräischen Bibeltexten bekannt war, bieten die Funde natürlich auch wertvolles Material zur Erforschung der vormasoretischen Geschichte dieser Texte. Insbesondere die häufige Verwendung vom matres lectionis11 ist oftmals für die Interpretation der Lesart aufschlussreich.
Und es gibt noch weitere Apekte. So schreibt beispielsweise Alan Millard:12
Die Schriftrollen vom Toten Meer sind besonders wichtig, weil aus der Zeit kurz vor dem Fall Jerusalems keine anderen von gläubigen Juden geschriebenen Bücher erhalten sind. Aus den Rollen ergibt sich für einen Bereich des Judentums zur Zeit der Evangelien neue Sicht. Diese Entdeckung hat viel frischen Wind in das Studium des NT gebracht. Je mehr Fragmente veröffentlicht werden, um so besser verstehen wir den Hintergrund der biblischen Botschaft. Wir müssen uns dabei klarmachen, daß die Schriftrollen nur einen Teil des jüdischen Denkens jener Zeit darstellen.
Wie bereits im Wadi Muraba'at und anderen Fundstellen am Westufer des Toten Meeres überwiegen auch in Qumran die hebräischen Texte nach Anzahl und Bedeutung. Dennoch sind beispielsweise die in Qumran gefundenen griechischen Texte bedeutsam und hilfreich in Bezug auf die Geschichte der griechischen Texte innerhalb des Judentums. Ebenso leisten die aramäischen Schriften einen wesentlichen Beitrag zur Aramaistik, besonders bzgl. der Erforschung der Übergangszeit zwischen dem „Reichs-Aramäisch“ und dem Aufschwung der jüngeren west-aramäischen Schriftarten.13 Hier sind u. a. die Targume zu Levitikus14 und das in zahlreichen Fragmenten erhaltene Targum zu Hiob15 als die ältesten Repräsentationen der aramäischen Übertragung der hebräischen Bibeltexte von größter Bedeutung.16 Sowohl die hebräischen als auch die aramäischen Texte zeigen die herrschende Stellung des Aramäischen im Palästina der hasmonäischen und frühen römischen Zeit17 – was sich auch in der aramaisierenden Schriftform der hebräischen Texte zeigt.18
Die Handschriften der hebräischen Bibel sind darüber hinaus besonders aufschlussreich für Paläografie und Textgeschichte, und geben interessante Aufschlüsse über Schreibgewohnheiten alter Abschreiber, etwa bzgl. Worttrennung, Zeilenumbruch, Absätze, etc.
Cross19 hebt hervor, dass die zuvor kaum bekannten Essener bedeutsam für unser Verständnis des antiken Judentums und der Anfänge des Christentums sind. Die in Qumran gefundenen Handschriften haben der Wissenschaft darüber hinaus zu neuen Erkenntnissen betreffs der Geschichte des hebräischen Kanons, der Entwicklung der hebräischen und aramäischen Dialekte, Schriften, Orthografie und Schreibmethoden sowie der Literatur- und Textgeschichte der hebräischen Bibel verholfen.
Überdies bestätigen die Qumran-Funde die Geschichtsschreibung. So beschreibt beispielsweise Josephus, dass Chirbet Qumran 68 u. Z. zerstört wurde. Münzfunde belegen dies nun: „Aufstands-Münzen“ sind bis ins zweite Jahr des Aufstands20 zahlreich erhalten, vom dritten Jahr dagegen nur noch eine verschwindend geringe Anzahl.21
Außer Spuren der essenischen Besiedlung zwischen dem zweiten Jahrhundert v. u. Z. und dem ersten Jahrhundert u. Z. wurden laut Bardtke22 auch Spuren älterer Besiedlung festgestellt – israelitisch und vorisraelitisch. Diese Funde sind wichtig für die gesamte Besiedlungsgeschichte der Gegend um Qumran.
überwiegend alternative Schreibweisen bzw. kleinere Abschreibfehler, bzw. Verwendung synonymer Worte, grammatikalische bzw. orthografische Besonderheiten, oder auch eine abweichende Gliederung des Textes. Nicht selten stimmen diese Abweichungen jedoch mit anderen Quellen (meist LXX) überein ↵
Der Codex Leningradensis stammt aus dem Jahre 1008, und ist die älteste bekannte vollständige Handschrift der hebräischen Bibel in der Originalsprache. ↵
Bernhard Duhm, 1892 ↵
dessen Entstehungszeit nach Cross vor 67 u. Z. liegen (G 223); siehe auch Wikipedia ↵
diese hebräischen Grundlagen werden auch als „protoseptuagintische Textfamilie“ bezeichnet ↵
Hilfsvokalen ↵
4QTgLev ↵
11QTgJob ↵
z. B. 4QTest, nach Segert auch 3Q15 ↵
etwa 67/68 u. Z. ↵
Auch hier wieder nur ein kleiner Auszug. Weitere Texte finden sich u. a. auf Qumran.ORG.
In den folgenden Textauszügen verwendete Kennzeichnungen:
Entnommen aus: Maier/Schubert: "Die Qumran-Essener", Reinhardt-Verlag, München, 1991; S. 271-278)
oder vorne ↵
Ergänzung nach 4QSa ↵
Ergänzung nach 4QSa und 4QSc ↵
Ergänzung nach 4QSd ↵
das Wort „fahrlässig“ ist über die Zeile geschrieben ↵
über die Zeile geschrieben: „mit einem Jahr“ ↵
Ergänzung nach 4QSe ↵
Zeile 10 (ab „Und sie sollen wohlgefällig sein“) bis einschließlich Zeile 12 (komplett) sind über der Zeile nachgetragen ↵
Ergänzung nach 4QSd ↵
„der Gemeinschaft“ fehlt in 4QSd ↵
4QSd liest anstatt „Wenn aber sein Wandel vollkommen ist in der Sitzung“ lediglich „Und er soll sitzen“ ↵
korrigiert nach 4QSd. 1QS hält hier „er schreibt“ – den Unterschied macht ein Buchstabe: 1QS „JKTJB“, 4QSd „NKTB“, „Jud“ und „Nun“ sehen sich im hebräischen sehr ähnlich, es kann sich hier also durchaus um einen Schreibfehler handeln. ↵
so nach 4QSe; 1QS schreibt hier „Söhne Zadoqs“ ↵
statt „sie sind groß“ (hem gadol) lesen 4QSb und 4QSd „den großen Tag“ (Jom gadol) ↵
| A | Bardke, Hans: Die Handschriften-Funde am Toten Meer. Die Sekte von Qumran. Evangelische Haupt-Bibelgesellschaft zu Berlin, 1958 |
| B | Bibel und Qumran. Evangelische Haupt-Bibelgesellschaft zu Berlin, 1968. Daraus: B1: Betz, Otto: Zungenreden und süßer Wein (S. 20ff) B2: Grundmann, Walter: Die Frage nach der Gottessohnschaft des Messias im Lichte von Qumran (S. 86ff) B3: Kapelrud, Arvid: Der Bund in den Qumran-Schriften (S. 137ff) B4: Segert, Stanislav: Bedeutung der Handschriften-Funde am Toten Meer für die Aramaistik (S. 183ff) B5: Seidel, Hans: Erwägungen zur Frage des geistigen Ursprungsortes der Erweckungsbewegung von Qumran |
| C | Bardke, Hans: Bibel, Spaten und Geschichte. Koehler und Amelang, Leipzig 1968 |
| D | Wegener, Günther S.: 6000 Jahre und ein Buch. 10. unbearbeitete Auflage, Oncken Verlag Wuppertal und Kassel 1985 |
| F | Bardke, Hans: Die Handschriftenfunde in der Wüste Juda. 1. Auflage, Evangelische Hauptbibelgesellschaft zu Berlin 1962 |
| G | Cross, Frank Moore: Die Antike Bibliothek von Qumran und die moderne biblische Wissenschaft. Neukirchener Verlag des Erziehungsvereins 1967 |
| I | Thiede, Carsten Peter: Die älteste Evangelien-Handschrift? R. Brockhaus Verlag Wuppertal 1986 |
| K | Archer, Gleason C. jun.: Einleitung in das Alte Testament, Band 1. Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell 1987 (amerikanische Ausgabe: A Survey of Old Testament Introduction, Moody-Press Chicago, USA 1974) |
| M | Noth, Martin: Die Welt des Alten Testaments. Alfred Tölpelmann, Berlin 1962 |
| N | Glashouwer, Willem J. J.: So entstand die Bibel. Hänssler-Verlag Neuhausen/Stuttgart 1979 |
| O | Mongait, Alexander: Archäologie und Gegenwart. VEB Verlag der Kunst Dresden 1985 |
| P | Yadin, Yigael: Die Tempelrolle - Die verborgene Thora vom Toten Meer. Albrecht Knaus Verlag GmbH München und Hamburg 1985 |
| Q | Rudolph, Kurt: Antike Baptisten. Akademie-Verlag 1981 |
| R | Maier, Johann & Schubert, Kurt: Die Qumran-Essener. Ernst Reinhardt Verlag München/Basel 1973 |
| S | Maier, Johann: Die Tempelrolle vom Toten Meer. Ernst Reinhardt Verlag München 1978 |
| T | Millard, Alan: Schätze aus biblischer Zeit. Evangelische Verlagsanstalt Berlin 1988 |
| U | Rost, Leonhard: Einleitung in die alttestamentlichen Apokryphen und Pseudepigraphien einschließlich der großen Qumran-Handschriften. Quelle & Maier Heidelberg 1979 |
| V | Grözinger, Karl-Erich: Qumran. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1981. Daraus: V1: Rowley, H. H.: Die Geschichte der Qumran-Sekte (1966/67) V2: Milik, J. T.: Die Geschichte der Essener (1957/59) V3: Hunzinger, C. H.: Beobachtungen zur Entwicklung der Disziplinarordnung der Gemeinde von Qumran (1963) V4: Cross, Frank Moore jr.: Der Beitrag der Qumran-Funde zur Erforschung des Bibeltextes (1966) |
| W | Adam, A.: Antike Berichte über Essener, Kleine Texte 182. Berlin 1961 |
Skizzen: Andreas Itzchak Rehberg, 1988/89
Fotos: Andreas Itzchak Rehberg, 1992
Cover: Andreas Itzchak Rehberg, 2015; Foto: Qumran-Höhle 4, 1992